Reisetrend „Last Chance Tourism“ macht mehr kaputt, als du denkst

„Last Chance Tourism“: Wie schädlich ist der Trend?

Einmal in den Regenwald, bevor er abgeholzt ist. Einmal auf die Malediven, bevor sie versunken sind. „Last Chance Tourism“ zieht Reisende zu sterbenden Orten – und könnte noch mehr Schaden anrichten.

Eine Insel in der Karibik.
Wenn der Klimwandel die Reiseziele vorgibt: Viele Inseln wird es mit ansteigendem Meeresspiegel bald nicht mehr geben. (Symbolfoto)

Foto: pixarbay.com/neupaddy

Der Klimawandel kommt – und er kommt mit Wucht. Der steigende Meeresspiegel, immer mehr Wetterextreme, die zunehmende Erderwärmung: Alles das werden wir irgendwann alle spüren.

Noch früher aber wird es einige der schönsten Orte auf der Welt treffen. Die Malediven gehen langsam im Meer unter. Die Korallen am Great Barrier Reef vor der Küste Australiens bleichen immer mehr aus. Auch die Mangrovenwälder in den Everglades in Florida machen es nicht mehr lange.

Selbst Venedig soll irgendwann im Meer versinken.

Die bitterböse Ironie ist, dass sich daraus eher kein neues Bedürfnis zum Naturschutz entwickelt – sondern ein neuer Reisetrend: „Last Chance Tourism“ zieht immer mehr Menschen zu Plätzen, die es in dieser Art wohl nicht mehr lange zu sehen gibt. Und das könnte alles nur noch schlimmer machen. 

„Last Chance Tourism“ zum Reisetrend des Jahres gekürt

Der Trend, den das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ zum Top-Reisetrend des Jahres gekürt hat, führt in vielen Fällen zu besonders umweltschädlichem Verhalten: So hat sich die Anzahl von Fahrten mit Kreuzfahrtschiffen in die Antarktis seit dem Jahr 2000 mehr als verdreifacht – und das alles nur, um die immer weiter schmelzenden Eisberge zu sehen.

Die Menge an Treibhausgasen, die dabei pro Kopf ausgestoßen werden, ist sogar achtmal so hoch wie bei „normalen“ Kreuzfahrten. Das fanden Wissenschaftler der Universität Breda heraus. 

„Last Change Tourism“ macht mehr kaputt, als wir denken

Die Forscher sahen keinen Beleg für die These, dass die Reisen zu bedrohten Orten das Umweltbewusstsein stärkten. Im Gegenteil: Mehr als zwei Drittel der Touristen waren sich sicher, dass die Fahrt mit dem Kreuzfahrtriesen überhaupt keinen Einfluss auf den Klimawandel habe.

In vielen Gegenden wird deswegen schon deutlich gegengesteuert. Die Zahl der Touristen auf den Galapagosinseln hat allein im Jahr 2014 um 4 Prozent zugenommen – und steigt weiter stetig. Dort aber werden die Ströme der Besucher genau kontrolliert, die Inseln, die überhaupt besucht werden können, rotieren. So soll eine Überlastung verhindert werden. 

Nur so kann es wohl gehen.

Sonst kommt die letzte Chance, diese traumhaften Orte zu sehen, noch schneller als gedacht.

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