Faszination Südafrika, das Land packt dich: Die Natur, die Menschen – halt, da fehlt doch noch was! Klar doch, die Tiere, allen voran die „Big Five“: Löwen, Elefanten, Leoparden, Nashörner und Büffel.

Natürlich wollen auch wir das volle Programm. Wir? Ich muss da mal was einräumen. Diese Reise habe ich meiner Mutter zu verdanken. Sie hat die Hotels ausgesucht, die Route geplant, die Flüge gebucht. „Mama-Tours“ führt uns von der bezaubernden Küste direkt in die Karoo-Halbwüste zum Addo-Elephant-Park.

Die Suche nach den Big Five

Wir dürfen wählen: mit dem eigenen Auto durch das Reservat oder an einer geführten Safari teilnehmen. Wir entscheiden uns für den Leihwagen. Auf dem Parkplatz am Park reicht uns ein Wärter eine Liste mit allen Tieren. Zum Abhaken!

Schon nach wenigen Kilometern Gegenverkehr: Ein gigantischer, ausgewachsener Elefant schlendert direkt auf unser Auto zu. Mama knipst, ich knipse, was das Zeug hält, und Papa wird nervös. Ein Elefant vor seinem Auto – die Situation scheint ihn sichtlich zu überfordern. Der Elefant vor uns ist weniger aufgeregt. Er stampft einfach zum nächsten Baum, reißt mit dem Rüssel die Blätter ab und schaufelt die grüne Ladung in sich hinein. Greenburger for elephants!

Elefant und Vater haben die Situation gemeistert und wir machen uns weiter auf zum Tiere-Abhaken. Ein toller Tag, aber das aufregendste Erlebnis steht uns noch bevor. 

Lionwatch im Zorgfontein Eco & Wildlife Resort

Kommen wir am besten gleich zur Sache: Mir schlottern die Knie. Mit dem Tierschützer Eben sind wir auf den Catwalk gegangen. Nix Laufsteg, ein dreckiger, staubiger Pfad in der Steppe. Auch nix Models. Hier lauern irgendwo im Gras versteckt zwar Könige – aber die Könige der Tiere. Lionwatch – allein unter Löwen! Im „Zorgfontein Eco & Wildlife Resort“, 25 Kilometer nördlich des Badeorts Mossel Bay, können wir an einer 60-minütigen Wanderung mit wilden, freilebenden Löwen teilzunehmen.

Bereits auf der Fahrt ins Reservat zeichnet sich unser Respekt vor der Aufgabe durch Schweigen aus. Nun stehen wir mit sechs anderen Touristen nach einem Zehn-Minuten-Marsch auf diesem einsamen, verstaubten Pfad vor einem kleinen Hügel. Das Gras raschelt, und dann ist er da. Plötzlich, wie aus dem Nichts. Könnte fast eine Inszenierung aus „König der Löwen“ sein. Fehlt nur die Musik.

Auge in Auge mit Löwen in Südafrika  

„Mustafa“, sagt unser Guide Eben und zeigt auf den Löwen: „Drei Jahre alt.“ Sein Alter ist mir in diesem Moment sch...egal – ich habe A-N-G-S-T. Noch nie habe ich ein so majestätisches, respekteinflößendes Wesen gesehen. Von dort oben, auf dem Hügel, blickt er mit wachsamen Augen auf unsere Gruppe hinunter, während ein leichter Windstoß seine Mähne zerzaust.

Mustafa ist der Anführer der Löwen-Gruppe. Langsam bewegt er sich auf uns zu. Bei jedem Schritt spannen sich die muskulösen Beine an. Kurz hinter ihm tauchen auf der Spitze des Hügels zwei weitere Junglöwen auf. Begleitet von zwei Tierpflegern. 

Third wheeling :/ #davidkennedyadventures

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Gemeinsam wandern wir nun los. Die Guides mit ihren Stöcken und den Löwen vorweg, wir – auch mit Stöcken bewaffnet – hinterher. Von Minute zu Minute gewöhnen wir uns mehr an die Tiere. Und die Tiere sich an uns. Es ist, als hätten sie uns als Teil ihrer Herde akzeptiert. Als gingen sie mit uns auf die Pirsch.

Aus der blanken Angst werden Ehrfurcht und Respekt. Großer Respekt. Der weicht auch nach einer Stunde nicht. Dann dürfen wir antreten. Das große Erinnerungs-Foto: Der Löwe und ich. Der Löwe und mein Vater. Der Löwe und meine Mutter. Zum Finale einmal streicheln, kurz, zaghaft und doch entschlossen. Wie sich ein Löwe anfühlt? Rau und hart.