Ostsee: Erstaunliches über Möwen | reisereporter.de

5 erstaunliche Fakten über Möwen

Egal, wohin du an der Ostsee kommst, sie sind immer schon da: die Möwen. Hier sind 5 Dinge, die du wahrscheinlich noch nicht über diese Vögel wusstest.

Die Beziehung zwischen Küstenbesuchern und Möwen gleicht einer Hassliebe. Einerseits wird der Vogel als Foto- und Souvenirmotiv geliebt, andererseits als Fressfeind verachtet.
Die Beziehung zwischen Küstenbesuchern und Möwen gleicht einer Hassliebe. Einerseits wird der Vogel als Foto- und Souvenirmotiv geliebt, andererseits als Fressfeind verachtet.

Foto: pixabay.com

1. Die eine Möwe gibt es nicht

Auch wenn sich die Flugkünstler zuweilen erstaunlich ähnlich sehen: Die eine Möwe gibt es nicht. Zeitweise leben im nördlichsten Bundesland bis zu zehn verschiedene Arten, die entweder hier brüten oder als Zugvögel zu Gast sind - Touristen also, wie andere Strandbesucher auch.
 
Besonders verbreitet sind jedoch drei Arten: Die Lachmöwe mit ihrem dunkelbraunen Kopf und die Silbermöwe mit dem roten Fleck auf dem Schnabel. Darüber hinaus die Sturmmöwe, die aussieht wie eine kleine Silbermöwe, nur dass ihr der charakteristische rote Fleck fehlt. Vereinzelt anzutreffen sind unter anderem auch die Heringsmöwe und die Schwarzkopfmöwe, die an den dunkleren Flügeldecken zu erkennen sind, sowie die Mantelmöwe, die größte Möwenart.
 
Doch die Bestimmung ist nicht immer so einfach, wie es zunächst scheint. Sind die Möwen erwachsen und tragen ihr Sommerkleid, sind sie am besten auseinander zu halten. Die Bestimmung von Jungtieren hingegen, ist selbst für Möwenexperten zuweilen eine harte Nuss. Denn die „Kleinen“ sind fast alle braun gescheckt oder gefleckt.

2. Fotografieren ja, Füttern nein

Die Beziehung zwischen Küstenbesuchern und Möwen gleicht einer Hassliebe. Einerseits wird der Vogel als Foto- und Souvenirmotiv geliebt, andererseits als Fressfeind verachtet.
 
Letztere Perspektive wurde immer wieder in Film und Fernsehen dargestellt. „Meins! Meins! Meins!“, rufen etwa die Möwen im Animationsfilm „Findet Nemo“, als sie Futter erspähen - und so ein Bild haben auch viele Touristen von den geflügelten Küstenbewohnern: Als Übeltäter, die nur auf den Hering im Fischbrötchen oder die nächste Eistüte aus sind.

 

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„Möwen sind hartnäckig und frech, wenn sie es erst einmal gelernt haben, dass Menschen Fressbares bereithalten“, sagt Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein. „In Folge der vielfach verbreiteten Praxis, Möwen zur allgemeinen Unterhaltung und aus Freude an ihren Flugkünsten Brot und andere Essensreste zuzuwerfen, lernen diese, gelegentlich etwas nachzuhelfen, wenn aus Sicht der Möwen das Futter nicht schnell genug gereicht wird.“
 
Deshalb sollte man die Tiere besser nicht füttern. Denn auch wenn Möwen den Menschen in der Regel nicht angreifen, kann es beim Futterklau natürlich zu kleineren Blessuren kommen. Nämlich, wenn statt des Brotstückchens der Finger erwischt wird. An manchen Stränden, wie zum Beispiel Warnemünde, wird das Möwenfüttern sogar mit einer Geldstrafe geahndet. In Einzelfällen kann das sogar bis zu 5000 Euro kosten.

3. Greifvögelschreie gegen Möwen

Auch wenn Möwen von manch einem als zunehmende Plage empfunden werden, der Bestand der hier beheimateten, häufigen Arten schrumpft. Grund dafür sind laut Nabu der Rückgang des Grünlandes, wo vor allem Lach- und Sturmmöwen nach Nahrung suchen, aber auch Veränderung in der Fischerei und das Schließen von Müllkippen. Auf letzteren haben die Möwen früher meist für die Überwinterung Futter gefunden.
 
Trotzdem fühlt sich der Mensch zunehmend von ihnen gestört. Denn Futtermangel ist nicht zuletzt der Grund, warum die Möwen zunehmend auf Häusern in Küstennähe brüten und den menschlichen Bewohnern damit auf die Pelle rücken.
 
Dort, wo die Möwen dem Menschen zu nahe kommen, wie zuletzt etwa auf der Insel Sylt, wird auch schon mal Vergrämungstechnik eingesetzt: Schreie von Greifvögeln oder Schallwellen, die sich unangenehm für die Möwen anfühlen, sollen die Tiere fernhalten. Auch für Möwen abschreckende Geruchsstoffe werden zuweilen eingesetzt, damit die Badegäste ihre Ruhe haben.

4. Die Lachmöwe ist ein echter Spaßvogel - oder?

Das glauben zumindest manche über den Vogel mit dem markanten schwarzen Kopf. Denn das „Kriiärr“ der Lachmöwe erinnert an ein spöttisches, menschliches Lachen. Die lateinische Arten-Bezeichnung nimmt diese Eigenschaft auf: „Larus ridibundus“ heißt tatsächlich „lachende Möwe“.
 
Da das aber nicht alle Möwenexperten überzeugt und die Herkunft des Namens nicht ganz geklärt ist, kursiert noch eine zweite Theorie: „Die Lachmöwe lebte ursprünglich an den Binnengewässern“, sagt Ludwichowski. „Und da im Süddeutschen die Lache ein eher flaches Gewässer ist, könnte der Name auch daher stammen.“

5. Sie heißen alle „Emma“

Möwenfans müssen nun ganz stark sein: Auch wenn der Schriftsteller Anton Tschechow sein Drama aus dem Jahr 1895 „Die Möwe“ nannte, kommt das Tier darin direkt nicht vor. Auch sonst scheinen gerade diese unterdurchschnittlich häufig in literarischen Werken vorzukommen - woran ihr Image als Fressfeind wohl nicht ganz unschuldig ist. Texte über ihre Anmut und Schönheit sucht man vergeblich.
 
Nur der Dichter Christian Morgenstern bedachte die Möwe im Jahr 1905 mit einem kurzen Lied. In der ersten Strophe heißt es: „Die Möwen sehen alle aus/als ob sie Emma hießen/Sie tragen einen weißen Flaus/und sind mit Schrot zu schießen.“ Doch bei Morgenstern haben die Möwen Glück: Sein lyrisches Ich erschießt sie nicht, sondern füttert sie lieber mit Roggenbrot und bewundert ihre Flugkünste. Von Möwenplage und Vergrämungstechnik war damals also noch nichts zu lesen.
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Die Autorin
Lena Modrow, Texterin und Fotografin, schreibt aus dem Urlaub am liebsten Postkarten. Langsam kennt sie jeden Zipfel Schottlands und Englands, ist aber auch von Island und Finnland ... mehr
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