Streiks bei Ryanair: Diese Rechte haben Passagiere

Streiks bei Ryanair: Diese Rechte haben Passagiere

Die deutschen Ryanair-Piloten streiken am Mittwoch und auch in anderen europäischen Ländern könnte Ende September gestreikt werden. Der reisereporter verrät, welche Rechte betroffene Passagiere haben.

Die deutschen Ryanair-Piloten streiken am Mittwoch. Alle Verbindungen von Deutschland aus sollen betroffen sein.
Die deutschen Ryanair-Piloten streiken am Mittwoch. Alle Verbindungen von Deutschland aus sollen betroffen sein. (Symbolfoto)

Foto: imago/Agencia EFE

Die Ankündigung kam erst am gestrigen Montag: Die deutschen Ryanair-Piloten haben für den morgigen Mittwoch ihren Ausstand angekündigt. Nur wenige Tage zuvor verkündeten auch die Gewerkschaften des Kabinenpersonals in Spanien, Italien, Portugal, Belgien und den Niederlanden, dass sie in der letzten Septemberwoche streiken wollen, wenn Ryanair ihren Forderungen nicht entgegen komme. 

Dadurch steht der irischen Airline die nächste Streik-Welle ins Haus, nachdem es erst Anfang August den größten Streik in der bisherigen Unternehmensgeschichte gegeben hatte.

Die Nachricht des deutschen Pilotenstreiks dürfte Ryanair nicht erfreuen: Bereits bei den Streiks im August hatte die Airline sich über die kurze Vorlaufszeit beschwert. Die Airline habe die Vereinigung Cockpit explizit gebeten, mindestens sieben Tage vor einem Streit den Ausstand anzukündigen.

Der reisereporter klärt die wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit den Streiks:

Ryanair-Streik: Haben Passagiere ein Recht auf Entschädigung?

Von den Streiks betroffene Passagiere haben diese Rechte: Ryanair ist verpflichtet, wartende Fluggäste angemessen zu betreuen. Außerdem können Passagiere den Ticketpreis zurückfordern, wenn der Flug ausfällt oder mehr als fünf Stunden verspätet ist. Bei einer Annullierung können sie auch auf einer alternativen Beförderung – Umbuchung auf einen anderen Flug oder Zug – bestehen. So sehen es die Fluggastrechte vor.

Aber wie sieht es mit Ausgleichszahlungen aus? Normalerweise können Flugausfälle und -verspätungen zu Entschädigungszahlungen von 250 bis 600 Euro berechtigen, je nach Flugstrecke. So sieht es die EU-Fluggastrechteverordnung vor. Das gilt aber nicht, wenn die Probleme auf außergewöhnliche Umstände zurückzuführen sind – darunter fallen Unwetter, medizinische Notfälle und bis April dieses Jahres auch Streiks. 

Außergewöhnliche Umstände? Ryanair will keine Entschädigung zahlen

Auf dieser Grundlage kündigte die irische Airline bei Streiks in der Vergangenheit an, sie werde nicht zahlen. Der „Independent“ zitiert die Airline: „Da diese Flugannullierungen durch außergewöhnliche Umstände verursacht wurden, ist keine Entschädigung fällig.“ 

Doch so einfach ist es offenbar nicht. Denn im April urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass ein unrechtmäßiger Streik kein außergewöhnlicher Umstand ist. Im konkreten Fall kündigte Tuifly überraschend Umstrukturierungen an, daraufhin meldeten sich 90 Prozent der Piloten und 60 Prozent der Flugbegleiter krank. Die Airline wollte keine Entschädigungen zahlen. Doch der EuGH urteilte: Tuifly muss zahlen, der „wilde Streik“ war kein außergewöhnlicher Umstand. Grund für das Urteil: „Das Problem war hausgemacht“, erläutert Reiserechtsanwalt Paul Degott. 

Zuletzt entschied auch der Bundesgerichtshof im Fall einer Flugannullierung, der mit dem Streik des Flugpersonals am Hamburger Airport begründet worden war, dass die betroffenen Passagiere ein Recht auf Ausgleichszahlungen hätten. 

„Airhelp“: Ryanairs Verhalten ist „inakzeptabel“

Nun sei die Frage, ob auch im Fall Ryanair das Problem hausgemacht sei – Airline-Chef Michael O’Leary sei definitiv ein „ganz besonderer Arbeitgeber“, so Degott. Sein Fazit: „Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass ein Gericht entscheiden wird, dass Passagiere Anspruch auf Ausgleichszahlungen haben.“ 

Die Fluggasthelferportale „Airhelp“ und „Flightright“ gehen noch weiter: Dass Ryanair nicht zahlen wolle, sei „inakzeptabel“. „Airhelp“ wirft der Airline vor, sich damit über das Gesetz zu stellen und verweist auf das EuGH-Urteil. „Die EU-Passagierrechte sind für jeden bindend und können nicht nach eigenem Belieben ausgelegt werden.“ Die Passagiere müssten für die Unannehmlichkeit entschädigt werden, „die eine Airline oder deren Mitarbeiter verursachen“. 

Und das Portal „Flightright“ leitet sogar rechtliche Schritte gegen die irische Billig-Airline ein: Es verklagt Ryanair, da die Airline die von den Streiks betroffenen Fluggäste nicht entschädigen will. Aus Sicht von „Flightright“ bestehen „keine Zweifel, dass Ryanair hier verpflichtet ist, seinen Kunden Entschädigungen für den Flugausfall zu zahlen“.

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