Ein simpler Werbespot von Anfang der 90er-Jahre hat das Karibikbild einer ganzen Generation geprägt. Als die exilkubanische Firma Bacardi ein paar gut aussehende junge Menschen mit einer Art Einbaum an einem einsamen Strand landen, eine Palmwedelhütte aufbauen und bei Reggaemusik Rum schlürfen ließ, war das Fernsehparadies perfekt.

Wer diesen mit Hunderten Kokospalmen gesäumten Strand selbst einmal sehen will, muss sich aufmachen in die Dominikanische Republik.

Die Insel Cayo Levantado in der Bucht von Samaná soll die Kulisse für diesen weltweit bekannten Werbespot gewesen sein. Auch wenn dort inzwischen ein Fünf-Sterne-Hotel steht, sind die Strände am türkisblauen Meer immer noch traumhaft schön.

„Heute kennt sie jeder Dominikaner einfach nur als Bacardi-Eiland“, sagt Stefaan Matthis, der seit 25 Jahren als Tourguide arbeitet und mit einer Dominikanerin verheiratet ist.

Auf die Frage, warum er seine Heimat Belgien verlassen hat, sagt er scherzhaft, dass er ein „Klimaflüchtling“ sei. Fast das ganze Jahr über 30 Grad Celsius, Sonne satt und die Fröhlichkeit der Dominikaner haben es ihm angetan.

Die Menschen sind hier nach unseren Maßstäben zwar arm, aber sie sind glücklich.

Stefaan Matthis

„Die Menschen hier sind nach unseren Maßstäben zwar arm“, sagt Stefaan, „aber sie sind glücklich.“ Auf die Frage, was die Dominikaner denn glücklich macht, sagt er: „Das sind der feurige Merengue-Tanz, der allgegenwärtige Rum sowie die Nationalsportarten Baseball, Hahnenkampf und das Lottospiel.“

Rum und eine aufgeschnittene Ananas gehören im Karibikstaat einfach zusammen, die Dominikaner sprechen von „Vitaminen“.
Rum und eine aufgeschnittene Ananas gehören im Karibikstaat einfach zusammen, die Dominikaner sprechen von „Vitaminen“. Foto: Jens Burmeister

Doch all dies wäre nichts, wenn die Halbinsel Samaná – etwas kleiner als die Ostseeinsel Rügen – nicht ein üppig grünes Paradies geblieben wäre. Hotelburgen wie an der Punta Cana im Südosten des Landes gibt es hier so gut wie nicht.

Die Vegetation auf Samaná ist tropisch

Die ursprünglich gebliebene Region ist mit dichter tropischer Vegetation bewachsen – ein immergrüner Teppich, der Bananen, Ananas, Mangos, Avocados, Bromelien, Farne und vor allem Kokospalmen sprießen lässt. Nirgends auf der Insel Hispaniola, die sich die Dominikanische Republik und Haiti teilen, ist ihr Bestand so groß wie auf Samaná.

Allein sieben Millionen Exemplare wurden auf der Halbinsel gezählt, viele davon an so toll klingenden wie wunderschönen Sandstränden wie Playa El Valle, Playa Limón oder Playa Rincon, der zu den besten der Welt zählt.

Auf dem Markt von Samaná kaufen vor allem Einheimische Obst und Gemüse.
Auf dem Markt von Samaná kaufen vor allem Einheimische Obst und Gemüse. Foto: Jens Burmeister

Noch immer ist die Halbinsel landwirtschaftlich geprägt. Auf den Märkten stapeln sich Yucca und Yam, Kochbananen, Bohnen, Reis und der Karibikkohl Yautia. „Mehr als 70 Prozent der Bewohner sind Bauern“, erzählt der Schweizer Frank Bataellard (44), der hier seit vier Jahren lebt und von der Dominikanerin Morena Alala (54) quasi adoptiert wurde.

Auch er gehört zu jenen Aussteigern, denen das geschäftige Treiben in Europa zu viel wurde, obwohl er als Informatiker gut verdiente. Hier in der Familie von Morena, die immer mal wieder Gäste aus dem Ausland zum Sancocho, einem landestypischen Eintopf, einlädt, ist er glücklich.

„Das Land ist vielfältig wie kaum ein anderes“, sagt Frank, der es liebt, interessierten Urlaubern die Menschen seiner neuen Heimat näherzubringen: den Kokosbrotbäcker Josué, den Zigarrendreher José oder Rondel, den Kunstmaler mit haitianischen Wurzeln.

Mit dem Boot durch die Mangroven

Wer immer sein All-inclusive-Hotel verlassen will, der kann diesem kleinen Paradies näherkommen. Von den Häfen aus fahren Boote in den Nationalpark Los Haitises mit seinen Mogotes – dicht bewachsenen Felseninseln –, hinein in die urigen Mangrovenkanäle und zu den beeindruckenden Höhlensystemen, in denen man noch heute Felszeichnungen der vor 500 Jahren ausgestorbenen Taíno-Indianer findet.

Direkt hinter der Playa Rincon können Urlauber mit dem Boot auf einem von Mangroven gesäumten Flüsschen fahren.
Direkt hinter der Playa Rincon können Urlauber mit dem Boot auf einem von Mangroven gesäumten Flüsschen fahren. Foto: Jens Burmeister

Sehenswert ist auch der Wasserfall von Limón, der mehr als 52 Meter fächerartig in die Tiefe stürzt. Wer von Mitte Januar bis Mitte März auf Samaná weilt, kann ein weiteres tolles Naturschauspiel beobachten: Jedes Jahr kommen zahlreiche Buckelwale in die 14 Kilometer breite Bucht, um sich hier zu paaren und ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen.

Noch ist Samaná eine Perle der Dominikanischen Republik, Inbegriff für exotischen Urlaub, Geheimtipp für Menschen, die gern abseits der großen Touristenströme reisen – vielerorts ein Spiegelbild der Karibik wie aus der schönsten Rum-Werbung. Hoffentlich noch lange!