Streiks bei Ryanair: Diese Rechte haben Passagiere

Streiks bei Ryanair: Diese Rechte haben Passagiere

Das Kabinenpersonal streikt am Freitag in fünf Ländern, in Deutschland schließen sich auch die Ryanair-Piloten dem Ausstand an. Der reisereporter verrät, welche Rechte betroffene Passagiere haben.

Die deutschen Ryanair-Piloten streiken am Mittwoch. Alle Verbindungen von Deutschland aus sollen betroffen sein.
Die deutschen Ryanair-Piloten streiken am Mittwoch. Alle Verbindungen von Deutschland aus sollen betroffen sein. (Symbolfoto)

Foto: imago/Agencia EFE

Sie machen ihre Drohungen war: Die Gewerkschaften des Kabinenpersonals in Spanien, Italien, Portugal, Belgien und den Niederlanden, rufen am morgigen Freitag zum Streik bei Ryanair auf. Und mit der Vereinigung Cockpit schließen sich auch die deutschen Piloten dem Ausstand an. Dabei liegt der letzte Streik der deutschen Ryanair-Piloten erst rund zwei Wochen zurück.  

Dadurch steht der irischen Airline die nächste Streik-Welle ins Haus, nachdem es erst Anfang August den größten Streik in der bisherigen Unternehmensgeschichte gegeben hatte.

Die Nachricht des deutschen Pilotenstreiks dürfte Ryanair nicht erfreuen: Bereits bei den Streiks im August hatte die Airline sich über die kurze Vorlaufszeit beschwert. Die Airline habe die Vereinigung Cockpit explizit gebeten, mindestens sieben Tage vor einem Streit den Ausstand anzukündigen.

Der reisereporter klärt die wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit den Streiks:

Ryanair-Streik: Haben Passagiere ein Recht auf Entschädigung?

Von den Streiks betroffene Passagiere haben diese Rechte: Ryanair ist verpflichtet, wartende Fluggäste angemessen zu betreuen. Zu diesen sogenannten Betreuungsleistungen zählen unter anderem Kosten für Hotels, Transport von und zum Hotel und Verpflegung. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, bei Ryanair auf diese Leistungen zu drängen. 

Sollte Ryanair für gestrandete Passagiere nicht erreichbar sein, können diese sich selbst um eine angemessene Unterkunft und Verpflegung kümmern. In diesem Fall unbedingt Rechnungen und Quittungen aufbewahren, um Kosten von der Airline zurückzufordern. 

Ticketpreis bei Flugausfällen oder extremen Verspätungen zurückfordern

Außerdem können Passagiere den Ticketpreis zurückfordern, wenn der Flug ausfällt oder mehr als fünf Stunden verspätet ist. Bei einer Annullierung können sie auch auf einer alternativen Beförderung – Umbuchung auf einen anderen Flug oder Zug – bestehen. So sehen es die Fluggastrechte vor.

Wenn du dir mit Ryanair nicht einig wirst, kann übrigens eine Schlichtungsstelle helfen. Über ein Formular kannst du dich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr wenden. 

Ryanair-Flug als Teil einer Pauschalreise

Für denn Fall, dass der Flug mit Ryanair zu einer gebuchten Pauschalreise gehört, müssen sich Passagiere statt an die Airline an ihren Reiseveranstalter wenden. Dort sollten sie auf eine alternative Verbindung mit anderen Airlines, Zügen oder späteren Ryanair-Flügen pochen, so die Verbraucherzentrale.

Pauschalreiseveranstalter sind übrigens auch bei Streik verpflichtet, die Kosten für Verpflegung, Unterkunft, Taxifahrten, Telefonate oder ähnliche Ausgaben zu übernehmen, die durch die Verspätung entstehen.

Flugausfall: Ausgleichszahlungen auch bei Streiks?

Aber wie sieht es mit Ausgleichszahlungen aus? Normalerweise können Flugausfälle und -verspätungen zu Entschädigungszahlungen von 250 bis 600 Euro vonseiten der Airline berechtigen, je nach Flugstrecke. So sieht es die EU-Fluggastrechteverordnung vor. Das gilt aber nicht, wenn die Probleme auf außergewöhnliche Umstände zurückzuführen sind – darunter fallen Unwetter, medizinische Notfälle und bis April dieses Jahres auch Streiks. 

Außergewöhnliche Umstände? Ryanair will keine Entschädigung zahlen

Auf dieser Grundlage kündigte die irische Airline bei Streiks in der Vergangenheit an, sie werde nicht zahlen. Der „Independent“ zitiert die Airline: „Da diese Flugannullierungen durch außergewöhnliche Umstände verursacht wurden, ist keine Entschädigung fällig.“ 

Doch so einfach ist es offenbar nicht. Denn im April urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass ein unrechtmäßiger Streik kein außergewöhnlicher Umstand ist. Im konkreten Fall kündigte Tuifly überraschend Umstrukturierungen an, daraufhin meldeten sich 90 Prozent der Piloten und 60 Prozent der Flugbegleiter krank. Die Airline wollte keine Entschädigungen zahlen. Doch der EuGH urteilte: Tuifly muss zahlen, der „wilde Streik“ war kein außergewöhnlicher Umstand. Grund für das Urteil: „Das Problem war hausgemacht“, erläutert Reiserechtsanwalt Paul Degott. 

Zuletzt entschied auch der Bundesgerichtshof im Fall einer Flugannullierung, der mit dem Streik des Flugpersonals am Hamburger Airport begründet worden war, dass die betroffenen Passagiere ein Recht auf Ausgleichszahlungen hätten. 

„Airhelp“: Ryanairs Verhalten ist „inakzeptabel“

Nun sei die Frage, ob auch im Fall Ryanair das Problem hausgemacht sei – Airline-Chef Michael O’Leary sei definitiv ein „ganz besonderer Arbeitgeber“, so Degott. Sein Fazit: „Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass ein Gericht entscheiden wird, dass Passagiere Anspruch auf Ausgleichszahlungen haben.“ 

Die Fluggasthelferportale „Airhelp“ und „Flightright“ gehen noch weiter: Dass Ryanair nicht zahlen wolle, sei „inakzeptabel“. „Airhelp“ wirft der Airline vor, sich damit über das Gesetz zu stellen und verweist auf das EuGH-Urteil. „Die EU-Passagierrechte sind für jeden bindend und können nicht nach eigenem Belieben ausgelegt werden.“ Die Passagiere müssten für die Unannehmlichkeit entschädigt werden, „die eine Airline oder deren Mitarbeiter verursachen“. 

Und das Portal „Flightright“ leitet sogar rechtliche Schritte gegen die irische Billig-Airline ein: Es verklagt Ryanair, da die Airline die von den Streiks betroffenen Fluggäste nicht entschädigen will. Aus Sicht von „Flightright“ bestehen „keine Zweifel, dass Ryanair hier verpflichtet ist, seinen Kunden Entschädigungen für den Flugausfall zu zahlen“.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Zur
Startseite