Müssen Arktis-Kreuzfahren wirklich sein? Diese Frage stellt sich nach dem tragischen Vorfall auf einer Expeditionsreise von Hapag-Lloyd Cruises. Ein deutsches Crewmitglied der „MS Bremen“ ist am Samstag von einem Eisbären angegriffen und am Kopf verletzt worden.

Der Mann kam ins Krankenhaus, der Eisbär wurde erschossen. Aus „Gründen der Notwehr“, heißt es vom Veranstalter. Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken sind heftig, Hapag-Lloyd Cruises wird scharf kritisiert. Unter dem Hashtag „#BoycottHapagLlloydCruises“ rufen etliche Nutzer zum Boykott des Unternehmens auf.

Eisbär greift Crewmitglied an und wird erschossen: Das Netz tobt

„Nur wegen dem Geschäft mit den Touristen wurde ein Eisbär abgeschossen…“, schreibt ein Twitter-Nutzer, ein anderer: „Wie muss es sich anfühlen, wenn aufgrund eigener Schaulust eine Eisbär sein Leben gelassen hat?“

Viele Twitter-Nutzer hinterfragen die Berechtigung von Kreuzfahrten in die Arktis direkt: „Was haben Menschen dort zu suchen?“, oder: „Wer gehört auf Spitzbergen nicht hin? Die Kreuzfahrtschiffe oder Eisbären?“ 

Auch in englischsprachigen Ländern schlug die Berichterstattung über den erschossenen Eisbären hohe Wellen. Twitter-Nutzerin Vanessa M. Cué fragt ungläubig: „Die Menschen fallen in deren Lebensraum ein und erwarten was…?!? Eine Umarmung…?!?“ 

Und Daniel Schneider, nach eigenen Angaben Biologe, twittert: „Dieser Eisbär  wurde von Touristen vom Kreuzfahrtschiff ‚MS Bremen‘ überfallen. Er verteidigte sich in seinem Zuhause und verletzte einen ‚Eisbärwächter‘ leicht. Er wurde dann erschossen. Hier ist ein Gedanke. Schauen Sie sich die Bären von Weitem an und lassen Sie sie in Ruhe.“ 

Auch der britische Comedian Ricky Gervais äußert sich auf Twitter: „‚Lasst uns einem Eisbären in seiner natürlichen Umgebung zu nahe kommen und ihn dann töten, wenn er zu nahe kommt.‘ Idioten!“ 

Hapag-Lloyd Cruises weist Kritik an Arktis-Kreuzfahrten zurück

Hapag-Llyod Cruises wirbt für seine Arktis-Kreuzfahrten auf der „MS Bremen“ mit Slogans wie „Hier erleben Sie die Arkits pur“ oder „Wo Eisbären die Wildnis regieren“. Auf Facebook äußert sich der Veranstalter nun zu dem Vorfall und weist Kritik an den Reisen zurück: Er sei sich „seiner Verantwortung bei Reisen in den sensiblen Gebieten und dem respektvollen Umgang mit der Natur und Tierwelt sehr bewusst“ und kläre seine Gäste über die vorgeschriebenen Verhaltensweisen in diesen Gebieten aktiv auf.

Touristen würden die Eisbären nur von Bord der Schiffe beobachten – „aus sicherer Distanz“. Um Landgänge vorzubereiten würden die sogenannten Eisbärenwächter die Gegend begehen, um sicherzustellen, dass keine Eisbären dort seien. „Sobald sich ein solches Tier nähert, würde der Landgang sofort abgebrochen werden.“

Beim aktuellen Vorfall habe der Bär nicht gesichtet werden können. Versuche der anderen Wächter, das Tier zu vertreiben, seien erfolglos geblieben. Daher „musste aus Gründen der Notwehr und um das Leben der angegriffenen Person zu schützen, eingegriffen werden“.

Auch auf diese Stellungnahme gibt es scharfe Kritik. Die Kommentare reichen vom „Das ist ein Rechtfertigungsversuch, wo es keine Rechtfertigung gibt“ über „Schade, dass bei der ‚Darstellung der Situation‘ der Tod des Eisbären unerwähnt bleibt“ bis hin zu „Schämen Sie sich und stoppen Sie diese Reisen“ und „Schämen sie sich!!!!!!!!“.

Kreuzfahrt-Tourismus in die Arktis boomt

Der Kreufzahrt-Tourismus in der Region Spitzbergen ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, derzeit ist Hauptsaison. In Longbyearbyen sollen in dieser Woche 18 Kreuzfahrtschiffe anlegen. Nicht nur Hapag-Llloyd Cruises bietet Expeditionsreisen dorthin an.

Der Veranstalter Polaris Tours etwa wirbt für seine Tour „Nordspitzbergen – Auf der Suche nach Eisbären“ damit, dass viel Zeit „für spannende Fahrten mit den bordeigenen Schlauchbooten und für Landgänge“ bleibe. Es würden Gegenden angefahren, in denen schon häufig Eisbären gesichtet wurden.

Und bei den Poseidon Expeditions begeben sich die Touristen auf die „Suche nach Eisbären“. Auch dort gibt es Landgänge, und das Schiff werde sich „am Eisrand aufhalten“. 

Bei MSC Kreuzfahrten können Urlauber bei Landgängen „mit dem E-Bike durch das Land der Eisbären“ fahren. In der Vorstellung des Ausflugs heißt es: „Um sicherzustellen, dass keiner der etwa 3.000 in der Region lebenden Eisbären Ihnen zu nahe kommt, werden Sie während des gesamten Ausflugs von einem erfahrenen Ranger begleitet.“