Mit 50 Euro um die Welt: Christopher Schacht auf Weltreise

Verrückte Weltreise: 50 Euro, 4 Jahre, 45 Länder

50 Euro gibt so mancher an einem Tag aus, Christopher Schacht ist damit auf Weltreise gegangen. Vier Jahre lang war der Schleswig-Holsteiner unterwegs und hat während dieser Zeit auch noch die Frau seines Lebens getroffen.

Anne Steinmetz
Christopher Schacht beim Trampen in Japan – wer nur 50 Euro in der Tasche hat für die Weltreise, muss sparen.
Christopher Schacht beim Trampen in Japan – wer nur 50 Euro in der Tasche hat für die Weltreise, muss sparen.

Foto: privat

Seit seiner Rückkehr hat Christopher Schacht Stress. Ein Termin jagt den nächsten, viele Medien wollen mit ihm sprechen und seine Geschichte hören. Und jetzt kommen auch noch die Hochzeitsvorbereitungen dazu. Diesen Monat heiratet er seine große Liebe Michal, eine Mainzer Studentin, die er während seiner Reise über Facebook kennengelernt hat.

Zeit für ein Telefonat mit uns hat der Medienprofi trotzdem, schließlich liegt ihm sein Heimatland Schleswig-Holstein am Herzen. „Seit der Reise weiß ich, dass ich durch und durch Norddeutscher bin“, erzählt Schacht. Wenn er die Elbe in Richtung Norden überquere, gehe ihm das Herz auf. „Das habe ich besonders gemerkt, als ich im August letzten Jahres zurückgekommen bin.“

Vom Dorf in die große Welt – mit 50 Euro in der Tasche

Aufgewachsen im kleinen Dorf Sahms im Herzogtum Lauenburg, führten die Familienurlaube mit Eltern und den zwei Geschwistern regelmäßig nach Dänemark. Als Teenager merkte Schacht aber, dass er mehr sehen wollte. „Ich wollte wissen, wie es anderswo riecht, wie es anderswo aussieht, und ich hab’ mich auch gefragt, ob die Menschen woanders zum Beispiel Disney kennen.“

Christopher Schacht ging mit 50 Euro auf Weltreise und besuchte auch Holi-Festival in Indien.
Christopher Schacht ging mit 50 Euro auf Weltreise und besuchte auch Holi-Festival in Indien. Foto: privat

Direkt nach dem Abitur Anfang Juli 2013 machte er sich dann auf den Weg, zuerst nach Amsterdam, von da aus nach Spanien und dann weiter über den Atlantik – mit nicht mehr als 50 Euro in der Tasche. „Richtig viel Geld für eine Weltreise hatte ich nicht, dafür müsste man ja auch wirklich reich sein. Deshalb dachte ich, dass es auch so gehen müsste.“

Ich hab’ mich am meisten darauf gefreut, wirklich frei zu sein.

Christopher Schacht

Wie lange er unterwegs sein würde, wusste er nicht. „Ich wollte mich nicht festlegen, um keinen zu enttäuschen – mich nicht, aber auch meine Familie nicht.“ Mehr als ein Jahr plante er aber ein.

Auch wegen des knappen Budgets wollte er nicht fliegen, sondern nur per Anhalter und per Schiff unterwegs sein. „Ich hab mich am meisten darauf gefreut, wirklich frei zu sein.“

Nach den vorangegangenen Monaten mit vollgepacktem Terminkalender und dem Lernstress für das Abitur wollte er den Alltag hinter sich lassen und einfach nicht mehr planen.

Weltreise ohne zu fliegen: 45 Länder per Anhalter

Das hat geklappt. Die meiste Zeit habe er sich treiben lassen, erzählt er. Schließlich musste er sich danach richten, wer ihn mitnimmt. Manchmal musste er lange warten, besonders um die Ozeane zu überqueren. Als Teil der Besatzung ist er auf Jachten mitgefahren, damit hat er sich einen Traum erfüllt: Endlich Segeln lernen. 

Kolumbien, Fidschi, Korea, die Türkei, 45 Länder hat der heute 24-Jährige bereist und dabei mehr als 100.000 Kilometer zurückgelegt. Er hat vier Sprachen gelernt und viele Menschen getroffen, die sein Leben bereichern, erzählt er. Doch die größte Bereicherung ist für ihn – neben seiner Verlobten – die Entdeckung seines Glaubens.

Nach fast vier Monaten, in denen Christopher seine Freundin Michal nicht gesehen hatte, trafen sie sich in Rom wieder.
Nach fast vier Monaten, in denen Christopher seine Freundin Michal nicht gesehen hatte, trafen sie sich in Rom wieder. Foto: privat

„Ich komme aus einem christlichen Elternhaus und dachte, ich wüsste Bescheid.“ Sein Vater ist Pastor, deshalb spielte der Glauben in seinem Leben immer eine Rolle. Doch auf der Reise habe er angefangen, ein ganz anderes Verständnis dafür zu entwickeln. „Ich habe in den vier Jahren unglaubliche Erfahrungen gemacht und hatte hammermäßiges Glück.“

Das habe bei ihm das Gefühl geweckt, dass Gott ihn durch die Reise trage. Außerdem habe er intensiv die Bibel gelesen. „Ich habe jetzt ein ganz anderes Lebensfundament als vor der Reise.“

Deshalb habe er im Herbst auch nicht, wie nach dem Abitur geplant, mit einem Informatikstudium angefangen, sondern studiert jetzt Theologie in Darmstadt. Darauf möchte er sich auch konzentrieren, wenn es wieder ruhiger geworden ist in seinem Leben. Denn er hat ein Buch über sein Abenteuer geschrieben, „Mit 50 Euro um die Welt“, und sein Terminkalender für die kommenden Wochen ist voll – fast so wie vor seiner Reise.

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