Nichts ging mehr am Flughafen Hamburg: Nach einem Stromausfall war’s plötzlich zappenduster. Die Gepäckbänder funktionierten nicht mehr, das Boarding wurde ausgesetzt, nicht einmal mehr die Lautsprecher für Durchsagen funktionierten.

Nachdem die Ursache zunächst nicht gefunden werden konnte, wurden sämtliche Ankünfte und Abflüge für Sonntag gestrichen.

Mehr als 30.000 Passagiere sollen betroffen gewesen sein, etliche von ihnen waren am Flughafen gestrandet. Welche Rechte haben sie? Haben sie Anspruch auf Entschädigungen? Der reisereporter hat mit Reiserechtsanwalt Paul Degott gesprochen.

Stromausfall: Haben Passagiere Anspruch auf Entschädigung?

Entsprechend der EU-Fluggastrechte-Verordnung haben Passagiere bei einem Ausfall des Fluges oder bei erheblichen Verspätungen von mehr als drei Stunden ein Recht auf eine Entschädigung – die sogenannte entfernungsabhängige Ausgleichsleistung. Der Betrag liegt je nach Flugstrecke zwischen 250 und 600 Euro pro Person. Allerdings kommt es auf die Ursache an.

„Außergewöhnliche Umstände“ sind davon ausgenommen. Das bedeutet: Fälle von höherer Gewalt schließen eine finanzielle Entschädigung des Reisenden aus – und die sind in diesem Fall gegeben, sagt Reiserechtsanwalt Paul Degott dem reisereporter.

Sprich: Die Passagiere haben nach dem Stromausfall kein Recht auf Entschädigungszahlungen.

„Ein ausführendes Luftfahrtunternehmen ist nicht verpflichtet, Ausgleichszahlungen gemäß Artikel 7 zu leisten, wenn es nachweisen kann, dass die Annullierung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht, die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären.“ So steht es in der Fluggastrechte-Verordnung.

Stromausfall am Flughafen: Was ist mit dem Flugticket?

Gibt es eine Verspätung von mindestens fünf Stunden, hat der Fluggast das Recht, sein Flugticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen.

Passagiere mit Lufthansa-Tickets konnten ihre Flugtickets als Bahntickets verwenden und mit dem Zug fahren – die Airline fliegt von und nach Hamburg nur Kurzstreckenflüge.

Eurowings bat Fluggäste, die Kunden-Hotline oder ihren Urlaubsanbieter zu kontaktieren. Fluggäste, die ihre Tickets online gebucht hatten, konnten sie auf der Eurowings-Website umbuchen. Über die Hotline war es zudem möglich, den Abflughafen von Hamburg auf Hannover oder Bremen zu ändern.

Condor listete auf Facebook gestrichene Flüge von und nach Hamburg auf und bat betroffene Fluggäste, sich an den Kundenservice zu wenden.

Die Airline Germania informierte Fluggäste auf ihrer Website über Flugumleitungen, Streichungen und neue Abflugtermine.

Am Flughafen gestrandet: Was sind meine Rechte?

Wenn es ganz dick kommt und Fluggäste gar nicht mehr weiterkommen, dann muss der Reiseveranstalter oder die Airline sie betreuen – und zwar unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. Das gibt die EU-Fluggastrechte-Verordnung (Artikel 8 und 9) vor. 

Die Passagiere haben Anspruch auf Verpflegung (Mahlzeiten und Erfrischungen), das sind die sogenannten Betreuungs- und Unterstützungsleistungen. Meistens gibt es Gutscheine, die sie in den örtlichen Geschäften einlösen können.

Taxi und Hotelübernachtung: Wer trägt die Kosten?

Wenn sich der Flug auf einen anderen Tag verschiebt, muss die Airline oder der Veranstalter die Hotelkosten sowie Taxikosten tragen.

Hier gibt’s zwei Varianten: Entweder kümmern sich die Airline oder der Veranstalter selbst um die Organisation der Hotelübernachtung oder der Taxifahrt. „Erfahrungsgemäß passiert da aber wenig“, so Reiserechtsanwalt Degott. 

Oder der Fluggast kümmert sich selbst, weil er Airline oder Veranstalter nicht erreicht hat. Dann können die Kosten fürs Taxi und fürs Hotel eingereicht werden und müssen erstattet werden, sagt Degott. 

Welche Ansprüche haben Reisende noch?

Urlauber könnten zum Beispiel Ansprüche bezogen auf den Pauschalreisevertrag haben. „Der Veranstalter ist verpflichtet, die Reise abzuwickeln. Wenn Urlauber zum Beispiel zwei Tage verspätet am Urlaubsort ankommen, sind mindestens zwei Tage Reisepreis zurückzuzahlen“, so der Anwalt.

Wenn der Urlaub gar komplett ins Wasser fällt, handelt es sich juristisch um „nutzlos aufgewendete Urlaubszeit“. Gemessen am Reisepreis sind das mindestens 50 Prozent Schadensersatz.