„Entschuldigung, haben Sie einen Social-Media-Account? Ja? Wir müssen sie vor Nacktheit beschützen – auch wenn das Kunst ist.“ Im Rubenshaus in Antwerpen ist die Social-Media-Polizei unterwegs und setzt die Facebook-Richtlinien eins zu eins im Museum um.

Zwei Männer in blauer Uniform mit der Aufschrift „social media inspector – fbi“ (natürlich in Facebook-Blau) versperren Besuchern die Sicht auf nackte Hintern und Brüste bei Rubens Werken. Die Kunstliebhaber schauen ungläubig, teils schockiert, teils amüsiert.

Rubenshaus protestiert gegen Anti-Nacktheitsregeln von Facebook

Die skurrile Aktion wurde gefilmt – die Idee dazu hatte die flämische Tourismusbehörde. Sie protestiert damit gegen Facebooks Anti-Nacktheit-Regeln. 

Die Richtlinien sorgten schon mehrfach für Aufregung. So sperrte das soziale Netzwerk unter anderem ein Foto einer Neptun-Statue (die außer einem Dreizack nichts trug) und ein berühmtes Foto aus dem Vietnamkrieg, das ein nacktes Kind nach einem Napalmangriff zeigt. 

Die Werberichtlinien verbieten das Zeigen von (implizierter) Nacktheit in dem sozialen Netzwerk, selbst wenn es sich um Kunst handelt. Schlecht für Paul Peter Rubens (1577–1640), denn der Barockmaler ist vor allem für seine Aktmalereien bekannt.

Rubens wird von der Zensur verfolgt: Erst Kirche, jetzt Facebook

Die Zensur scheint Rubens zu verfolgen. Im 17. Jahrhundert wurde er von der katholischen Kirche dazu aufgefordert, Lendenschurze über bestimmte Körperteile seiner Venusfiguren zu malen. Und Facebook geht heute noch einen Schritt weiter und verbietet das Zeigen der Werke komplett.

„Im Moment ist es uns nicht möglich, unser einzigartiges kulturelles Erbe über eines der beliebtesten Social-Media-Netzwerke zu bewerben“, so der Geschäftsführer von „Visit Flanders“, Peter De Wilde. Die Kunst werde als „unanständig und manchmal sogar als pornografisch“ eingestuft.

Die Tourismusbehörde habe mehrfach versucht, mit Facebook ins Gespräch zu kommen – ohne Erfolg. Daher habe sie sich zu dieser ironischen Aktion entschieden.

Zu nackt für Facebook: „Die Drei Grazien“ von Rubens.
Zu nackt für Facebook: „Die Drei Grazien“ von Rubens. Foto: imago/Leemage

Museen schreiben offenen Brief an Facebook-Chef Zuckerberg

Gleichzeitig haben 15 flämische Museen einen offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg geschrieben – er liegt auch dem reisereporter vor. Darin schreiben sie: „Sie stören sich an den nackten Pos und Brüsten in den Malereien unseres Künstlers. Wir mussten erleben, dass Facebook systematisch Kunstwerke unseres geliebten Peter Paul Rubens entfernt.“ Sie laden Zuckerberg auf ein „frisches belgisches Bier“ ein, um gemeinsam über eine Lösung nachzudenken. 

Facebook hat offenbar geantwortet und seinerseits zum Kaffee eingeladen, berichtet die belgische Tageszeitung „Het Laatste Nieuws“. Ginge es um normale (nicht beworbene) Beiträge, wären Rubens Kunstwerke nicht zensiert worden. Dann ist das Netzwerk zwar immer noch sehr streng – weibliche Brustwarzen sind beispielsweise tabu. Aber das gilt nicht für Kunst. In Werbeanzeigen wären die Richtlinien aber strenger, so Facebook.