Katalonien: Reise auf den Spuren von Salvador Dalí I reisereporter.de

Auf den Spuren von Salvador Dalí in Katalonien

Von Figueres über Cadaqués und Port Lligat bis nach Púbol: Unterwegs im katalanischen Dalí-Dreieck an Spaniens Costa Brava, wo der verrückte Künstler und seine Muse lebten und sich liebten.

Das Küstenstädtchen Cadaqués verströmt mit seinen weißen Fassaden bis heute einen lieblichen Reiz.
Das Küstenstädtchen Cadaqués verströmt mit seinen weißen Fassaden bis heute einen lieblichen Reiz.

Foto: Institut für Tourismus in Spanien (Turespaña)

Die Lieblingsspeise des großen Meisters? Da muss Luis Duran keinen Augenblick überlegen. „Botifarra dolça“, süße Bratwurst, eine katalanische Spezialität aus Schweinefleisch und viel Zucker. Es ist allerdings schon ein Weilchen her, dass der berühmte Gast in dem Hotel im Zentrum von Figueres die Wurst genossen hat.

Trotzdem würdest du dich nicht wundern, wenn Salvador Dalí gleich mit seiner geliebten Frau Gala um die Ecke böge, so selbstverständlich erzählt der Hotelbesitzer aus der Vergangenheit. Figueres, gut zwei Autostunden östlich von Barcelona gelegen, ist stolz auf den größten Sohn der Stadt.

Im Hotel Duran in Figueres erinnert vieles an Salvador Dalí

Im Hotel Duran ist alles auf die Erinnerung an den Jahrhundertkünstler ausgerichtet. Die Wände sind dekoriert mit Fotos, auf denen Dalí posiert. Auf einem Bild trinkt er mit Koch und Barmann aus der Porrón genannten Glaskaraffe, was einer gewissen Kunstfertigkeit bedarf: Der Weinstrahl wird durch das seitliche Trinkrohr der Karaffe im Bogen direkt in den Mund gelenkt, ohne dass das Gefäß die Lippen berührt.

Die Schwierigkeit besteht darin, den geöffneten Mund akkurat zu treffen und dabei auch noch kontinuierlich zu schlucken. Nach dem Foto zu urteilen, beherrschte Dalí die Technik aus dem Effeff. Ebenso sind von ihm signierte Speisekarten zu bewundern – und sogar auf dem Weg zur Hoteltoilette finden sich kleine Skizzen: Eine fauchende Katze buckelt auf einer Straßenlampe.

Einmal pro Woche kam Salvador mindestens, er war gut mit meinem Vater befreundet.

Luis Duran, Hotelbesitzer

Und wo hat Dalí Platz genommen? „Genau da, wo Sie jetzt sitzen, vor den Weinfässern“, sagt Luis Duran. Der heute 77-Jährige war noch ein Kind, als Dalí hier regelmäßig aß. „Einmal pro Woche kam Salvador mindestens, er war gut mit meinem Vater befreundet.“ Und deshalb durfte er sogar die Tischdecken bemalen, ohne Ärger zu bekommen.

War Dalí wirklich so exzentrisch, wie er sich mit seinem sorgfältig gezwirbelten Schnurrbart und dem filigranen Spazierstock gab? „Wenn er allein mit seiner Frau Gala erschien, verhielt er sich normal“, sagt Duran. Immer habe er Blumen für sie dabeigehabt. „Wusste er sich allerdings von Publikum beobachtet, zog er eine regelrechte Show ab.“

Da konnte es schon mal passieren, dass Dalí die Bohnensuppe zur eigenen Freude und zum Leidwesen seiner Sitznachbarn gen Decke schleuderte.

1970 begann Salvador Dalí mit dem Um- und Ausbau des alten Theaters in seiner Heimatstadt Figueres. 1974 eröffnete er schließlich das Teatre-Museu.
1970 begann Salvador Dalí mit dem Um- und Ausbau des alten Theaters in seiner Heimatstadt Figueres. 1974 eröffnete er schließlich das Teatre-Museu. Foto: Institut für Tourismus in Spanien (Turespaña)

Hier in Katalonien wurde Dalí 1904 geboren, hier starb er 85 Jahre später. 1974 eröffnete er nach Anlaufschwierigkeiten das Teatre-Museu Dalí, sein persönliches Vermächtnis, heute eines der meistbesuchten Museen in ganz Spanien. Es handelt sich um ein ungewöhnliches Haus: Steinerne Brote zieren die Fassade, auf dem Dach thronen riesige Betoneier und eine Glaskuppel. Vergoldete Schaufensterpuppen wachen im Innenhof.

Wirklich wundersam wird’s in den Räumen: Ein rotes Sofa bildet – aus der richtigen Perspektive von einer kleinen Treppe aus betrachtet – die Lippen des Hollywoodstars Mae West. Und das Porträt der nackten Gala verwandelt sich aus der Distanz in das Bildnis von US-Präsident Abraham Lincoln.

„Ich möchte, dass mein Museum ein großes surrealistisches Objekt wird, in dem die Leute das Gefühl haben, einen theatralischen Traum gehabt zu haben“, hat Dalí gesagt. Das ist ihm gelungen.

Cap de Creus: Motiv auf vielen Bildern von Salvador Dalí

Mehrfach verließ Dalí Katalonien in Richtung Amerika, doch von seiner Heimat kam er nie los. Das tiefblaue Meer, das mystische Licht, die Pyrenäenausläufer, die hier am östlichsten Zipfel der Iberischen Halbinsel am Cap de Creus scharfkantig ins Wasser stürzen: All das übte auf ihn eine magische Anziehungskraft aus. Unermüdlich wanderte er durch die karge Landschaft, immer wieder malte er sie.

Das Cap de Creus, das seit 1998 Nationalpark ist, liegt im Osten der Halbinsel. Die Tramuntana-Winde haben die Landschaft geprägt.
Das Cap de Creus, das seit 1998 Nationalpark ist, liegt im Osten der Halbinsel. Die Tramuntana-Winde haben die Landschaft geprägt. Foto: Institut für Tourismus in Spanien (Turespaña)

Die Faszination der Region ist immer noch spürbar: Wer die Costa Brava, die wilde Küste, nur mit trubeligen Bettenburgen verbindet, kennt nicht die Gegend nahe der französischen Grenze. Das Cap de Creus mit seinem markanten Leuchtturm ist heute Teil eines Nationalparks. Steinige Wanderpfade führen zu versteckten Buchten. Die Erosion durch die heftigen Tramuntana-Winde hat skurrile Felsgebilde geformt.

Es duftet nach Thymian und Rosmarin. Zistrosen und Wolfsmilch stehen am Wegesrand. An geschützteren Stellen ragen knorrige Korkeichen empor. Das lieblichste Küstenstädtchen heißt Cadaqués. Es ist ein ehemaliges Fischerdorf mit weiß getünchten Wänden, die in der Sonne leuchten. Als die ersten Hotelbunker dort hochgezogen werden sollten, zählte Dalí zu jenen, die sich gegen solche Bausünden wehrten – und zwar erfolgreich.

Viele berühmte Künstler waren im Elternhaus zu Gast

Dalís wohlhabende Notarfamilie besaß in Cadaqués ein Sommerhaus. Schon in den Zwanzigerjahren zählten Künstler wie Federico García Lorca, André Breton oder Luis Buñuel zu den Besuchern. Hier lernte Dalí 1929 Jelena Dmitrijewna Djakonowa, genannt Gala, kennen. Sie war die Frau eines französischen Dichters, ließ ihren Poeten allein nach Hause fahren und blieb einfach da. Gala wurde zu Dalís Muse und organisierte auch das Geschäftsleben des weltfremden Genies.

Wenig später begannen die beiden, im benachbarten Hafen von Port Lligat Fischerhütten aufzukaufen und sich daraus ein surrealistisches Gesamtkunstwerk zu bauen. Kein Wunder, dass die Einwohner ihn bald nur noch den Verrückten nannten. Heute ist das verschachtelte Refugium eine weitere Pilgerstätte für Dalí-Fans.

Von draußen sieht das geschickt in den Hang eingebettete Haus bescheiden aus. Gleich hinter der Tür jedoch wirst du von einem ausgestopften Eisbären empfangen, der eine Lampe in der Hand hält. In Dalís Atelier stehen noch immer zwei unvollendete Bilder vor einer riesigen Staffelei.

In seinem Haus in Port Lligat bekommen Reisende einen einmaligen Einblick in die außergewöhnliche Lebensart von Salvador Dalí - zum Beispiel im prächtig ausgestatteten Schlafzimmer.
In seinem Haus in Port Lligat bekommen Reisende einen einmaligen Einblick in die außergewöhnliche Lebensart von Salvador Dalí - zum Beispiel im prächtig ausgestatteten Schlafzimmer. Foto: Stefan Stosch

Im Schlafzimmer besonders zu beachten: ein winziger Käfig an der Wand für Grillen, deren Zirpen den müden Künstler in den Schlaf wiegen sollte. Ein Spiegel gewährleistete, dass Dalí morgens vom Bett aus den Sonnenaufgang erspähen konnte. Ansonsten: ausgestopfte Schwäne, Spazierstöcke, Fotos von berühmten Freunden wie Coco Chanel oder auch Fürsprechern wie Diktator Franco, dem sich Dalí verbunden fühlte.

Im trauten Heim sieht es noch genauso aus, wie es Dalí verlassen hat. Als Gala 1982 starb, zog er die Tür hinter sich zu, so heißt es, und betrat das Haus nie wieder.

Für ihre letzten Lebensjahre zog sich Muse Gala zurück

Ihre letzten Lebensjahre hatte Gala allerdings im Schloss Púbol auf dem Land verbracht – dem dritten obligatorischen Ortstermin im sogenannten katalanischen Dalí-Dreieck. Der Trubel mit den vielen Besuchern in dem Haus am Meer war ihr zu viel geworden. Noch dazu soll sie deutlich jüngere Geliebte empfangen haben. Dalí durfte sie angeblich nur mit schriftlicher Genehmigung auf ihrem Märchenschloss besuchen.

Auf das Märchenschloss Púbol zog sich Dalís Frau Gala in späteren Jahren zurück.
Auf das Märchenschloss Púbol zog sich Dalís Frau Gala in späteren Jahren zurück. Foto: Institut für Tourismus in Spanien (Turespaña)

Auf Púbol beerdigte Dalí seine Gala. Sein eigenes Grab findet sich in seinem Museum in Figueres: Mitten im größten Saal ist eine schlichte Grabplatte im Boden eingelassen. Hier ruht der Exzentriker – und wurde im Sommer 2017 noch einmal gestört, als die Behörden seinen sterblichen Überresten eine DNA-Probe entnahmen. Eine Frau hatte (fälschlicherweise) behauptet, seine Tochter zu sein.

Das Erstaunliche bei der Exhumierung des einbalsamierten Körpers: Dalís Schnurrbart war auch bald drei Jahrzehnte nach seinem Tod noch in bester Form. Die Bartspitzen ragten demnach so in die Höhe, dass sie zehn Minuten nach zehn Uhr anzeigten – genau so, wie es Dalí sich gewünscht hatte.

Tipps für deine Reise nach Katalonien

Anreise: Entweder mit dem Flugzeug nach Barcelona und dann weiter mit dem Mietwagen. Die Fahrtzeit beträgt rund zwei Stunden. Alternativ lässt sich auch der Aeroport Girona direkt an der Costa Brava anfliegen.

Beste Reisezeit: An der Küste weht auch im Sommer ein kühles Lüftchen. Im Hinterland wird es aber deutlich heißer. Abkühlung versprechen Ausflüge auf die Höhen der Pyrenäen. Im Frühling und Herbst sind die Temperaturen zum Wandern am angenehmsten.

Das Dalí-Dreieck: Eine Stiftung verwaltet das Erbe des Künstlers und informiert über das Theatermuseum in Figueres (auch über aktuelle Ausstellungen), sein langjähriges Wohnhaus in Port Lligat und das Schloss Púbol, in dem Dalís Frau Gala ihren Lebensabend verbrachte. Eintrittskarten lassen sich online reservieren. Das ist dringend zu empfehlen.

Veranstalter: Wikinger Reisen hat verschiedene Reisen in Dalís geliebte Heimat im Programm – Besucher sind zu Fuß oder per Rad unterwegs, in der Gruppe oder individuell, für eine oder knapp zwei Wochen. Buchungen sind ab 788 Euro möglich.
 

Die Reise wurde unterstützt von Wikinger Reisen, dem Spanischen Fremdenverkehrsamt und dem Fremdenverkehrsamt Costa Brava. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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