Ryanair-Notlandung: Darum bluteten die Passagiere aus den Ohren

Ryanair: Darum bluteten die Passagiere aus den Ohren

Kopfschmerzen, Übelkeit und blutende Ohren: Nach der Notlandung des Ryanair-Fliegers in Frankfurt-Hahn mussten 33 Passagiere ins Krankenhaus. Ein Arzt erklärt dem reisereporter, was bei einem Druckanstieg passiert.

Dr. Michael Deeg vom Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte erklärt, warum einigen Passagieren des notgelandeten Ryanair-Fluges die Ohren bluteten.
Dr. Michael Deeg vom Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte erklärt, warum einigen Passagieren des notgelandeten Ryanair-Fluges die Ohren bluteten.

Foto: imago/ZUMA Press; Georg J. Lopata (Fotomontage)

Die Schilderungen der Ryanair-Notlandung am vergangenen Freitag klingen dramatisch: Etliche Fluggäste klagten über Kopfschmerzen, Übelkeit. Einige bluteten sogar aus den Ohren. 33 der insgesamt 189 Menschen an Bord mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Eine Passagierin sagte dem reisereporter: „Ich dachte, mein Ohr platzt gleich!“ 

Wegen eines technischen Defekts war es in der Kabine zu einem Druckabfall gekommen. Die Ohrenschmerzen, über die die Passagiere klagten, liegen aber am schnellen Druckanstieg während der Notlandung, erklärt Dr. Michael Deeg vom Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte.

Arzt sagt: „Das Trommelfell ist gerissen, sodass das Blut aus dem Ohr fließt“

„Das liegt daran, dass unser Mittelohr ein luftgefüllter Hohlraum ist“, sagt Deeg. „Herrscht in diesem Hohlraum der gleiche Druck wie in der Kabine, ist das Trommelfell entspannt. Nimmt der Druck aber rapide zu, so dehnt sich das Trommelfell.“ Dann kommt es zum sogenannten Barotrauma, das auch bei Tauchern immer mal wieder vorkommt. „Im Ohr können dann kleine Äderchen platzen und das Trommelfell ist, wie bei einem Bluterguss rot und blutunterlaufen.“ 

Bei den Passagieren, bei denen das Blut aus den Ohren lief, ist das Trommelfell dann zu stark belastet worden. „Bei diesen Menschen ist dann offensichtlich das Trommelfell gerissen, sodass das Blut aus dem Ohr fließt.“

Trommelfellriss: Meistens keine Folgeschäden für Betroffene

Doch so dramatisch blutende Ohren auch klingen – die betroffenen Passagiere müssen eher nicht mit Folgeschäden rechnen. „Das Ausmaß der Schäden kann aber individuell sehr unterschiedlich ausfallen“, sagt Deeg, der in Freiburg als Arzt arbeitet.

Bei einigen Menschen könnten die Beschwerden nach ein paar Tagen abgeklungen sein. Manchmal dauere es aber auch zwei Wochen. „Stellen Sie sich vor, Sie haben einen normalen Bluterguss. Der kann auch sehr unterschiedlich lange Zeit brauchen, bis er verheilt ist.“

Dass Flugzeuge wie das von Ryanair (oder diese Air-China-Maschine) diesen Druckanstieg in Kauf nehmen, geschieht allerdings nur in Notfällen – und zum Schutz der Passagiere. In diesem Fall führte ein plötzlicher Druckabfall zum Notfallsinkflug.

Ryanair-Notlandung in Frankfurt-Hahn wird jetzt untersucht

Was die genaue Ursache für den Defekt gewesen ist, wird gerade von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung geprüft. Bis ein engültiger Bericht vorliegt, können aber noch Monate vergehen, sagte ein Sprecher.

Wäre das Ryanair-Flugzeug trotz des Druckabfalls in der Kabine in der regulären Reisehöhe verblieben, wären die Auswirkungen für die Passagiere schnell lebensgefährlich geworden. Dann nämlich kommt es innerhalb von Sekunden zu einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Zielgerichtetes Handeln wird dann schnell unmöglich.

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