Kaum ein Fisch fasziniert an der Ostseeküste so sehr wie die Meerforelle. Um den „Fisch der 1000 Würfe“ zu fangen, müssen Angler den richtigen Köder zur rechten Zeit – und vor allem am richtigen Ort – präsentieren.

Mattis Losch und Arne Hansen aus Flensburg jagen der Forelle schon seit vielen Jahren hinterher. Ein Besuch am Fjord.

Ab nach Dänemark zum Angeln

Am Vormittag tobt ein Gewitter über der deutsch-dänischen Grenzregion Schleswig-Sønderjylland. Mattis Losch und Arne Hansen werden unruhig. Sie studieren noch einmal per Google Maps den Küstenabschnitt, der auf dem Satellitenbild aufgrund seiner Sand-, Stein- und Tangfelder vielversprechend aussieht.

Meerforellen finden in diesem Umfeld reichlich Nahrung. Wenn da nur nicht die Orkanböen und der Starkregen wären. „Es nützt nichts“, sagt Mattis, „wir müssen uns gedulden. Am Nachmittag sieht es danach aus, dass sich das Wetter beruhigt.“

Und tatsächlich: Ein paar Stunden später stehen die beiden Meerforellenangler mit ihren Wathosen und Fliegenruten im Wasser. In einem kleinen Fjord auf der Insel Als in Dänemark, etwa 60 Kilometer von Flensburg entfernt. Dort mogeln sich an diesem Nachmittag sogar ein paar Sonnenstrahlen durch den dunklen Wolkenteppich. Es herrscht eine idyllische Ruhe. Mattis und Arne sind zuversichtlich. „Genauso, wie wir uns das vorgestellt haben: Top Untergrund, eine leicht auflandige Welle, angetrübtes Wasser, hier muss heute was gehen“, sagt Mattis.

Immer wieder landet die schwimmende Fliegenschnur in rund 20 Metern Entfernung auf dem Wasser. Als Köder nutzen die beiden eine Polar Magnus, eine sogenannte Reizfliege, die keinen Fisch und kein Insekt imitiert, sondern durch ihre bunten Farben den Fisch zum Biss verleiten soll. Sie kann das ganze Jahr zum Einsatz kommen, wird aber vor allem in der kälteren Jahreszeit eingesetzt, wenn die Meerforellen kaum Nahrung im Wasser finden.

Ostsee: Der Fisch macht ordentlich Druck

Während Arne ganz in Gedanken einen Schwarm Tobiasfische im flachen Wasser beobachtet, kreischt bei Mattis plötzlich die Rollenbremse auf. „Fisch!“, schreit er. Der Ruf geht durch Mark und Bein. Von einer Sekunde auf die andere findet die meditative Stimmung am Fjord ein jähes Ende.

Hastig holt Arne seine Leine ein, um mit dem Kescher Mattis bei der Landung des Fisches zu helfen. Die Freunde tragen beide kleine Go-Pro-Videokameras auf der Stirn und filmen sich während des Angelns gegenseitig.

Der Fisch macht an der leichten Rute ordentlich Druck, doch ein paar Sprünge und Fluchten später liegt er sicher im Kescher. 45 Zentimeter, was für ein schöner Fisch. Mattis setzt ihn schonend zurück. „Wir sehen uns wieder“, sagt er. „Wenn du groß und kräftig bist.“

Das Mindestmaß für Meerforellen in Deutschland und Dänemark liegt bei 40 Zentimetern. Zahlreiche Angler haben allerdings für sich selbst entschieden, ein Mindestmaß von mehr als 50 Zentimetern zu beachten, um den Bestand zu schützen.

Arne und Mattis angeln lieber mit der Fliegenrute

Sukzessive fischen Arne und Mattis einen Teil des Fjords weiter ab. „Die Verbundenheit mit der Natur und das Drillerlebnis sind es, was ich besonders liebe“, sagt Arne. Beim Watfischen bis zum Bauch im Wasser zu stehen, habe schon seinen besonderen Reiz: Wind und Wellen lassen sich hautnah spüren, der Meeresboden ist detailreich unter den Füßen sichtbar – „ein echtes Erlebnis, bei dem ich abschalten kann“.

Die beiden Flensburger haben sich bei Angelausflügen rund um die Flensburger Förde kennengelernt. Irgendwann kam die Idee, die Eindrücke und Fänge mit anderen Menschen im Internet in den sozialen Netzwerken zu teilen. So entstand das Projekt „Out for Trout“.

In ihrem gleichnamigen Youtube-Channel folgen ihnen rund 2.500 Abonnenten, in ihrer Facebook-Gruppe diskutieren etwa 700 Angler. Vornehmlich sind Arne und Mattis mit der Fliegenrute unterwegs, „denn nach vielen Jahren mit Spinn- und Ansitzruten sind wir uns einig, dass diese Angelei für uns die intensivsten Erlebnisse und oft den besten Erfolg verspricht“, sagt Mattis.

Auch Arne landet an diesem Nachmittag eine Meerforelle. Sie misst sogar 55 Zentimeter und wiegt etwa zwei Kilogramm. „Die nehme ich mit und werde sie zu Hause nach Graved Art beizen“, sagt er, „denn die Zubereitung des Fisches macht den Angeltag erst so richtig perfekt."

Die Youtube-Fans wird‘s freuen. Arne lässt seine Go Pro auch in der heimischen Küche laufen.

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