Spanien: Britische Touristen bezahlen Obdachlosen für ein Tattoo

Spanien: Touristen bezahlen Obdachlosen für Tattoo

Allerdings nicht dafür, dass er sie tätowierte, sondern dass er sich ein Tattoo über die Stirn machen ließ. Jetzt trägt er den Namen eines Fremden im Gesicht. Wie kam es zu der respektlosen Aktion?

 

Englische Fußballfans in Benidorm, Costa Blanca, Spanien.
Eine Gruppe englischer Urlauber zahlte einem Obdachlosen in Benidorm 100 Euro für ein Tattoo. Die Touristen auf diesem Bild feuerten allerdings nur ihr Fußballteam an.

Foto: imago/Isabel Infantes/EMPICS Entertainment

„Jamie Blake, North Shields, NE28“ – diesen Schriftzug trägt Tomek (34) jetzt auf seiner Stirn. Allerdings unvollständig, denn beim Tätowieren erlitt er nach einiger Zeit so unerträgliche Schmerzen, dass das Tattoo nicht vollendet wurde. 

Warum befand sich der gebürtige Pole überhaupt in diese Situation? Eine Gruppe britischer Touristen soll dem Mann 100 Euro dafür geboten haben, dass er sich den Namen des Bräutigams ins Gesicht tätowieren ließ. In seiner misslichen Lage nahm Tomak das Geld.

Auf menschlicher Ebene ist das einfach widerlich.

Karen M. C., britischer Unternehmensverband

Die Präsidentin des britischen Unternehmensverbandes in Benidorm, Karen M. C., sagt dem „Guardian“: „Auf menschlicher Ebene ist das einfach widerlich; er könnte mein Sohn sein.“ Sie machte Tomak ausfindig, nachdem sie das Facebook-Bild sah. Es sei schrecklich, die verletzliche Lage eines Menschen auszunutzen und mit Geld um sich zu werfen für ein bisschen Spaß. 

Sie verurteile nicht nur die Männer, die für das Tattoo bezahlten, und den Tätowierer, der ihr Geld annahm, sondern forderte eine allgemeine Diskussion über das Verhalten einiger Briten im Ausland: „Wir müssen schauen, warum dieses Verhalten an den Tag gelegt wird, warum es okay scheint, im Urlaub zu tun, was du willst.“ 

Tätowierter Obdachloser ist in schlechter gesundheitlicher Verfassung

Bei ihrem Treffen sei Tomak zynisch gewesen, habe gezittert und zugegeben, Alkoholiker zu sein. Er sei nach seiner letzten gescheiterten Beziehung nach Benidorm gekommen – und die 2.700 Kilometer lange Strecke zu Fuß gelaufen. Seitdem habe er Rückenschmerzen und könne nicht gut gehen. 

Und das Geld der britischen Männer? Nachdem er einen Teil ausgegeben habe, sei Tomak am Strand ausgeraubt worden, sodass die letzten 17 Euro pfutsch waren. Karen M. C. habe bei ihrem Treffen versprochen, dem Obdachlosen zu helfen: „Er nahm meine Hand, küsste sie und sagte: ‚Sie sind ein Engel.‘“

Das Tattoo wird womöglich bald entfernt

Zuerst wolle sie Geld sammeln, damit Tomak sein Tattoo entfernen lassen kann. Doch nach dem Treffen sei ihr klar geworden: „Das Tattoo zu entfernen ist ein wichtiges Zeichen dafür, dass wir das Verhalten nicht tolerieren. Ihn kennenzulernen hat mir aber gezeigt, wie hilfsbedürftig er ist.“ Sie wolle ihm die Hilfe geben, die er brauche. 

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