Hat Ryanair übermüdeten Flugbegleitern mit Kündigung gedroht?

Hat Ryanair übermüdeten Crews mit Kündigung gedroht?

Ryanair soll laut Insidern meuternden Flugbegleitern mit der Kündigung gedroht haben – wenn sie trotz Überstunden und Müdigkeit ihren Dienst nicht beenden. Und das soll kein Einzelfall gewesen sein.

Ein Ryanair-Flugzeug hebt ab.
Drohung gegen die eigenen Mitarbeiter: Ryanair will angeblich Flugbegleitern kündigen, die übermüdet sind.

Foto: imago/oliverwillikonsky

Bei Ryanair meutern überarbeitete und übermüdete Flugbegleiter – und die Billig-Airline droht angeblich mit der Kündigung. Das zeigt eine interne Mail, aus der die Fachseite „Aero Telegraph“ zitiert.

Demnach schrieb die Ryanair-Managerin Andrea Doolan am Mittwoch an alle Flugbegleiter: „In den letzten Wochen weigerten sich einige Flugbegleiter, ihre Dienste zu beenden.“ Das sei unter der „irrigen Annahme geschehen, dass sie ein Recht dazu hätten. Wir weisen Sie darauf hin, dass solche Weigerungen disziplinarische Folgen haben – bis hin zu und inklusive Entlassungen.“

Und weiter: „Als Kabinenbesatzung haben sie Dienste von fünf Tagen und danach drei Tage frei. Ermüdung tritt darum kaum auf.“ Nur der Pilot könne darüber entscheiden, ob der Dienst noch beendet werden muss oder eben nicht.

Ryanair-Crew weigert sich, nach Überstunden zu fliegen, und wird zu Einzelgesprächen zitiert

Dem Bericht zufolge habe sich zum Beispiel vor vier Tagen eine Crew in Köln nach bereits achteinhalb Stunden Dienst geweigert, auch noch den Rückflug zur Basis nach Palma de Mallorca anzutreten. Der Kapitän habe demnach pflichtgemäß seine Besatzung gefragt, ob sie sich dazu in der Lage fühle. Der Co-Pilot habe zugestimmt. Die Flugbegleiter nicht. 

Der Kapitän soll danach seinen Vorgesetzten angeboten haben, das Flugzeug leer nach Palma zu fliegen – damit es zumindest am richtigen Ort für die kommenden Einsätze stehe. Doch die Zentrale in Dublin soll, so der Bericht, abgelehnt haben. Stattdessen soll ein Ryanair-Mitarbeiter verlangt haben, mit allen Flugbegleitern einzeln zu sprechen. 

Crew ist zu müde – und soll am nächsten Tag um 5.55 Uhr wieder losfliegen

Die Crew der Boeing 737 soll mit mit Sicherheitsbedenken argumentiert haben – und wurde angeblich gleich am nächsten Tag zu Einzelgesprächen in Dublin zitiert. Der Abflug dazu sollte um 5.55 Uhr morgens stattfinden. Nach einem Tag mit Überstunden und Klagen über Müdigkeit. 

Dass das kein Einzelfall zu sein scheint, zeigt die angebliche Drohmail der Managerin. Die Chefin für den Bereich Inflight Operations schreibt darin, dass die Weigerung der Mitarbeiter, ihren Dienst zu beenden, dazu führe, dass sich Flüge verspäteten und Flugzeuge an den falschen Basisstationen stünden.

Derzeit ist der Luftverkehr in ganz Europa chaotisch. Flüge fallen doppelt so häufig aus, auch die Verspätungen haben stark zugenommen. Dazu hat Ryanair aktuell auch noch mit Streiks zu kämpfen

Gegenüber dem reisereporter wollte sich das Unternehmen nicht zu den Vorwürfen äußern.

Nachtrag 16. Juli 2018: Ryanair hat sich entschieden, sich doch noch zum Fall zu äußern. „Das ist nicht wahr. Das Rundschreiben bezog sich ausschließlich auf die Fälle von Flugverweigerung, bei denen keine langen Arbeitszeiten oder Ermüdung vorlagen“, erklärt Ryanair-Sprecher Robin Kiely schriftlich.

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