Eine Nacht am Meer, Wellenrauschen, Sterne zählen – das alles ist möglich in der Weltneuheit Schlafstrandkorb – behauptet die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH). Und wir sagen Ihnen, ob’s stimmt. Ein Praxistest.

Anreise

Erster Anlaufpunkt für Strandschläfer ist die Tourist-Information bei der Stadthalle. Die ist sowohl vom Bahnhof als auch von den zahlreichen strandnahen Parkplätzen aus zu Fuß schnell zu erreichen. Von 14 bis 17 Uhr kann man hier den Schlüssel für seinen Korb abholen. Danach ist die Übergabe durch ein Schließfachsystem möglich. Ausgerüstet mit einem Strandkorb-Schlüssel, einem weiteren für die nahegelegenen Toiletten sowie Handfeger und Schaufel und einer Kurzanleitung für den Korb geht es an den Strand.

Naturerlebnis

Strandspaziergang, Sonne genießen, ein Bad in der Ostsee. Bei um die 20 Grad neigt sich ein perfekter Strandtag dem Ende entgegen. Während alle anderen nach Hause gehen, packen wir unser Picknick aus. Ein Mädelsabend im Strandkorb, das ist mal etwas anderes. Wer sein Abendessen nicht selbst mitbringen und unter freiem Himmel einnehmen möchte, findet in der Nähe Restaurants oder Imbiss-Buden. Wir machen es uns im Sand bequem und genießen die frische Luft, bis der Wind zu kalt wird. Einziges Manko: Die Sonne geht im Westen und damit hinter unserem Rücken unter. Von beschaulicher Ruhe kann zunächst auch keine Rede sein. In einem Restaurant in der Nähe läuft laute Musik, man hört die Autos auf der B76 und sogar nachts noch den Bahnübergang. Auch morgens kommen Möwenschreie und Meeresrauschen nicht gegen die Geräusche der erwachenden Zivilisation an. Und trotzdem: Der Blick aufs ruhige Wasser in den späten Abend- und frühen Morgenstunden ist etwas ganz Besonderes. Zum Aufwachen gibt es außerdem eine Demonstration der hier stationierten Marineflotte. Während Tender und U-Boot kreuzen, schälen wir uns aus den Schlafsäcken und wagen einen morgendlichen Sprung in die jetzt doch ziemlich kühle Ostsee.

Komfort

Keine Frage, die Erfinder des Schlafstrandkorbs haben an vieles gedacht. Das faltbare Verdeck müssen wir zum Glück nur als Wind- und nicht als Regenschutz testen. Es bewährt sich. Auch, weil es sich in verschiedenen Stufen einhaken lässt. Die Liegefläche wirkt auf den ersten Blick ziemlich schmal für zwei Personen, doch wir finden beide ausreichend Platz. Die mit 2,40 Metern angegebene Breite bezieht sich aber wohl auf den ganzen Korb, nicht auf die Schlaffläche. Praktisch sind auch die beiden Bullaugen, die maritim-romantisch zu jeder Tages- und Nachtzeit einen Blick auf Strand und Wasser ermöglichen. Gut aber auch, dass sie sich mit einer Klappe verschließen lassen. Sei es, um beim Schlafen jegliches Licht auszusperren, sei es, um sich vor neugierigen Blicken zu schützen. Gleiches gilt für das große Fenster vorne im Verdeck, das sich mit einem Reißverschluss öffnen und schließen lässt. Das Konstrukt hat aber auch seine Nachteile. Zwar ist der Korb mit breiten Kufen versehen, die bei der Ausrichtung helfen sollen. Doch die graben sich tief in den Sand. Als wir unseren Korb in die perfekte Schlafposition ziehen wollen, bekommen wir ihn nur millimeterweise bewegt. Aber: So lernt man Leute kennen. Ein gut trainierter Strand-Jogger eilt zur Hilfe. Auch das Gepäck zu verstauen, ist eine kleine Herausforderung. Zwar gibt es ein kleines Gepäcknetz unter der Liegefläche, aber eine Tasche müssen wir schließlich im Inneren des Korbes unterbringen. Dank praktischer Ablageflächen am Kopfende ist auch nachts alles griffbereit. Kurzum: Es ist alles da, was man braucht. Selbst mitbringen sollte man einen warmen Schlafsack, denn nachts kann es ziemlich kalt werden. Einige Stunden später verwandelt sich der Korb mit seinem Plastik-Verdeck dann durch die Sonneneinstrahlung in eine Mini-Sauna. Zeit, das Verdeck zu öffnen und den Wind hereinzulassen! Fazit: Ja, man kann hier schlafen. Gut sogar, aber nicht lange.

Abenteuer

Zu zweit im gemütlichen Strandkorb, in Schlafsäcke gekuschelt und mit geschlossenem Verdeck fühlt man sich auch alleine am Strand gut geborgen. Wie verlassen alles daliegt, fällt erst auf dem Weg zum Zähneputzen auf. Da werden die gut 200 Meter zu den Toiletten beim Meerwasser Wellenbad doch zu einem kleinen Abenteuer. Ansonsten verhindern die nahegelegene Straße, Bahnstrecke und Gastronomie ein echtes Wildcamp-Gefühl, sorgen aber auch dafür, dass wir uns die ganze Zeit sicher fühlen, sofern wir darauf verzichten, uns Gruselgeschichten zu erzählen...

Spontaneität

Ein lauer Sommerabend am Strand, also gleich über Nacht bleiben? Ganz so spontan geht das nicht. Im Gegensatz zu herkömmlichen Strandkörben müssen die Schlaf-Varianten im Voraus gebucht werden. Rechtzeitiges Anfragen bei der jeweiligen Tourist-Info lohnt sich also – ebenso wie ein guter Draht zum Wetter-Gott.

Preis/Leistung

Vorweg: Buchungspakete, hinzubuchbare Extras und Preise variieren von Standort zu Standort. In Eckernförde kostet eine Nacht im eigenen Schlafsack, also ohne Endreinigung (10 Euro), 29 Euro. Geteilt durch zwei ist das ein fairer Preis für die insgesamt 20 Stunden, die man den Korb nutzen darf (14 bis 10 Uhr).
Standorte: Während der Pilotphase gibt es acht Schlafstrandkörbe in Schleswig-Holstein. Zwei stehen in Eckernförde, je einer am Weissenhäuser Strand, auf Fehmarn, am Timmendorfer Strand, in Niendorf, in Travemünde und einer in Scharbeutz (ab August in Pelzerhaken).