215.843 Starts und Landungen zwischen 6 und 22 Uhr fanden im vergangenen Jahr an deutschen Flughäfen statt, 14.000 mehr als im Jahr zuvor. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor.

Immer mehr Verstöße gegen das Nachtflugverbot in Deutschland

Vor zehn Jahren lag die Anzahl der Nachtflüge zwischen 6 und 22 Uhr noch bei 193.434. Eigentlich sollen Nachtflugverbote Anwohner vor Lärm schützen – das scheint für die Flughäfen und Behörden aber immer mehr an Bedeutung zu verlieren.

Behörden unternehmen kaum etwas gegen Nachtflüge

Die Gründe für den Anstieg der Nachtflüge sind laut den Grünen sowohl das Wachstum des Flugverkehrs allgemein als auch, dass die Behörden kaum etwas gegen Verspätungen oder zu frühe Ankünfte unternähmen. „Geht es um eine Aushöhlung der bestehenden Nachtflugverbote durch Verfrühungen und Verspätungen, dann will das Bundesverkehrsministerium keine detaillierte Kenntnis davon haben und bleibt untätig“, so die Grünen.

Nachtflugverbot: Es gibt Ausnahmeregelungen

Es gibt zwar Ausnahmenregelungen für verspätete oder verfrühte Flüge – doch die sind mittlerweile eher die Regel als eine Ausnahme. Das berichtete die Website „Air Help“ im Dezember 2017. An fünf von 13 Flughäfen seien die Nachtflugbeschränkungen in einem Untersuchungszeitraum von September bis Oktober 2017 nicht ein einziges Mal eingehalten worden.

Dazu gehören die Flughäfen in München, Stuttgart, Düsseldorf, Frankfurt am Main und der Flughafen Berlin-Tegel. Die meisten Nachflüge, nämlich 808, fanden im Untersuchungszeitraum in München statt. Sehr viele Nachtflüge gab es auch an den Flughäfen in Weeze (Nordrhein-Westfalen), Hamburg und Bremen. Dort starteten und landeten im Untersuchungszeitraum zwischen 125 und 342 Flüge bei Nacht.

Die Nachtflugverbote unterscheiden sich von Flughafen zu Flughafen

Was „bei Nacht“ offiziell bedeutet, ist von Flughafen zu Flughafen tatsächlich auch unterschiedlich geregelt: An einigen gilt das Nachtflugverbot abends bereits ab 22 Uhr und bis morgens um 6 Uhr, wie zum Beispiel in Dortmund, Karlsruhe und Weeze. An anderen dürfen erst ab 23.30 Uhr und nur bis 5 Uhr keine Flugzeuge starten oder landen.

In den Zeiträumen dazwischen sollen Anwohner vor Fluglärm geschützt werden. Der sei erwiesenermaßen gesundheitsschädlich, so Dirk Busse von „Air Help“. Flughäfen, die sich im Untersuchungszeitraum weitgehend an das Nachtflugverbot hielten, waren die Flughäfen in Dresden und Dortmund. 

Im Mittelfeld liegen die Flughäfen Leipzig/Halle, Saarbrücken und Karlsruhe/Baden-Baden. Dort fanden im Untersuchungszeitraum zwischen 21 und 31 Nachtflüge statt.