Von Kiel nach Rendsburg mit dem Rad | reisereporter.de

Mit dem Rad: Immer am Nord-Ostsee-Kanal lang

Nicht nur was für ambitionierte Radsportler: Bei einer Tagestour am Nord-Ostsee-Kanal kommt die ganze Familie auf ihre Kosten. Isabelle Breitbach hat die Strecke von Kiel nach Rendsburg für dich getestet.

Isabelle Breitbach
Immer am Nord-Ostsee-Kanal entlang: Isabelle Breitbach fuhr mit dem Rad von Kiel nach Rendsburg.
Immer am Nord-Ostsee-Kanal entlang: Isabelle Breitbach fuhr mit dem Rad von Kiel nach Rendsburg.

Foto: Ulf Dahl

Mit großen Schiffen um die Wette strampeln? Auf einer Radtour am Nord-Ostsee-Kanal nicht ausgeschlossen: Wegen der Geschwindigkeitsbeschränkung von rund acht Knoten – das sind 15 Kilometer pro Stunde – schippert der Schiffsverkehr gemächlich durch die Wasserstraße. Den Tour-de-France-Turboantrieb müssen Radfahrer nicht zünden, um sie eine Weile im Blick zu behalten. Wer allerdings vermutet, dass es hier sonst nichts zu sehen gibt, irrt sich gewaltig.

Auf meiner Tour geht es ländlich los. An weiten Wiesen und Feldern entlang radel ich von Kronshagen über Ottendorf und Stampe in Richtung Kanal, den ich in Landwehr zum ersten Mal mit der Fähre überquere. Auf der Nordseite erwartet mich gleich ein Schlenker in die malerische Knicklandschaft um Schinkel und Großkönigsförde herum.

Außerhalb von Kiel ist das Leben ein Ponyhof

Wochentags kreuzen nur eine Handvoll Menschen meinen Weg, tierische Begegnungen überwiegen. Erst Wasser-, dann Singvögel, Pferde, Rinder und ein ausgebüchster Hahn mitten auf dem Radweg. Nur etwas mehr als eine halbe Stunde und rund zehn Kilometer Wegstrecke von Kiel entfernt ist mein Leben ein Ponyhof. Eins sein mit der Natur kann so einfach sein.

Zurück zum Nord-Ostsee-Kanal führt der Radweg in Großkönigsförde. Das Risiko, sich zu verirren, ist gering, auch ohne Kartenmaterial, denn Wegweiser zeigen dort, wo man sie braucht, wo es langgeht. Ruckeligen Weges strampele ich weiter nach Sehestedt. Keine Wohltat für den Hintern. Dafür treiben zwischen waldigen Abschnitten immer wieder Schiffe in Sichtweite; das Dampfschiff „Freya“ zum Beispiel, das mitunter auch müde Radwanderer von Rendsburg zurück nach Kiel bringt.

Kurzer Boxenstop in Sehestedt

Nach rund 20 Kilometern hält meine Erschöpfung sich in Grenzen. Die erste Einkehrmöglichkeit, den herausgeputzten Imbiss in Sehestedt, nutze ich nur für einen kurzen Boxenstop. Camper verweilen hier um einiges länger – die Stellplätze sind für Schiffsbeobachter der Knüller.

Mit direktem Blick auf die Wasserstraße parkt ein Wohnmobil neben dem anderen. Irene und Willi Ernst aus Boostedt haben Liegestühle, Kaltgetränke und die letzten Kirschen aus dem Garten gerade ausgepackt. Drei oder vier Tage bleiben sie im Schnitt: „Füße hochlegen bei freier Sicht zum Schiffe gucken. Das ist schon ganz ordentlich, was da durchkommt. Sogar ein israelisches U-Boot haben wir hier schon gesehen.“

Mit der Kanalfähre ans andere Ufer

Auch ich begebe mich wieder aufs Wasser. 90 Sekunden dauert die Fahrt auf der „Swinemünde“ nach Sehestedt-Süd. Neben Fußgängern und Radfahrern passen acht Fahrzeuge an Bord der Fähre. Tagsüber queren sie den Kanal in ihrer achtstündigen Schicht „schon so um die 200 Mal“, erzählt Decksmann Jörn Sievert. Zwischen 60 und 80 Mal gehe es in der Nacht hin und her. „Ein schöner Job“, findet der 56-Jährige.

Ein idyllisches Plätzchen finde ich zwei Straßen weiter. Mit Kaninchen und Hühnern Freundschaft schließen, Stockbrot essen, abends von der Treppe auf die beleuchteten Schiffe im Kanal schauen, in einer Heukoje nächtigen, von Schwalben geweckt werden und zünftig frühstücken: Das könnte ich bei dem ehemaligen Landwirt Dirk Naeve, der 1993 die erste Heuherberge in Schleswig-Holstein ins Leben rief. Doch ich muss weiter.

Bei Schulklassen und Familien beliebt: Die Heuherberge Naeve in Sehestedt ist eine preiswerte Übernachtungsmöglichkeit mit hohem Spaßfaktor.
Bei Schulklassen und Familien beliebt: Die Heuherberge Naeve in Sehestedt ist eine preiswerte Übernachtungsmöglichkeit mit hohem Spaßfaktor. Foto: Ulf Dahl

Frische Waffeln oder Fischbrötchen zur Stärkung

Verheißungsvolles Magengrummeln lässt mich ein wenig kräftiger in die Pedale treten: Eine Waffel im Gartencafé des Himbeerhofs Steinwehr muss jetzt schon sein.

Glücklicherweise lässt sie noch ein wenig Platz für einen weiteren Snack, der wenige Kilometer weiter lockt: An Brauer’s Aalkate in Rade führt für Fischliebhaber kein Weg vorbei. Janine Feulner empfiehlt das Fischbrötchen mit frisch geräucherter Forelle als Stärkung für die letzte Etappe. Das hilft auf den letzten zehn Kilometern.

Isabelle Breitbach auf Fahrradtour am NOK.
Isabelle Breitbach nimmt auf ihrer Fahrradtour die Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal. Foto: Ulf Dahl

Hinter der Rader Hochbrücke führt der Radweg weg vom Kanal, erst durch den Wald, dann durch Schacht-Audorf. Am Fähranleger Nobiskrug schiebe ich mein Fahrrad zum dritten Mal aufs Boot. Gleich ist es geschafft – und spätestens hier fängt das Grübeln über Sehenswürdigkeiten an, die der Zielort Rendsburg zu bieten hat.

Das gibt es alles in Rendsburg

Schiffe begrüßen an den Brückenterrassen? Platz nehmen auf Europas längster Bank? Die Aussicht auf Rendsburgs Wahrzeichen, die Eisenbahnbrücke, genießen? Mich zieht es in die Altstadt. Wer könnte mir besser etwas über das historische Rendsburg erzählen als Buchhändler Patrick Goeser, der „Nachtwächter“? Seine 90-minütigen Führungen mit anschließendem Schmaus finden allerdings nur ein Mal im Monat statt – und sind sehr gefragt.

Eine Alternative: sehenswerte Plätze auf eigene Faust erkunden, immer an der 3,2 Kilometer langen Blue Line entlang. Eine Ecke weiter schauen schadet übrigens auch hier nicht.

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