Chile verbietet Plastiktüten – als erstes Land in Amerika

Chile verbietet Plastiktüten – als erstes Land in Amerika

Chile will in sechs Monaten Plastiktüten abschaffen. Damit ist es das erste Land in Nord- und Südamerika, das im Kampf gegen Plastikmüllberge durchgreift. Kleine Unternehmen bekommen eine längere Schonfrist.

Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehören wird: Chilenen werden ihre Einkäufe in Zukunft nicht mehr in Plastiktüten, wie dieser Mann in Valparaíso, nach Hause tragen.
Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehören wird: Chilenen werden ihre Einkäufe in Zukunft nicht mehr in Plastiktüten, wie dieser Mann in Valparaíso, nach Hause tragen.

Foto: imago/Aton Chile

Das chilenische Parlament stimmte dem Verbot von Plastiktüten im gesamten Staatsgebiet am 30. Mai zu. Das bedeutet, dass große Supermärkte nach Ablauf der kommenden sechs Monate keine Einweg-Plastiktüten mehr an ihre Kunden herausgeben dürfen. Kleine Geschäfte und Kioske bekommen zwei Jahre Zeit, um die Tüten abzuschaffen.

200 Plastiktüten verwenden die Chilenen bisher jährlich pro Kopf

Bis das Verbot endgültig in Kraft tritt, dürfen die Geschäfte noch zwei Plastiktüten pro Einkauf herausgeben. Plastikverpackungen von einzelnen Produkten schließt das Verbot allerdings nicht mit ein. „Damit das Gesetz eine reale Auswirkung hat, muss eine kulturelle Veränderung der Art stattfinden, in der die Bürger mit ihren Einkäufen und ihrem Abfall umgehen“, sagte die chilenische Umweltministerin Marcela Cubillos der chilenischen Zeitung „El Espectador“.

Das Umdenken scheint bereits stattgefunden zu haben: Eine nationale Umfrage des Umweltministeriums ergab, dass 95 Prozent der Chilenen mit dem Plastiktütenverbot einverstanden sind. 66 Prozent gaben an, bereits wiederverwendbare Taschen mit zum Einkaufen zu nehmen.

Eine erstaunliche Zahl, wenn man bedenkt, dass laut der chilenischen Vereinigung der Plastikindustrie jährlich 3,4 Millionen Plastiktüten in Chile verwendet werden. Das sind 200 Tüten pro Person im Jahr. Was das bedeutet verdeutlicht ein einfacher Vergleich: Eine Plastiktüte wird im Schnitt zehn bis 15 Minuten lang verwendet.

2050 könnten mehr Plastiktüten als Fische im Meer schwimmen 

Bis sich eine Plastiktüte zersetzt, dauert es 300 bis 400 Jahre, schreibt „El Espectador“. Erschreckend: Im Jahr 2050 könnte die Menge an Plastiktüten, die im Ozean schwimmen, die Menge der Fische dort bereits übersteigen. Höchste Zeit also für das Verbot.

Für seine Einhaltung werden in Chile die Kommunen verantwortlich sein. Sie legen die Höhe der Strafe pro herausgegebener Plastiktüte fest.

Auch andere lateinamerikanische Länder versuchen, den Plastikverbrauch zu regulieren. Keine Land greift bisher aber so hart durch wie Chile. Kolumbien hat lediglich eine Steuer auf Plastiktüten verabschiedet.

Das peruanische Umweltminsterium hat ein Gesetz im Kongress vorgestellt, das den Gebrauch von Einwegtüten, Zigaretten und Styroporverpackungen limitieren soll. Auf der nördlichen Hälfte des Kontinents versucht zumindest eine Provinz in Kanada, Plastiktüten zu verbieten.   

Eine kanadische Provinz will Plastiktüten ebenfalls verbieten

Die Abgeordeneten von Prince Edward Island, einer Insel vor der Ostküste Kanadas, prüfen zurzeit ein Gesetz, das Plastiktüten in der Provinz Schritt für Schritt abschaffen könnte. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, würden ab Juli Gebühren für Plastiktüten eingeführt. Ab Januar 2020 wären sie dann verboten. Das berichtet die kanadische Zeitung „The Star“.

Auch die EU geht eher zögerlich gegen Plastiktüten vor. Hier soll der Verbrauch Schritt für Schritt gesenkt werden. Die EU-Mitgliedsstaaten müssen dafür sorgen, dass ihre Bürger bis Ende 2019 nur noch 90 Plastiktüten pro Kopf im Jahr verbrauchen. Bis 2025 soll die Zahl auf 40 Tüten sinken. In Deutschland sind Plastiktüten bei vielen Händlern seit Juli 2016 kostenpflichtig.  

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