Martin Pollock war als britischer Soldat in Afghanistan stationiert. 2010 erhielt er den Befehl, mit seinem Team einen Taliban-Stützpunkt in Afghanistan zu zerstören. Doch auf dem Weg dorthin detonierte eine Bombe direkt neben ihm – Martins letzte Erinnerung ist die Explosion.

Der Sprengkörper kostete ihn beide Beine und die Hälfte seines linken Arms. Seitdem sitzt der 34-jährige Engländer im Rollstuhl. Doch das hält ihn nicht auf, seine Träume zu verfolgen. 

Vom Rollstuhl aufs Surfbrett

Martin wohnt in Mullion, einem kleinen Ort im Süden von Cornwall, England. Nachdem er von seinem verheerenden Einsatz zurückkehrte, boten ihm unterschiedliche Gruppen an, verschiedene Sportarten auszuprobieren. Ski-, Wasserski- und Kajakfahren waren nicht sein Ding. Doch sein Leben veränderte sich, als „Operation Surf“, eine Organisation, die Veteranen das Surfen beibringt, ihn nach Kalifornien einlud.

Martin sagte Ja. Wellenreiten könnte lustig werden, dachte er. „In dem Moment habe ich noch nicht realisiert, welch starke Auswirkung diese Erfahrung auf mich haben würde“, sagt er dem reisereporter. Seit dem ersten Versuch kann Martin an nichts anderes mehr denken. Alles, was er will, ist surfen, surfen, surfen.

Martins Fortbewegungsmittel: Auto, Rollstuhl und am wichtigsten: das Surfbrett.
Martins Fortbewegungsmittel: Auto, Rollstuhl und am wichtigsten: das Surfbrett. Foto: Martin Pollock

Um seine Leidenschaft voll ausleben zu können, baute er für sich selbst spezielle, dickere Surfboards, entwickelte einen Rollstuhl, mit dem er am Strand bis zur Wasserkante fahren kann, und kommt dank seines behindertengerechten Autos zu allen Surfspots seiner Heimat in England.

Surfen ist mir wichtiger als laufen.

Martin Pollock

Surfen bedeutet für Martin nicht nur Spaß, sondern auch Freiheit: „Surfen ist alles für mich. Es besetzt den Großteil meiner Gedankengänge. Durch den Unfall kann mein Körper Energie nicht so schnell zurückgewinnen, deshalb laufe ich weniger mit meinen Beinprothesen, als ich könnte, und nutze meine Energie lieber fürs Surfen. Surfen ist mir wichtiger als laufen.“

Damit er auch ohne fremde Hilfe surfen kann, hat Martin eine Prothese mit einem kleinen Paddel für seinen fehlenden Arm entwickelt. „Die ersetzt aber keineswegs einen echten Arm“, erklärt er.

Martin bringt anderen Veteranen das Surfen bei

Doch dank seiner Erfindungen und seiner Unermüdlichkeit hat Martin es mittlerweile geschafft, sich einen Namen in der Szene zu machen, bringt andere Veteranen zum Surfen und nimmt an Wettbewerben teil. 2017 belegte er den ersten Platz bei den „English Adaptive Open“ in der Kategorie „Mit Assistenz“.

Mit seiner Paddel-Prothese surft Martin mittlerweile auch bei Wettbewerben mit.
Mit seiner Paddel-Prothese surft Martin mittlerweile auch bei Wettbewerben mit. Foto: Martin Pollock

Seine Leidenschaft nutzt er zudem, um Aufmerksamkeit für die wohltätigen Organisationen, die ihn und andere Surfer mit körperlichen und geistigen Einschränkungen aufs Brett bringen, zu schaffen.

Martins Traum: Einmal im Leben eine Barrel surfen

Für die Zukunft hat Martin klare Ziele. Er will besser werden, an mehr Wettbewerben teilnehmen und Wellen auf der ganzen Welt surfen. Mittlerweile surft er auch große Wellen auf Hawaii, in Kalifornien und in seiner Heimat Cornwall. Sein größter Traum: einmal im Leben im Inneren der Welle, der Barrel, zu surfen.

Weltweit inspiriert Martin Menschen mit seiner bärenstarken Lebensfreude, seiner positiven Einstellung und seiner entspannten „Hang-Loose-Attitüde“.

Der Surf-Junkie hat seinen Weg gefunden – immer den Wellen hinterher.