Hiddensee: Warum wir die Ostseeinsel so lieben | reisereporter.de

Hiddensee: Warum wir die Ostseeinsel so lieben

Auch, wenn auf Hiddensee jeden Tag aufs neue Touristenscharen einfallen, hat die kleine Schwester von Rügen nichts von ihrem Zauber verloren. reisereporterin Gaia lüftet für dich das Geheimnis der Insel.

Gaia Born
Marion Schmidt
Malerisch geht die Sonne auf Hiddensee unter.

Foto: Marion Schmidt

Die blau-gelbe Fahne flattert im Wind, das Seepferdchen darauf scheint zu tanzen: Das Wappen von Hiddensee bemüht keine schwer verständlichen Metaphern. Wer einmal den Umriss der kleinen Insel auf einer Karte gesehen hat, weiß sofort Bescheid.

Knapp 17 Kilometer lang und an der schmalsten Stelle gerade mal 300 Meter breit ist Hiddensee, gesäumt von spektakulären Sandstränden, vorgelagerten Sandbänken und karibisch blauem Meer.

Erreichen könntest du die Insel notfalls sogar schwimmend: Nur rund fünf Kilometer Ostsee trennen die nördlichste Spitze Hiddensees, das Endhorn, und Rügen. Und die Südspitze Gellen ist sogar nur rund einen Kilometer vom Festland entfernt. 

Dennoch kommen die meisten natürlich per Schiff, entweder von Schaprode auf Rügen oder von Stralsund aus. In den Sommermonaten können Besucher auch von Dranske und Wiek (beides Rügen) und Zingst nach Hiddensee übersetzen.

Sandbänke, so weit das Auge reicht: Blick über Bock.
Sandbänke, so weit das Auge reicht: Blick über Bock. Foto: Christian Rödel

Das gibt es auf Hiddensee zu sehen

Ganz nüchtern betrachtet und nach den Maßstäben der heutigen Zeit müsste die Antwort auf diese Frage eigentlich lauten: Nicht viel. Nur vier Orte sind auf der Insel zu finden, vom Fischerdorf Neuendorf ganz im Süden über den Hauptort Vitte bis zum kulturellen Zentrum Kloster und dem ältesten Örtchen der Insel ganz im Norden, Grieben.

In diesen vier Orten sind knapp 1.000 Inselbewohner zu Hause. Und weltberühmte Sehenswürdigkeiten hat die Insel auch nicht zu bieten. Warum also hin?

Hiddensee schlägt jeden Besucher schnell in seinen Bann. Einmal Fan – immer Fan! Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis: Auf dem Schiff steuerst du zwischen Sandbänken und azurblauem Meer hindurch auf die blendend weißen, endlos langen Sandstrände zu. 

Abendstimmung am Strand von Vitte.
Abendstimmung am Strand von Vitte. Foto: Anne Schönemann
14 Kilometer lang erstreckt sich der feine Sand an der Westküste Hiddensees – wer braucht da noch die Karibik? Und so viele Menschen auch gerade auf der Insel sein mögen: Nie wirkt sie überfüllt oder zu laut. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass auf Hiddensee striktes Autoverbot herrscht. Lediglich einige Elektroautos haben auf der Insel Ausnahmegenehmigungen und sind dort im Einsatz, wo es nun wirklich nicht mit dem Fahrrad oder der Pferdekutsche geht.

Auf Hiddensee findest du Entschleunigung

Wer also nach Hiddensee kommt, traut oft seinen Ohren nicht. Das ständige Hintergrundrauschen der Stadt ist verschwunden, du nimmst nur noch den Wind wahr, der mal sanft, mal heftig über die Dünen und Salzwiesen streicht, hörst das fröhliche Klappern von Pferdehufen auf Pflasterstraßen und entspanntes Stimmengemurmel von Menschen, die eine Auszeit vom Alltag nehmen.

Du kannst dir auf einmal vorstellen, wie es zu Omas Zeiten gewesen ist. Dazu tragen auch die Hausmarken bei, die du vielerorts noch neben der modernen Nummerierung finden kannst.

Tipps für den Urlaub auf Hiddensee

Wie verbringst du deine Zeit auf Hiddensee? Natürlich am Strand. Bernstein suchen, baden, Drachen steigen lassen, Sandkörnchen zählen und die Weite des blauen Meeres genießen. Das geht bei Wind und Wetter. 

Wer Hiddensee aber richtig kennenlernen möchte, macht sich auf Erkundungstour ins Inselinnere. Wobei auch das nie weit vom Meer entfernt ist. Ich stelle dir jetzt mal Hiddensees Orte vor:

Neuendorf

Eigentlich sind es ja zwei Dörfer: Plogshagen und Neuendorf sind von jeher Fischerdörfer. Sie scheinen wie aus einer Katalogwerbung entsprungen. Strahlend weiß getünchte Häuser auf weiten Wiesen, keine Zäune, breite Sandstrände – das Gefühl von Freiheit entsteht schnell hier. Beide Dörfer stehen unter Denkmalschutz, und das nicht ohne Grund: Plogshagen entstand bereits vor 1700. 

Der Hafen Neuendorf auf Hiddensee.
Der Hafen Neuendorf auf Hiddensee. Foto: OZ

Noch heute führt die einzige befestigte Straße zum Hafen, wo Fischer damals wie heute ihren Fang einbringen. Wer Fischereigeschichte erleben möchte, kann das in den beiden Reusenschuppen „Groot Partie“ (heute Museumscafé) und „Lütt Partie“ (Museum am Ortseingang) tun. 

Wer gut zu Fuß ist und die Abgeschiedenheit sucht, sollte sich eine Wanderung über das Leuchtfeuer Gellen bis zur Schutzzonengrenze des Nationalparks gönnen (etwa acht Kilometer). Hier einen Sonnenuntergang zu erleben inspiriert: Das unglaubliche Farbenspiel vor grandioser Kulisse hat schon so manchen zum überzeugten Hiddensee-Fan gemacht. 

Vitte

Vitte wird heimlich „Hauptstadt“ genannt. Aber keine Sorge, Hauptstadt-Feeling will hier nun wirklich nicht aufkommen, trotz Bankautomat, Arzt, Schule, Kindergarten und Rathaus. Wer Lust hat, auf den Spuren berühmter Hiddensee-Besucher zu wandeln, wird hier fündig: Im kleinen, blauen Sommerhaus von Asta Nielsen, ihres Zeichens dänischer Stummfilmstar, trafen sich jeden Sommer Künstler wie Joachim Ringelnatz, Heinrich George oder Gerhart Hauptmann. 

Hafenromantik in Vitte.
Hafenromantik in Vitte. Foto: Alexander Müller
Heute kannst du im „Karusel“ heiraten und eine Ausstellung zu Asta Nielsen und Max Taut besuchen. Wer mehr über das rege Künstlerleben auf Hiddensee und die legendäre „Blaue Scheune“ wissen möchte, kann sich einer Führung anschließen. 

Der Hafen lockt Hungrige mit einigen Fischgaststätten, wer ein Mitbringsel erwerben möchte, wird in den kleinen Lädchen entlang der Hauptstraße fündig.

Kloster

Es ist doch einmal schlechtes Wetter und du hast keine Lust mehr auf den Strand? Dann auf nach Kloster! An der rund 600 Jahre alten Inselkirche – sie steht auf den Grundmauern der Bauernkirche, die zur Klosteranlage der Zisterzienser gehörte, die von 1296 bis 1536 hier wirkten und dem Ort seinen Namen gaben – liegt Gerhart Hauptmann begraben. Das Sommerhaus des Dichters und Nobelpreisträgers kann man heute noch im Originalzustand besichtigen.

Die Schiffsanlegestelle in Kloster auf Hiddensee.
Die Schiffsanlegestelle in Kloster auf Hiddensee. Foto: OZ
Auch das Heimatmuseum ist hier zu finden, es zeigt neben dem Hiddenseer Leben durch die Jahrhunderte auch eine Replik des berühmten Hiddenseer Goldschatzes (Original in Stralsund). Von hier aus kann man auch zum Wahrzeichen der Insel wandern: Den Hiddenseer Leuchtturm erreicht man gut zu Fuß nach rund 1,9 Kilometern. 

Schon seit 1888 sendet er sein Leuchtfeuer zu orientierungssuchenden Schiffen und ist in rund 45 Kilometern Umkreis zu sehen. Auch wegen des traumhaften Panoramablicks ist der Besuch des Leuchtfeuers ein Muss – allerdings nur, wenn das Wetter mitspielt. Ab Windstärke 6 und bei nasser Witterung ist der Leuchtturm aus Sicherheitsgründen geschlossen. 

Blick über die Ostsee vom Hochufer auf dem Dornbusch im Norden der Insel Hiddensee.
Blick über die Ostsee vom Hochufer auf dem Dornbusch im Norden der Insel Hiddensee. Foto: Matthias Roos

Grieben

Der Ort der Hiddenseer Superlative: Grieben. Das älteste, kleinste, nördlichste und natürlichste Dorf der Insel ist von Kloster nur etwa 1,5 Kilometer entfernt. Heute ist es kaum noch vorstellbar, aber in früheren Zeiten scheint Grieben der Hauptort der Insel gewesen zu sein, schon vor der Besiedelung Klosters durch die Zisterzienser ist es urkundlich erwähnt (1297) und war Wohnsitz der landesfürstlichen Verwaltungs- und Gerichtsbeamten. 

Heute ist Grieben ein Zufluchtsort für alle, die ihre Ruhe haben wollen – oder Champignons lieben: Der Namensstamm „grib“ stammt aus dem slawischen und bedeutet Pilz. Tatsächlich sprießen noch heute an vielen Orten schmackhafte Champignons. 

Als Ausgangspunkt für Wanderungen zum Leuchtturm oder der Doppelhalbinsel Bessin ist Grieben zu empfehlen, traumhafte Ausblicke und Fotomotive garantiert.

Sooo viele Sterne! Nachthimmel über Hiddensee.
Sooo viele Sterne! Der Nachthimmel über Hiddensee. Foto: Jens Gottschalk
Aber: Hiddensees Geheimnis liegt in der Natur. Wer nur auf die Insel kommt, um straff alle vier Orte abzuarbeiten und alle Sehenswürdigkeiten mitzunehmen, wird das Geheimnis der Insel bestimmt nicht lüften. Denn auf Hiddensee geht es nicht um den Menschen. Hier regiert die Natur. 

Und die ist nicht laut und gestresst, hat kein Handy und will nicht belehren. Als Teil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft hat Hiddensee so viel mehr zu bieten, als auf den ersten Blick erkennbar ist. Also entzerre dein Programm, lass den Blick schweifen und komm im Augenblick an. 

Dabei helfen die Weite, die auf Hiddensee erlebbar ist, der Friede, der von genüsslich grasenden Pferden ausgeht, die Ruhe, die auf Hiddensee allgegenwärtig ist. Wer einmal auf Hiddensee war, kommt wieder. Wenn er kann.

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