Fliegen Vögel in die Turbine eines Flugzeuges, kann es im schlimmsten Fall zu einem Totalausfall kommen. Das ist selten, kommt aber vor: so wie bei der Maschine, die im Jahr 2009 auf dem Hudson River in New York notlanden musste. Pilot Chesley B. Sullenberger rettete so den 150 Passagieren an Bord das Leben, der Vorfall ging als „Wunder vom Hudson“ in die Geschichte ein.

Vogelschläge an sich kommen aber erstaunlich oft vor: etwa 900 bis 1.700 allein im deutschen Luftraum pro Jahr, durch die Schäden bis zu 45 Millionen Euro angerichtet werden, so die Informationen des Deutschen Ausschusses zur Verhütung von Vogelschlägen im Luftverkehr (DAVVL). Zuletzt musste eine Lufthansa-Maschine deswegen mit nur einem Triebwerk am Frankfurter Flughafen notlanden.

Um das Unfallrisiko durch einen Vogelschlag zu verringern, werden die Triebwerke, Leit- und Fahrwerke, Cockpitscheiben und Flugzeugnase während der Herstellung auf Stabilität getestet. Das legt die internationale Vorschrift für Luftfahrttechnikhersteller fest. Deshalb simulieren die Flugzeughersteller weltweit den Vogelschlag – und zwar mit echten Vögeln! Das berichtet „Travelbook“ heute exklusiv.

Vogelschlagtest: Tiere werden auf Flugzeugteile geschossen

Aus einer Pressluftkanone werden die Vögel demnach mit einer Geschwindigkeit von mindestens 370 Kilometern pro Stunde auf die oben genannten Flugzeugteile geschossen.

Insider hätten bestätigt, so die Website, dass die Vögel nur für diese sogenannten Vogelschlagtests gezüchtet und kurz vorher von einem Tierarzt getötet werden. Wichtig sei, dass die Leichenstarre während der Tests noch nicht eingesetzt habe. In einer Präsentation des Luftfahrttechnikkonzerns Pratt & Whitney sind Bilder der getöteten Tiere zu sehen.

Müssen echte Vögel verwendet werden?

Die Frage ist: Warum müssen Vögel für diese Tests sterben? Einer der größten Hersteller für europäische und deutsche Flugzeuge, General Electric, sagte „Travelbook“: „Die US Federal Aviation Administration (FAA) und auch die European Aviation Safety Agency (EASA) erfordern die Einhaltung gewisser Standards für alle Hersteller von Flugzeugtriebwerken. Diese schließen auch Tests mit Vögeln einer bestimmten Größe und eines bestimmten Gewichts ein.“

Aber: Aus diesen Vorschriften geht gar nicht hervor, dass es echte Vögel sein müssen. Die EASA schreibt etwa: „Künstliche Vögel dürfen in den Versuchen verwendet werden, wenn sie den internationalen Standards entsprechen und von der EASA akzeptiert werden.“ 

Weshalb künstliche Ersatzvögel bisher nur selten eingesetzt werden – dazu schweigen die Hersteller. Ein Triebwerkingenieur mutmaßt: „Ein echter Vogel ist billiger als ein aufwendig produziertes Substitut.“ 

Vogelschlagtest mit echten Vögeln ist offiziell kein Tierversuch

Wie viele Tiere für die Vogelschlagtests jährlich getötet werden, dazu gibt es keine offiziellen Zahlen. Um Tierversuche handelt es sich bei diesem Vorgehen nach dem Deutschen Tierschutzgesetz aber nicht, da die Vögel vor und nicht während der Versuche getötet werden.

Das Bundeministerium für Ernährung und Landwirtschaft erfasst allerdings die Gesamtzahl der in wissenschaftlichen Versuchen verwendeten Tiere sowie die Anzahl der zu wissenschaftlichen Zwecken getöteten Tiere.

Vögel machen hier den „geringsten“ Teil aus: Von 754.997 im Jahr 2015 insgesamt getöteten Tieren sind es 1,59 Prozent – das sind aber immerhin rund 12.000.