Egentlich haben es die nächtlichen Besucher auf Aurora borealis abgesehen. Doch die grün schimmernden Polarlichter verstecken sich erst hinter einer Wolkenwand, wollen anschließend offenbar nicht in Konkurrenz zu Jupiter treten und lassen zum Schluss nur ein kurzes schüchternes Leuchten zu. Fotos? Fehlanzeige!

Egal. In der nächtlichen Stille und Kälte zu stehen, warm und unförmig eingepackt in schützende Overalls und Moonboots, ein bewegter Himmel über dem Kopf, ein stiller, weil zugefrorener See, der Blick auch auf die schneebedeckten Berge gerichtet, eine rote Kote, das Zelt der Samen, als Kontrast für etwaige grüne Polarlichter vor Augen – das hat was.

Und wem das zu langweilig ist, kann noch mitten in der schwedisch-lappländischen Pampa im Internet surfen, weil es fast überall ein Netz gibt.

Naturschönheiten und Aktivurlaub

Aber wozu? Auch bei Tageslicht geizt die Gegend nicht mit spektakulären Naturschönheiten. Hier im Wintersportgebiet Björkliden im Nationalpark Abisko fällt der Blick auf einen Berg, der ausschaut, als wäre eine Halfpipe für Skateboard fahrende Riesen hineingefräst worden.

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Die Erklärung ist nach der Legende einfacher. Die Ureinwohner, die Sámi (bloß nicht Lappen sagen, das ist eine Beleidigung), haben über die Jahrhunderte ihre Rentiere über diesen Berg getrieben und die Spitze so peu à peu heruntergetrampelt. Da bekommt der Begriff „ausgetretene Pfade“ doch gleich eine einleuchtende Erklärung.

Über Jahre ausgetretene Pfade wirst du im Icehotel in Jukkasjärvi – etwa 200 Kilometer nördlich des Polarkreises, idyllisch gelegen am Fluss Torneälven nahe der Stadt Kiruna – nicht finden. Weil es jährlich neu aus Eis errichtet, jedes Zimmer individuell von Künstlern aus aller Welt gestaltet wird. 

Mit Glück lässt sich hier auch Aurora borealis beobachten. Oder mit viel Glück die schwedische Königsfamilie, die sich laut Kreativdirektor Arne Bergh auch schon in den minus 5 Grad kalten Zimmern, angewärmt in Rentierfelle und Thermoschlafsäcken, den Teint auffrischen ließ.

Aber Vorsicht: Während sich das gemeine Volk in Schweden grundsätzlich duzt, werden Carl XVI. Gustaf und Konsorten mit „Ihr“ angesprochen. „Ach, Ihr habt auch den Eisskulpturkurs gebucht, Silvia?“

Per Snowmobil über die zugefrorene Ostsee

Nicht total unwahrscheinlich, dass du der Königsfamilie auch während einer Snowmobil-Safari durch den Wald oder über der zugefrorenen Ostsee unten am Bottnischen Meerbusen begegnest – während sie ihr Pitepalt (mit Speck gefüllte Knödel) mitten im Wald auf Rentierfellen sitzend verzehrt. Womöglich rauschen sie aber auch stehend auf einem Hundeschlitten vorbei, die Hände fest am Griff, die Füße auf den Kufen und der Bremse, um die mit grenzenloser Lust und Eifer rennenden sechs Huskys in den Griff zu bekommen.

Dafür musst du beileibe kein königliches Blaublut sein, bei Andreas Holland kannst du auch als normaler Tourist eine Hundeschlittentour mieten. Der Anfang-40-Jährige kommt eigentlich aus der Nähe von Bremerhaven, kann sich aber nach knapp zwei Jahrzehnten nicht mehr vorstellen, woanders als hier in der Wildnis bei Tärendö mit seiner Liebsten und den 50 Huskys zu leben. „Ich habe hier mein Glück gefunden“, sagt er. Zum Quatschen und Speisen oder gemeinsamen Jagen geht’s zu den Freunden ins Forest Hotel – eine alte Schule, die den Besucher an die Verfilmung des „Hotel in New Hampshire“ von John Irving erinnert.

Warme Klänge aus dem Eis Norwegens

Das schwedische Lappland, das ist vor allem Natur: vom Sámi Nutti Sámi Siida zum Rentierschlittenrennen aufgefordert werden, Elche in Vittano beim früheren Pizzabäcker Lars Björk knutschen, zum Eisangeln ins bezaubernde Dorf Kukkolaforsen fahren und am Ufer zu den Finnen hinüberwinken, Polarlichter suchen und finden, per rasantem Snowmobil die Berge, Wälder und Seen entdecken.

Du kannst aber auch einen Abstecher (oder Flug) in die Stadt Luleå unternehmen und sich auf die Suche nach der kulturellen Vielfalt begeben. Es muss nicht der Hochsicherheitstrakt von Mark Zuckerberg sein, der 2013 seinen Standort für den europäischen Facebook-Server vor den Toren der Stadt gefunden hat.

Du kannst mitten in der Stadt zu Ice Music gehen. Der Künstler und Instrumentenbauer Tim Linhardt schnitzt nämlich aus Eis Cellos, Schlagzeuge, Gitarren, Geigen und gibt Konzerte. Das Erstaunlichste: Es klingt gut. Nach einer Stunde im Minus-5-Grad-Konzert-Iglu bist du womöglich ein wenig durchgefroren, aber auch sehr berührt durch die warmen Klänge aus dem Eis.