Die Bretagne: Europas bestgehütetes Geheimnis

Die Bretagne: Europas bestgehütetes Geheimnis

Die Bretagne ist wild, rau und nicht immer sonnenverwöhnt. Wenn du genug hast von überfüllten Städten und Stränden, ist sie aber ein echtes Paradies, findet reisereporterin Leo. Eine Liebeserklärung:

Auf Wanderungen in Crozon kannst du versteckte Buchten entdecken.
Auf Wanderungen in Crozon kannst du so wie reisereporterin Leo versteckte Buchten entdecken.

Foto: privat

Wir kennen sie alle: die Bilder von überfüllten Stränden auf Mallorca, Hotelbunkern in Italien oder Touristenströmen in Barcelona. So schön Europa auch ist, manchmal wird es zu voll an den Reise-Hotspots. Doch unbemerkt von den meisten hat sich in Frankreich ein echtes Stück Paradies durch den Reiseboom gerettet.

Die Bretagne ist nicht ganz leicht zu erreichen

Wild und an einigen Orten unberührt liegt diese Region im Nordwesten Frankreichs: die Bretagne. Du hast noch nie von der Bretagne gehört? Kein Wunder!

Nicht umsonst heißt dieser Küstenabschnitt des Atlantiks La Finistère – das Ende der Welt. Und fast genau so schwer ist es, die Region im Nordwesten Frankreichs zu erreichen.

Steinhäuser mit blauen Fensterläden sind typisch für die Bretagne.
Steinhäuser mit blauen Fensterläden sind typisch für die Bretagne. Foto: Leo Bartsch

Minimum 1.000 Kilometer fährst du von Deutschland aus mit dem Auto, die Zugreise über Paris beinhaltet beim Umsteigen einen Bahnhofwechsel – und Direktflüge gibt es auch nicht. Vielleicht ist das der Grund, warum wir in der Bretagne noch ein Urlaubsidyll vorfinden, das vom Massentourismus verschont geblieben ist.

So findest du dort praktisch keine großen Hotels mit All-inclusive-Angeboten, sondern vor allem Campingplätze oder Ferienhäuser. Genauso wenig findest du in der Bretagne allerdings auch etwas, das für viele ein Muss ist: Sonnengarantie.

In der Bretagne gibt es authentische Traditionen und Ursprünglichkeit

Das Wetter ist unbeständig, teils unberechenbar und die Wassertemperaturen steigen eher selten über 16 Grad. Wer also einen Sommerurlaub mit Non-stop-Sonnenbaden will, kann jetzt gleich aufhören zu lesen.

Wenn du aber bereit bist, eine etwas unbequeme, eine längere Anreise auf dich zu nehmen, auf All-inclusive verzichten kannst und dir ein bisschen Regen nichts anhaben kann, wird die Bretagne dich belohnen.

Wenn du wie ich Reisen abseits der Touri-Hotspots magst, Ursprünglichkeit und authentische Traditionen, wirst du die Bretagne lieben.

Und wenn du gern in der Natur bist, in kleinen Buchten und an felsigen Küsten, wird die Bretagne dich in ihren Bann ziehen und nie mehr loslassen.

Eine Landschaft, die Legenden birgt und Poesie erzählt.

Die wilde Landschaft ist, was mir als Erstes aufgefallen ist und was mich immer wieder fasziniert. Sie ist geprägt von Felsküsten, kleinen Inseln, Dünen und weißen Sandstränden. Es ist eine Landschaft, die Legenden birgt und Poesie erzählt. Nicht umsonst hat es zahlreiche Schriftsteller, Dichter und Künstler irgendwann einmal hierher verschlagen.

Die Bretonen sprechen ihre eigene Sprache

Der Atlantik prallt von drei Seiten auf die bretonische Halbinsel und hat einen großen Einfluss auf das Klima und das Leben. So rau wie er können auch die Bretonen sein: Sie haben ihre Eigenarten, sind verwurzelt in ihrer Lebensweise, ihrer Kultur und ihren Traditionen.

Viele hier leben im Einklang mit dem Meer, sind Fischer oder Austernzüchter, und die Zeit bewegt sich grundsätzlich etwas langsamer. Fortschritt scheint ein Fremdwort zu sein, die Bretonen sprechen eben ihre eigene Sprache – im wahrsten Sinne des Wortes.

Alle Orte haben neben den französischen auch noch bretonische Namen, die bretonische Flagge oder andere Symbole sind allgegenwärtig, und das keltische Erbe kannst du förmlich spüren. Hier feiert man Fest-noz, teils in Tracht, mit bretonischer Musik und Tänzen, trinkt Cidre, isst Galettes, die traditionellen Buchweizen-Crêpes.

Auch Kitesurfer und Wellenreiter kommen in der Bretagne auf ihre Kosten

Nicht nur diese Atmosphäre macht die Bretagne so besonders, es gibt auch zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die du unbedingt besucht haben solltest. Die berühmteste ist wahrscheinlich der Mont Saint-Michel, der inzwischen sogar auf weltweiten Travel-Bucket-Lists auftaucht.

Diese kleine Gemeinde um ein altes Kloster herum ist auf eine felsige Insel genau an der Grenze von Normandie und Bretagne gebaut und ragt wie Avalon aus dem Meer heraus – ein magischer Anblick. Aber auch der Phare d’Île Vierge, der höchste gemauerte Leuchtturm Europas, der sich ebenfalls auf einer Insel befindet, oder das wunderschöne Küstenörtchen Honfleur sind einen Besuch wert.

Auf der Halbinsel Crozon kannst du wunderbar wandern gehen und versteckte Buchten entdecken. Der Strand von La Torche ist berühmt und beliebt bei Wellenreitern und Kitesurfern. Grundsätzlich wirst du wirklich überall in der Bretagne malerische, unberührte Fleckchen finden, die zum Verweilen und Träumen einladen.

In der Bretagne musst du erst zeigen, dass du es ernst meinst

Sei es vor einem der typischen Steinhäuser mit den blauen Fensterläden und den blühenden Hortensien im Garten, auf einem Felsen an der Steilküste oder mit den Füßen im Sand an einem der traumhaften Strände. Nur Vorsicht: Die Gezeiten sind hier ganz besonders stark; so kann es sein, dass du an den Strand kommst und das Meer einfach weg ist, weil gerade Ebbe ist.

Die Bretagne: wunderschön und wild.
Die Bretagne: wunderschön und wild. Foto: Leo Bartsch

Aber dann nutz die Chance zum Wattspaziergang oder Muschelsammeln. Manchmal macht es die Bretagne dir eben nicht so leicht, denn sie lässt sich nicht zähmen und oft hast du das Gefühl, du musst hier erst beweisen, dass du es ernst meint. Aber wenn du es ernst meinst, wird es eine lebenslange Liebesgeschichte, nicht nur eine kurze Sommeraffäre.

So wunderschön und wild ist die Bretagne definitiv Europas bestgehütetes Geheimnis, das du nun, wo du eingeweiht wurdest, selbst erkunden solltest – aber pssst: Nicht weitersagen!

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
#Trending
Zur
Startseite