Mein Bild von Flensburg ist zuerst durch seine Menschen entstanden. In Kieler WG-Küchen habe ich sie kennengelernt, in halb beleuchteten Innenhöfen, bei einem Flens oder drei. Sie studieren Agrarwissenschaften, Politik oder BWL, spielen Hockey, Fußball oder Handball und sind, neben den Kielern, die entspanntesten Menschen, denen ich bislang begegnet bin. „Machen statt schnacken“ ist bei ihnen nicht nur ein Spruch, sondern eine Lebenseinstellung. Nicht umsonst gibt es in Flensburg eine rege Start-up-Szene, die auch über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus bekannt ist. 

Das liegt wohl einfach daran, dass ein „Wir könnten ja mal“ bei den Flensburgern gar nicht möglich ist – mittlerweile habe ich sogar den Eindruck, dass sie den Konjunktiv einfach kategorisch aus ihrem Leben ausschließen. Das macht sie zu angenehmen, trockenhumorigen Gesprächspartnern, denen jede Attitüde fehlt – und jedes Verständnis für Eintagsfliegen-Hypes.

Flensburg, die Stadt mit dem dänischen Etwas

Dieses Lebensgefühl strahlt tatsächlich auch die Stadt selbst aus. Keine Schilder weisen den Weg vom Hauptbahnhof in die Innenstadt – typisch norddeutsch: Du findest dein Ziel mit Sicherheit auch so. In den Wintermonaten ist es hier – der Nähe zu Skandinavien sei dank – an manchen Tagen schon nachmittags duster, die Dunkelheit offenbart dann ihren ganz eigenen Humor. Einmal etwa traf ich im Carlisle-Park auf einen Mann, der mit einer Taschenlampe die Wiese vor sich beleuchtete. Im Schein des Lichtkegels hockte sein Hund und machte sein Geschäft.

Die Sommernächte in Flensburg dagegen sind lang. Die Sonne scheint nie ganz zu verschwinden, und auch nicht die Flensburger. In den Sommermonaten tummeln sie sich in der Einkaufsstraße, die durch ihre historischen Kaufmannshäuser und -hinterhöfe eine natürliche Eleganz ausstrahlt. Hier findet wirklich das Leben statt, auch nach Ladenschluss, das liegt dann auch etwa an den Veranstaltungen der Flensburger Hofkultur

Der dänische Einfluss ist dabei auf allen Ebenen des kulturellen Lebens auszumachen. Jahrhundertelang stand die Hafenstadt unter dänischer Flagge, in dieser Zeit hatte Flensburg als Seehandelsstadt ihre Blütezeit. Davon zeugt nicht nur die Architektur, sondern auch die zweisprachigen Straßenschilder und die Möglichkeit, in den Geschäften mit dänischer Krone zu bezahlen. Die dänische Minderheit hat hier eine große Gemeinde, zur Grenze ist es wirklich nicht weit.

Während meiner Besuche in Flensburg bin ich gern in der studentischen und alternativen Szene unterwegs. Da reicht es mir manchmal auch, den Tag im Kaffeehaus zu verbringen, ab und an zu lesen und vielleicht bei einem guten Schnack die Zeit verstreichen zu lassen.