Wandern auf dem Caminito del Rey: Spaß an der Angst | reisereporter.de

Wandern auf dem Caminito del Rey: Spaß an der Angst

Er galt als „gefährlichster Pfad der Welt“ und wurde zeitweise gesperrt, nachdem dort in den Jahren 1999 und 2000 vier Menschen abstürzten und starben. Dennoch zieht der Caminito del Rey die Menschen an.

Zwischen den hohen Felswänden der Caitanes-Schlucht zu wandern und die Tiefe unter sich zu spüren ist einfach beeindruckend.
Zwischen den hohen Felswänden der Caitanes-Schlucht zu wandern und die Tiefe unter sich zu spüren ist einfach beeindruckend.

Foto: pixabay.com/alfcermed

Auch hohe Geldstrafen halfen damals nicht. Immer wieder kamen Menschen, die auf dem gesperrten Wanderweg Caminito del Rey vor allem eines suchten: Angst und die Freude daran. Seit 2015 ist der andalusische „Königspfad“ wieder geöffnet. Der Name kommt daher, dass ihn 1921 der spanische König Alfonso XIII. passierte.

Die regionale Regierung hat ihn für 4,5 Millionen Euro sanieren lassen. Die mehr als 100 Jahre alten Pfade, auf denen einst Baumaterial für die nahen Wasserkraftwerke transportiert wurde, gibt es aber noch. Sie sind an vielen Stellen lose, dicke Löcher klaffen in den alten Betonplatten und geben nach unten den Blick auf den 100 Meter entfernten Boden der Gaitanes-Schlucht frei.

Die weißen Helme sind Pflicht für jeden, der auf dem Königspfad unterwegs ist.
Die weißen Helme sind Pflicht für jeden, der auf dem Königspfad unterwegs ist. Foto: Nadine Wolter

Wer hier wandern will, muss früh buchen oder früh aufstehen

Knapp über den alten Platten verläuft der neue Königspfad, die Strecke hat sich nicht verändert. Maximal 600 weiß behelmte Wanderer pro Tag dürfen diesen passieren. Die Tour ist teils auf Monate ausgebucht. Wer hier wandern möchte, muss sich rechtzeitig Tickets reservieren oder sehr früh aufstehen, um eine der 50 Eintrittskarten zu bekommen, die für die ersten Gäste am Morgen bereitgehalten werden.

Der knapp drei Kilometer lange Klettersteig ist der spektakulärste Teil.

Der Königspfad zeigt den Wanderern gleich zu Beginn, was sie die nächsten drei bis vier Stunden erwartet: Auf etwa einen Meter breiten Holzbrettern geht es durch die Schlucht, deren Felswände sich an manchen Stellen auf weniger als zehn Meter nähern und sich bis zu dreihundert Meter hoch auftürmen.

Der knapp drei Kilometer lange Klettersteig ist der spektakulärste Teil des 7,7 Kilometer langen Königspfades. Die Wanderguppen verteilen sich schnell, mitunter bist du allein auf dem Pfad und weißt nicht, wohin du zuerst gucken sollst. Über den Felsspalten kreisen Bartgeier, Hunderte Meter weiter unten rauscht der Fluss Gualdahorce, der die Schlucht einst geschaffen hat, während der Pfad vorbei an steilen, schonungslos kargen, beigegrauen Kalksteinwänden führt.

Der Blick nach unten in die Gaitanes Schlucht.
Der Blick nach unten in die Gaitanes Schlucht. Foto: Nadine Wolter

Auf etwa halber Strecke löst ein steinerner Wanderpfad den engen Wanderweg kurzzeitig ab, die Hände verlassen die Metallgeländer, die Füße laufen wieder auf festem Boden. Der grüne Teil der Schlucht ist erreicht, weit unten am blaugrünen Flussufer blühen Oleandersträucher. Danach türmen sich die Felswände erneut auf, die Schlucht wird enger, das Grün weniger, der Boden fällt ab, es geht weiter entlang der Kalksteinfelsen hoch über der Schlucht.

Am Schluss wartet noch einmal eine Hängebrücke als letzte Herausforderung

Die Holzbretter und teils sogar Glasplatten lassen dabei jeden Blick nach unten zu. Sie weisen den Weg durch die Gaitanes-Schlucht, bis sich der Caminito del Rey plötzlich genauso spektakulär verabschiedet, wie er seine Gäste begrüßt hat: Die Schlucht endet an einem Stausee, die Felswände fallen Hunderte Meter steil ins Wasser – und um diese hinabzusteigen, müssen die Wanderer zunächst die Schlucht auf einer Hängebrücke überqueren. Eine letzte Probe für die zittrigen Beine, bis der Königspfad bezwungen ist.

Wirklich gefährlich ist der Caminito del Rey zwar nicht mehr, dafür sorgen diverse Verbote – wie etwa von Selfiesticks – und hüfthohe Geländer, die ein Hinabfallen sehr unwahrscheinlich machen. Doch wer durch die hohen Felswände der Gaitanes-Schlucht wandert und die Tiefe unter sich spürt, kann nicht anders als beeindruckt zu sein von diesem Königspfad. Ihn zu überqueren bleibt ein Abenteuer.

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