In der Hauptsaison zwischen Mai und Oktober besuchen Tausende Urlauber die Inselparadiese im Mittelmeer. Kein Wunder: Malerische weiße Häuschen kleben wie zufällig auf den meterhohen Klippen, an denen sich verwunschene Pfade zu Fischerörtchen und Stränden hinabwinden.

Um die steilen Hügel zu erklimmen, lassen sich viele Inselbesucher von Eseln durch die Gegend tragen, beispielsweise auf Santorin, dem Inbegriff des griechischen Inselidylls.

Augenzeugen berichten, dass die Esel bis zu fünfmal täglich die mehr als 500 Stufen zum Ort Fira hinaufwanken:

Weil Esel sehr stoische Tiere seien, würden sie buchstäblich weiter ihre Arbeit verrichten, bis sie umfallen, schreibt Christina K. (42) von der „Santorini Animal Welfare Association“. Selbst wenn sie lahmen oder die Sättel ihnen blutige Wunden in die Flanken scheuern.

Und wenn sie keine Touristen schleppen, dann sind es Dutzende Säcke prall gefüllt mit Müll: 

Das ist nicht erst seit gestern so – was die Sache aber auch nicht besser macht. Mit ihrem Tierschutzverein setzt Christina sich für streunende Tiere auf Santorin ein. Außerdem arbeitet sie bereits seit zehn Jahren daran, das Wohl der Esel und Maultiere auf der Insel zu verbessern.

Der Verein kümmert sich unter anderem um die Umsetzung eines Verhaltenskodex für alle Esel in der Bucht von Fira, um ihre Gesundheits- und Arbeitsumstände zu verbessern. Derzeit leben etwa 13 Esel in ihrer Obhut.​

Esel auf Santorin müssen übergewichtige Touristen transportieren

Das Problem der langohrigen Lastenschlepper: „Eigentlich sollen Esel nur etwa 20 Prozent ihres eigenen Körpergewichts tragen“, so ein Sprecher der Organisation „Help the Santorini Donkeys“ gegenüber dem „Mirror“.

Übergewichtige Touristen in Kombination mit zu wenig Schatten und Wasser, dafür sengende Hitze und kopfsteingepflasterte Treppenstufen würden für den extrem schlechten Zustand der Tiere sorgen.

Es solle eine Gewichtsbegrenzung fürs Eselreiten geben, die sei aber sehr schwer durchzusetzen. 

Sobald die Esel zu alt oder schwach zum Arbeiten werden, findet Christina sie am Eingang ihres Tierheims in einem jämmerlichen Zustand. „Esel arbeiten mittlerweile fast das ganze Jahr über“, erzählt Christina dem „Mirror“. Außerdem habe sich die Zahl der übergewichtigen Touristen aus den USA, Russland und dem Vereinigten Königreich fast verdreifacht.

Esel auf Santorin: Tierquälerei wird immer mehr zum Thema

Jetzt ist es natürlich nicht nur das Problem der Urlauber, sondern auch jener, die mit der Qual ihrer Esel Geld verdienen. Am vergangenen Freitag ging auf Facebook ein Video viral, dass die Tierschützer „Dreamdancer“ bei einem friedlichen Protest gegen die Behandlung der Esel in der Inselhauptstadt Fira zeigt.

Kurz nach ihrer Ankunft wurden die Aktivisten von den Besitzern der Tiere angegriffen, zwei von ihnen mussten sogar ins Krankenhaus.

Was können also Urlauber gegen die Tierquälerei tun? Im Zweifel gar nicht erst auf die Esel steigen. Christina ermutigt Touristen außerdem, auf der Facebook-Seite ihres Vereins Videos von offensichtlich entkräfteten Tieren zu teilen, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen.