Marrakesch: Suche nach verborgenen Schönheiten I reisereporter.de

Marrakesch: Suche nach verborgenen Schönheiten

Prächtige Paläste, paradiesische Gärten, außergewöhnliche Atmosphäre: Eine Reise in die Königsstadt Marrakesch im Südwesten von Marokko ist ein Erlebnis für alle Sinne. reisereporterin Sabrina war dort.

Der Bahia-Palast in der Altstadt ist eine der schönsten Sehenswürdigkeiten von Marrakesch - auch wenn heutzutage die meisten Räume leer stehen.
Der Bahia-Palast in der Altstadt ist eine der schönsten Sehenswürdigkeiten von Marrakesch - auch wenn heutzutage die meisten Räume leer stehen.

Foto: Tourism Marrakech

Schlangenbeschwörer betören mit ihrer Flötenmusik. Die Glöckchen der Affen, die kleine Kunststücke aufführen, klingeln leise. Feuerspucker und Schwertschlucker zeigen ihre Fertigkeiten. Über den vielen Ständen liegt der Duft des Essens in der Luft. Tajines, aus Lehm gebrannte Schmorgefäße, stapeln sich und in den Gläsern dampft der Minztee.

Der Marktplatz Djemaa el-Fna ist das Herz von Marrakesch

Wer Marrakesch wirklich kennenlernen will, muss den Djemaa el-Fna besuchen. Der zentral gelegene Marktplatz ist das Herz der Stadt. An jedem Nachmittag beschleunigt sich der Herzschlag. Dann scheinen sich Bewohner und Besucher aus aller Welt hier zu versammeln. Während hinter der nahen Koutoubia-Moschee die Sonne untergeht, wird es auf dem Platz und in den schmalen Gassen der angrenzenden Souks immer voller.

Der Marktplatz Djemaa el-Fna befindet sich im Herzen von Marrakesch. Abends zieht er Marokkaner und Menschen aus aller Welt gleichermaßen an.
Der Marktplatz Djemaa el-Fna befindet sich im Herzen von Marrakesch. Abends zieht er Marokkaner und Menschen aus aller Welt gleichermaßen an. Foto: Tourism Marrakech

So lebendig ging es auf dem sogenannten Platz der Geköpften nicht immer zu. Zur Zeit der Almohaden, einer Berberdynastie, die von 1147 bis 1269 über den damaligen Maghreb herrschte, nutzten die Sultane den Platz als Hinrichtungsstätte, stellten hier die Köpfe der Getöteten aus.

Das ist längst Geschichte, bietet heute allenfalls noch Stoff für die Geschichten der Erzähler auf dem Platz. Seit 2008 zählt der Djemaa el-Fna sogar zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit.

Paläste und Riads sind hinter blinden Mauern verborgen

Der Weg in die Medina, die Altstadt der roten Stadt, wie Marrakesch wegen seiner ockerfarbenen Bauten auch genannt wird, lohnt sich auch tagsüber. Vielleicht nicht auf den ersten Blick.

Denn die Schönheit der Königsstadt ist meist hinter dicken Mauern verborgen. „Wir nennen sie blinde Mauern, weil sie keine Fenster oder Verzierungen und meist nur eine schlichte Tür haben“, erklärt Reiseführer Mohamed Ait Brahim.

Die Mauern sollen Blicke auf den Reichtum im Inneren verwehren. Etwa auf den des Bahia-Palastes. Wesir Si Moussa ließ die etwa 8000 Quadratmeter große Anlage im späten 19. Jahrhundert errichten. In den meist leeren Räumen zeugen heute noch kunstvolle Arabesken, Holzschnitzereien und Fliesen von der einstigen Pracht.

Die Innenhöfe des Bahia-Palasts in der Altstadt von Marrakesch sind besondere Blickfänge.
Die Innenhöfe des Bahia-Palasts in der Altstadt von Marrakesch sind besondere Blickfänge. Foto: Sabrina Friedrich

Besonders beeindruckend ist der Bereich der Frauen, zu dem außer ihrem Mann nur die Kinder und Eunuchen Zugang hatten. Zusätzlich zu den Ehefrauen hatten die wohlhabenden Männer auch Konkubinen, die in Literatur, Musik und Philosophie ausgebildet waren.

Heutzutage gehört die Polygamie in Marokko aber eher der Vergangenheit an. „Seit zwölf Jahren gibt es ein neues Gesetz“, erzählt der Guide. „Wenn ein Mann eine zweite Frau heiraten will, dann braucht er dazu nicht nur die Genehmigung seiner Frau, sondern auch des Gerichtes“, erklärt er. Diese wird aber nur erteilt, falls es einen wichtigen Grund gibt – zum Beispiel, dass die eigentliche Frau unfruchtbar ist. Der Mann muss außerdem nachweisen, dass er sich mehrere Frauen leisten kann.

Marokko beim Kochkurs mit allen Sinnen erleben

Prächtige Häuser gibt es hingegen noch immer: die Riads. Viele dieser Häuser, die sich dadurch auszeichnen, dass sie immer einen Innenhof mit Springbrunnen und Garten haben, sind Gästehäuser oder Hotels. In einem Riad ist auch die Lotus-Chef-Kochschule untergebracht. Bei einem Kochkurs lässt sich Marokko hier mit allen Sinnen erleben.

Teemeister Abdelrahim Chakour weist die Teilnehmer zunächst in die Kunst der Minzteezubereitung ein. Der Tee gilt als Nationalgetränk. Basis ist immer grüner Tee – mit jeder Menge Zucker. Dieser wird mit Minze verfeinert und je nach Geschmack mit verschiedenen anderen Kräutern gewürzt. Um die Kräuter nicht zu beschädigen, wird der Tee nicht umgerührt. „Sonst wird er bitter“, warnt der 50-jährige Chakour. Stattdessen wird der Tee mehrfach in die Gläser und wieder zurück in die Kanne gegossen.

Teemeister Abdelrahim Chakour stellt Reisenden in der Lotus-Chef-Kochschule die Kunst der Minzteezubereitung vor.
Teemeister Abdelrahim Chakour stellt Reisenden in der Lotus-Chef-Kochschule die Kunst der Minzteezubereitung vor. Foto: Sabrina Friedrich

Gewürze spielen auch in der Küche eine wichtige Rolle. Sie wurde von Römern, Juden, Arabern, Spaniern, Berbern und Mauren gleichermaßen beeinflusst. „Marokkanisches Essen ist sehr einfach, die Gewürze machen es erst besonders“, erklärt Lotus-Chef-Küchenchefin Amina Bouderga.

Vieles, was sie für ihre Tajines und die vielen anderen Gerichte verwendet, wächst auch im Garten des Riads. Etwa die Pomeranzen, also jene Bitterorangen, deren Blüten für die Herstellung des Rosenwassers gebraucht werden.

Exotische Pflanzen gedeihen auch im Jardin Majorelle im sehenswerten Neustadtviertel Gueliz außerhalb der Stadtmauer. Der französische Künstler Jacques Majorelle ließ den botanischen Garten 1923 anlegen. 1931 beauftragte er den Architekten Paul Sinoir damit, ein Künstleratelier zu bauen. Das Art-déco-Gebäude wurde im einzigartigen Majorelle-Blau, einer Abstufung von Kobaltblau, gestrichen.

Heute ist in den Räumen ein Museum untergebracht, in dem Besucher einen Einblick in die Berberkultur bekommen. Die leuchtend blauen Wände des Gebäudes sind längst auch ein beliebter Instagram-Fotospot.

Auf den Spuren von Modeschöpfer Yves Saint Laurent

1980 kauften Yves Saint Laurent (1936 bis 2008) und sein Lebensgefährte Pierre Bergé den Garten und retteten ihn vor dem Verfall. Im Oktober vergangenen Jahres eröffnete das angrenzende Musée Yves Saint Laurent, das außer Zeichnungen und Fotos des Kreativen auch seine Kleider und Accessoires zeigt.

Yves Saint Laurent (hinten) und sein Lebensgefährte Pierre Bergé retteten den Jardin Majorelle in Marrakesch 1980 vor dem Verfall. Heute ist dem Kreativen ein Museum neben dem Garten gewidmet.
Yves Saint Laurent (hinten) und sein Lebensgefährte Pierre Bergé retteten den Jardin Majorelle in Marrakesch 1980 vor dem Verfall. Heute ist dem Kreativen ein Museum neben dem Garten gewidmet. Foto: Musée Yves Saint Laurent

Vor den Toren der Stadt befindet sich der Garten eines weiteren Prominenten: der Anima-Garten von André Heller. Der österreichische Universalkünstler hat hier ein kleines Paradies erschaffen.

Auf drei Hektar erleben Besucher einen sinnlichen Ort des Staunens. Zwischen Blumen, Bäumen und Sträuchern aus aller Welt hat Heller kunstvoll Skulpturen und Installationen integriert.

Im Anima-Garten des Universalkünstlers André Heller stehen auch Skulpturen und Installationen - und dieses Berberzelt.
Im Anima-Garten des Universalkünstlers André Heller stehen auch Skulpturen und Installationen – und dieses Berberzelt. Foto: Sabrina Friedrich

Der Garten befindet sich südöstlich von Marrakesch am Eingang des Ourikatals. Das grüne Tal liegt in den Ausläufern des Hohen Atlas. Wenn es im August in der Stadt mehr als 50 Grad Celsius warm wird, ist das Ourikatal ein beliebter Rückzugsort der Einheimischen.

Das Ourikatal ist ein beliebter Ausflugsort der Bewohner von Marrakesch. Entlang des Flusses nehmen Besucher der Restaurants an Tischen Platz, die direkt im Wasser stehen. Sehr erfrischend!
Das Ourikatal ist ein beliebter Ausflugsort der Bewohner von Marrakesch. Entlang des Flusses nehmen Besucher der Restaurants an Tischen Platz, die direkt im Wasser stehen. Sehr erfrischend! Foto: Sabrina Friedrich

Entlang des Flusses Ourika gibt es viele kleine Restaurants. Die Tische stehen häufig sogar im Wasser des Flusses. So genießen die Gäste nicht nur das Essen, sondern erfrischen sich zeitgleich.

Die Gegend eignet sich auch für Wanderungen. Wer genug von der Ruhe in der Natur und den kleinen Berberdörfern hat, ist schnell wieder in Marrakesch und kann sich spätestens zum Sonnenuntergang auf dem Djemaa el-Fna ins Getümmel stürzen.

Tipps für deine Reise nach Marokko

Anreise: Verschiedene Fluggesellschaften bieten Direktverbindungen etwa ab Hamburg oder Berlin nach Marrakesch an, buchbar ab circa 30 Euro. Der Flug dauert etwa vier Stunden.

Beste Reisezeit: Am angenehmsten sind die Temperaturen im April, Mai, Oktober und November. In den Sommermonaten wird es sehr heiß.

Attraktionen: Lotus-Chef-Kochschule: Kochkurse täglich von 10 bis 14 Uhr und von 15 bis 19 Uhr, Teilnahme kostet 550 marokkanische Dirham, also etwa 50 Euro, pro Person.

Jardin Majorelle: Rue Yves Saint Laurent, Gueliz, geöffnet: Mai bis September: 8 bis 18 Uhr, Oktober bis April: 8 bis 17.30 Uhr, Eintritt: 70 Dirham (etwa 6 Euro).

Anima-Garten: Von September bis Juni fährt ein Shuttlebus von der Koutoubia-Moschee bis zum Garten (kostenlos bei Onlinereservierung der Eintrittskarten), erste Hinfahrt um 9.30 Uhr, letzte Rückfahrt um 17.10 Uhr. Eintritt: 120 Dirham (etwa 11 Euro).
 

Die Reise wurde unterstützt von FTI Touristik. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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