10 Gründe, warum du nach Schleswig reisen musst | reisereporter.de

10 Gründe, warum du nach Schleswig reisen musst

Zwischen Kiel und Flensburg, quasi in der Mitte von Schleswig-Holstein, liegt sie: die Wikingerstadt an der Schlei. Warum du unbedingt mal dorthin solltest, verrät dir reisereporterin Melanie.

Das Viertel Holm liegt zwischen Schleswiger Freiheit und Altstadt.
Das Viertel Holm liegt zwischen Schleswiger Freiheit und Altstadt.

Foto: imago/Niehoff

Es sind die kleinen Momente, die mich einnehmen für die idyllische Stadt an der Schlei. Das beginnt schon bei der Anreise: Am Ufer des Campingplatzes Haithabu rauscht das hohe Gras, links von mir höre ich das lustige Schnattern aufgeregter Schulkinder, die auf dem Strandweg entlangwandern, mit Sicherheit auf dem Weg zum Wikingerdorf Haithabu. Das ist übrigens jetzt auch Unesco-Welterbe.

Auf der anderen Uferseite schunkeln die Segelschiffe gemächlich im Stadthafen von Schleswig. Der Himmel ist wolkenlos blau, und die Schlei glitzert versonnen.

Ich merke: Hier existiert eine besondere Form des Glücks, eine, die im Unaufgeregten wohnt; ich zücke meine innere Kamera und halte den Tag in Schnappschüssen fest:

1. Die gelbe Telefonzelle in der Einkaufsstraße Stadtweg, an der ich zuerst vorbeigehe, dann aber sehe, dass sich darin kein Telefonapparat, sondern ein Bücherregal befindet.

1a. Der Moment, als die Tür der Telefonzelle hinter mir zufällt und ich so nah vor den Büchern stehe, dass ich kaum wage zu atmen.

1b. Die Freude, die ich empfinde, als ich zwischen Simmel- und Konsalik-Schmökern eine gebundene Ausgabe von Michael Endes „Momo“ finde.

2. Die „Baguette-Theke“ in unmittelbarer Nähe der Bücher-Telefonzelle, die gerade durch ihre Einfachheit besticht: Der Schriftzug ist in Rot-Weiß gehalten, es gibt exakt eine Theke und einen Mann, der Baguette für je 1,99 Euro verkauft. Es ist Mittag, die Warteschlange ist lang.

2a. Und die Auswahl der Beläge, die sich offensichtlich auf „Schinken“, „Hack“ und – wahrscheinlich – „Käse“ beschränkt.

3. Die Kundin in der Buchhandlung Schröder, die ein Buch über Fruktose-Intoleranz sucht und nicht einsehen will, dass der Buchhändler ein solches nicht vorrätig hat: „Aber letzte Woche hatten Sie doch was zu Laktose-Intoleranz da. Können Sie nicht mal bei Ihren gesunden Büchern nachschauen, ob es da was zu Fruktose gibt?“

4. Das ansteckende Lachen der Mitarbeiterin im Naturmarkt Schleswig und die Auswahl an Gebäck und Kuchen im Bistro des Naturkostladens.

5. Der Innenhof des Wohnaccessoire-Ladens Casa Eurabia am Kornmarkt, der, umschlossen von Bäumen, so verwunschen schön ist, dass ich mich in das rostige Deko-Bettgestell vor dem Laden setzen und nie wieder aufstehen möchte.

6. Die Kellnerinnen des Fischrestaurants Senator Kroog am Rathausplatz, die in ruppig-herzlicher Manier den Mittagstisch servieren: „Da sind Gräten drin, kauen Sie bloß langsam!“

7. Der Espresso, den ich, in einem Strandkorb vor dem Kleinen Traumcafé sitzend, trinke, während ich die Ruhe auf dem Rathausplatz dabei genieße.

8. Die abfallende Wand im Kreuzgang des St.-Petri-Doms, dem Schwahl, auf der fein alte Fresken mit biblischen Figuren und Fabelwesen zu sehen sind, die ein Hochgefühl in mir auslösen. Fast möchte ich schweigen.

8a. Und der quadratisch angelegte Innenhof des dreiflügeligen Kreuzgangs, der von der Nachmittagssonne in zwei ungleiche Hälften geteilt wird, was manche Besucher dazu veranlasst, quer über die Wiese zu laufen, um im Schatten bleiben zu können, was mich wiederum belustigt: Auch im Dom wird „Der Boden ist Lava“ gespielt.

9. Die Eissorte „Jimmy Carter“, die es an der Eisdiele Eishörnchen am Stadthafen zu kaufen gibt und bei der ich mich erst frage, warum sie so beliebt ist – wer will denn schon ein Eis, das an einen mäßig erfolgreichen US-Präsidenten erinnert? –, bis ich sehe, dass es auch die Sorten „Wolke 7“ und „Hasenpups“ gibt. Hier ist also etwas für jede Altersklasse, jeden Humor und jeden Geschmack dabei. Das freut mich. Ich bestelle eine Kugel „Heidelbärchen“.

10. Der Steg im Stadtpark Königswiesen, der, romantisch eingebettet in Schilf, in die Schlei hineinragt und auf dem ich am liebsten Anlauf nehmen möchte, um am Ende kopfüber ins Wasser zu springen.

10a. Und die Freude beim Anblick der krakeligen Graffito-Lettern auf der Rückseite eines Straßenschildes, die man sehen kann, wenn man Schleswig auf der B76 Richtung Eckernförde verlässt: „Nina, ich baue eine Stadt für dich.“

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