Streiks, kurzfristige Änderungen im Flugplan und unberechenbares Wetter sorgen für ordentlich Turbulenzen im deutschen Luftraum. Die Angst vor einem Flugchaos in den Sommerferien wächst, und sie scheint nicht unbegründet: Bis zum 20. Juni wurden in diesem Jahr 15.571 Flüge von, nach und innerhalb von Deutschland gestrichen, 3.778 weitere Maschinen hoben mit mindestens drei Stunden Verspätung ab.

Das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum: Bis zum 20. Juni 2017 wurde 8.826 Flüge annulliert, 2.268 waren verspätet, so das Fluggastrechteportal „EUclaim“.

Luftverkehrswirtschaft erwartet auch Probleme in Sommersaison

Und eine Besserung ist offenber nicht in Sicht. So schreibt der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft Anfang der Woche in Zeitungsanzeigen: „Auch der Himmel stößt mal an seine Grenzen“, und weiter: „Im vor uns liegenden Sommer werden die Maßnahmen noch nicht ihre volle Wirkung entfalten können.“

Heißt im Klartext: Weitere Verspätungen und Annullierungen auch in der Hochsaison.

Bei der Lufthansa und ihrer Tochter Eurowings sieht es noch düsterer aus: Allein im ersten Halbjahr 2018 habe man mehr Flüge streichen müssen als im gesamten vergangenen Jahr. Die größte deutsche Airline hatte sich bei ihren Kunden entschuldigt, in einem Schreiben der größten deutschen Airline heißt es: „Unsere Pünktlichkeit ist aufgrund der aktuellen Beschränkungen des europäischen Luftraums auf ein für uns inakzeptables Niveau gesunken.“ 

Gefrustete Fluggäste lassen Ärger an Reisebüros raus

Die Passagiere sind gefrustet und lassen ihrem Ärger in den sozialen Medien und in den Reisebüros freien Lauf. Vielen Inhabern reichte es, sie wandten sich in einem Brief an den Eurowings-Vorstand.

Darin heißt es unter anderem: „Wir sind nicht mehr bereit, den Unmut unserer Kunden über gehäufte Flugzeiten- und Flughafenänderungen allein und auf unsere Kosten zu tragen.“

Flugchaos: Verbraucherschützer sind alarmiert

Das Flugchaos alarmiert auch die Verbraucherschützer. Die Schwierigkeiten bei Lufthansa und Eurowings dürften sich nicht „zu einem Drama für Verbraucher ausweiten“, warnt der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller. Es brauche einen stabilen Flugplan, aber auch genügend flugbereite Maschinen und Mitarbeiter.

Auch bei Ryanair drohen Ausfälle wegen Pilotenstreiks

Auch Ryanair-Kunden könnte die Urlaubsstimmung noch vermiest werden: Noch während der Sommerurlaubszeit drohen Streiks der deutschen Piloten.

Bis Ende Juli läuft eine Urabstimmung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Auch die irischen Piloten stimmen derzeit über Arbeitsniederlegungen ab – hier soll Mitte kommender Woche ein Ergebnis vorliegen.