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Guatemala: Reise ins Herz der Maya-Welt

Die antike Maya-Stätte Tikal, der malerisch gelegene Atitlán-See und das koloniale Antigua Guatemala – reisereporterin Sabrina nimmt dich mit auf eine Tour zu den Highlights in Guatemala.

Der zweitgrößte See des Landes ist für seine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt bekannt.
Der zweitgrößte See des Landes ist für seine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt bekannt.

Foto: Sabrina Friedrich

Der Moment, in dem die riesigen Tempel vor uns auftauchen, ist unvergesslich. Nachdem wir gut eine Stunde lang bei mehr als 30 Grad Celsius und einer beinahe greifbar erscheinenden Luftfeuchtigkeit durch den Dschungel gelaufen sind, tut sich hinter dem dichten grünen Vorhang aus Lianen und Blättern und Zweigen ein großer Platz auf.

Wir blicken auf die Bauten, deretwegen wir uns auf den Weg in den Norden Guatemalas gemacht haben: Vor uns liegt der Große Platz mit dem Tempel des Großen Jaguars, dem Tempel der Masken und zahlreichen kleineren Ruinen. Was für ein Anblick!

Maya-Kultur erscheint in Guatemala wieder lebendig

Spätestens in diesem Augenblick können wir verstehen, warum Guatemala sich selbst gern als „Herz der Maya-Welt“ bezeichnet. Tikal im Departamento Petén im Norden des zentralamerikanischen Landes galt lange als eines der wichtigsten Zentren der Maya-Kultur.

Steinerne Zeugnisse einer untergegangenen Zivilisation: Der große Platz mit dem Tempel des Großen Jaguars ist für viele der wichtigste Ort der Maya-Stätte Tikal.
Steinerne Zeugnisse einer untergegangenen Zivilisation: Der große Platz mit dem Tempel des Großen Jaguars ist für viele der wichtigste Ort der Maya-Stätte Tikal. Foto: Sabrina Friedrich

Hier, zwischen den Ruinen der lange untergegangenen Zivilisation, scheint diese vor unseren Augen wieder lebendig zu werden. Keramikfunde belegen, dass die erste Besiedelung etwa 900 vor Christus stattfand. Die meisten der Tempel, Stelen und Palast-Tempel-Komplexe wurden zwischen 200 und 500 nach Christus errichtet.

Das riesige Tikal birgt noch viele Geheimnisse

Die Stadt wurde immer größer. In ihrem Zentrum sollen zu Höchstzeiten etwa 50.000 Menschen gelebt haben. Im 10. Jahrhundert war sie schließlich vollständig verlassen. Wie es zu dem Untergang kam, ist bis heute nicht vollständig klar. Das riesige Areal – Tikal erstreckt sich über etwa 65 Quadratkilometer – birgt noch viele Geheimnisse.

Die meisten der Tempel, Stelen und Palast-Tempel-Komplexe von Tikal wurden zwischen 200 und 500 nach Christus errichtet.
Die meisten der Tempel, Stelen und Palast-Tempel-Komplexe von Tikal wurden zwischen 200 und 500 nach Christus errichtet. Foto: Sabrina Friedrich

Zahllose Gebäude sind noch immer nicht ausgegraben und erforscht. Erst im Februar wurde im britischen Fernsehsender BBC der Fund einer riesigen Maya-Stätte in der Region um Tikal verkündet. Die Wissenschaftler erhoffen sich viele neue Erkenntnisse.

Beim Flug über Tikal und die Urwälder darum herum wurden mit der sogenannten Lidar-Technik Unregelmäßigkeiten in der Landschaft erstellt. Ein dreidimensionales Bild, das mit Lasern vom Hubschrauber aus gefertigt wurde, offenbarte schließlich die bis dahin unter dem grünen Blätterdach verborgenen Ruinen.

Tikal ist nicht nur Weltkultur- sondern auch Weltnaturerbe

Tikal selbst hat nicht nur die steinernen Zeugnisse der untergegangenen Maya-Zivilisation zu bieten: Der Nationalpark wurde 1979 von der Unesco sowohl zum Weltkulturerbe als auch zum Weltnaturerbe erklärt. Die Artenvielfalt ist hoch: Etwa 400 Vogelarten leben im grünen Dickicht, der Nasenbär, aber auch Puma und Jaguar sind hier zu Hause.

Und es gibt Brüllaffen. Bei einer Begegnung mit den Tieren solltest du immer ein wenig auf der Hut sein. „Stellt euch besser nie direkt unter die Affen“, warnt unser Guide Luis Felipe Guerra, „manchmal werfen sie mit ihren Exkrementen.“ Wir überstehen unseren Ausflug unbeschadet – wie die meisten Reisenden.

Viele erreichen die Region Petén mit dem Flugzeug. Flugzeit von Guatemala-Stadt: etwa eine Stunde. Vom kleinen Flughafen geht es mit dem Bus weiter in den Nationalpark. Andere nutzen die etwa 60 Kilometer entfernte kleine Stadt Flores am Petén-Itza-See als Ausgangspunkt. Für alle empfiehlt sich auf dem Weg nach Tikal ein Stopp in Tienda Saida.

In dem Dorf Tienda Saida in der Nähe des Nationalparks schnitzt Sergio Lopez kleine Maya-Tempel aus Holz.
In dem Dorf Tienda Saida in der Nähe des Nationalparks schnitzt Sergio Lopez kleine Maya-Tempel aus Holz. Foto: Sabrina Friedrich

Der zweitgrößte See Guatemalas liegt zwischen Vulkanen

Im einzigen Geschäft des winzigen Ortes steht ein Tikal-Modell, das einen guten Überblick über die Stätte gibt.
Etwa 140 Kilometer westlich der Hauptstadt Guatemala-Stadt befindet sich ein weiteres beliebtes Ziel von Guatemala-Besuchern. Der Lago de Atitlán im Departamento Sololá.

Der zweitgrößte See des Landes, der für seine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt bekannt ist, liegt malerisch zwischen den Vulkanen Tolimán, Atitlán und San Pedro. Der Weg in die Region führt durch das Hochland. Die meisten Einheimischen sind auf der Strecke mit dem sogenannten Chicken Bus (Hühnerbus) unterwegs.

Ihren Namen haben die Busse der Tatsache zu verdanken, dass viele ihrer Mitfahrer ihren halben Hausstand – und manchmal eben auch Hühner – mit den Bussen transportieren. Bei den bunt bemalten Bussen handelt es sich um ausgemusterte amerikanische Schulbusse. Sie haben sich aber nicht nur äußerlich verändert.

Die meisten wurden auch unter der Motorhaube ordentlich aufgerüstet. Und so heizen die Fahrer oft mit einem halsbrecherisch erscheinenden Tempo die Landstraße entlang. Unser Bus ist etwas gemächlicher unterwegs. Gut, denn während der Fahrt gibt es einiges zu sehen.

Panajachel ist touristenfreundlich

Wir kommen immer wieder durch kleine Dörfer, in denen Essen am Straßenrand verkauft wird, die Einwohner in ihren offenen Werkstätten arbeiten oder die Schornsteine der Ziegelbrennereien rauchen. Wir haben das gleiche Ziel wie die meisten anderen, die auf der Straße durch das Hochland unterwegs sind: Panajachel, den größten Ort am Atitlán-See.

Der Lago de Atitlán, der ein weiteres beliebtes Ziel von Reisenden ist, liegt malerisch von Vulkanen umgeben.
Der Lago de Atitlán, der ein weiteres beliebtes Ziel von Reisenden ist, liegt malerisch von Vulkanen umgeben. Foto: Sabrina Friedrich

Die Bewohner des 11.000-Einwohner-Städtchens haben sich gut auf Besucher aus aller Welt eingestellt. Für Übernachtungen stehen zahlreiche Hotels bereit, Cafés und Restaurants locken zur Pause am Seeufer und viele Händler säumen die Straßen mit Kunsthandwerk und der landestypischen, bunten Kleidung – nicht nur an der Hauptstraße Calle Santander.

La Antigua Guatemala hat ihren ganz eigenen Charme

Hier legen auch Boote ab, mit denen du die kleineren und urtümlicheren Orte entlang des Seeufers erreichst.
Gut auf Touristen eingestellt ist auch La Antigua Guatemala (Alt-Guatemala). Die Kleinstadt, die 47 Kilometer südwestlich von Guatemala-Stadt liegt, war einst Hauptstadt der spanischen Kolonien in Zentralamerika.

Bereits 1944 wurde die Stadt zum Nationaldenkmal von Guatemala erklärt. Seit 1979 gehört sie auch zum Unesco-Weltkulturerbe. Bis heute hat sie vor allem dank ihrer zahlreichen kolonialen Bauten ihren ganz eigenen Charme. Um das Stadtbild zu bewahren, wurden selbst die Leitungen in der Erde verlegt.

Am besten lässt sich Antigua Guatemala zu Fuß erkunden. Wer durch die Kopfsteinpflastergassen schlendert, wird feststellen, dass es an beinahe jeder Ecke etwas zu entdecken gibt. Die Kirche La Merced zum Beispiel. Sie gilt als der am besten erhaltene Barockbau des Landes.

Die Kirche La Merced überstand als einziges Gebäude das große Erdbeben

Die leuchtend gelb gestrichene Kirche wurde 1767 fertiggestellt und war das einzige Gebäude, das das große Erdbeben im Juni 1773 überstand, bei dem die ganze Stadt zerstört wurde.

Sehenswert ist auch das Gelände des Hotels Casa Santo Domingo. Das Hotel entstand aus den Ruinen eines Konvents aus dem 17. Jahrhundert.

Die Kirche La Merced ist der am besten erhaltene Bau von Antigua Guatemala.
Die Kirche La Merced ist der am besten erhaltene Bau von Antigua Guatemala. Foto: Sabrina Friedrich

Gemeinsam mit der San-Carlos-de-Guatemala-Universität haben die Mitarbeiter hier eine Museumspromenade entwickelt, auf der Besucher in den Räumen des ehemaligen Konvents und der Kirche von Santo Domingo archäologische Artefakte, Ausstellungsstücke aus der Kolonialzeit, aber auch Glas- und Silberarbeiten bewundern können.

Wer danach eine Pause braucht, steuert eines der zahlreichen Cafés oder Restaurants der Stadt an, um neue Kraft zu sammeln. Denn in den Straßen rund um die Plaza Mayor, den zentralen Platz, gibt es noch viel mehr zu entdecken – wie in ganz Guatemala.

Tipps für deine Reise nach Guatemala

Anreise: Direktflüge von Deutschland nach Guatemala gibt es nicht. Iberia bietet zum Beispiel Flüge über Madrid nach Guatemala-Stadt an. Außerdem gibt es Verbindungen über die USA. Flüge innerhalb Zentralamerikas sind bei Copa Airlines und Avianca buchbar.

Einreise: Für einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen ist für deutsche Staatsangehörige kein Visum nötig.

Beste Reisezeit: Reisen sind ganzjährig möglich. Die Temperaturen unterscheiden sich je nach Region. Im Hochland betragen sie durchschnittlich 18 Grad Celsius, an der Küste 25 Grad. Die Regenzeit dauert von Mai bis Oktober.

Unterkünfte: Hotelzimmer sind in unterschiedlichen Preisklassen buchbar. An Orten wie Flores und Antigua Guatemala ist die Auswahl umfangreich.

Währung: Offizielle Währung ist der guatemaltekische Quetzal. Häufig ist das Zahlen auch mit US-Dollar möglich. Achtung: Nur makellose Dollar-Noten werden akzeptiert – auch beim Devisenwechsel. Euros werden nur selten angenommen.


Diese Reise wurde unterstützt vom Tourismusministerium Guatemala und der Central America Tourism Agency (CATA).

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