Neues Reiserecht ab 1. Juli: Was das für deine Reise bedeutet

Neues Reiserecht: Was das für den Urlaub bedeutet

Bei der Buchung einer Reise müssen Urlauber künftig auf einiges achten. Denn am 1. Juli tritt das neue Pauschalreiserecht in Kraft. Welche Vor- und Nachteile das hat, erklärt der reisereporter.

Wer seine Reise online über eine Plattform bucht, hat mit dem neuen Reiserecht ab 1. Juli mehr Sicherheit. (Symbolfoto)
Wer seine Reise online über eine Plattform bucht, hat mit dem neuen Reiserecht ab 1. Juli mehr Sicherheit. (Symbolfoto)

Foto: imago/Jochen Tack

Immer mehr Menschen buchen nicht mehr die klassische Pauschalreise bei einem Veranstalter, sie stellen sich ihren Urlaub online individuell zusammen. Mit ein paar Klicks buchen sie online Flug, Hotel und den Mietwagen. 

Diese Urlauber sollen besser abgesichert sein, etwa bei der Insolvenz eines Anbieters. Daher gilt ab dem 1. Juli ein neues Reiserecht in Deutschland – die EU-Pauschalreiserichtlinie tritt dann auch hier in Kraft.

Aber: Hat die Richtlinie wirklich nur Vorteile für den Kunden? Reiserechtsanwalt Paul Degott weiß mehr, er hat für den reisereporter die Änderungen für Urlauber bewertet.

1. Die verbundene Reiseleistung

Stand heute: Sowohl Reisebüros als auch Onlineportale vermitteln entweder fertige Pauschalreisepakete eines Reiseveranstalters oder einzelne Leistungen wie Flug, Hotel und Mietwagen.

Die Pauschalreise ist gut abgesichert – der Urlauber bekommt bei einer Insolvenz des Veranstalters sein Geld zurück, kann bei Mängeln nachträglich den Reisepreis mindern und Schadensersatz verlangen. Individualreisende haben diese Rechte so nicht.

Das ändert sich am 1. Juli: Es wird eine dritte Kategorie eingeführt, die sogenannte verbundene Reiseleistung. Die liegt vor, wenn der Anbieter mindestens zwei Leistungen für dieselbe Reise binnen eines Tages mit verschiedenen Rechnungen verkauft hat, zum Beispiel von Hotel und Airline. Die einzelne Leistung muss dabei mindestens 25 Prozent des Gesamtpreises ausmachen. 

„Das ist ein Vorteil“, sagt Paul Degott. Vor allem, weil Onlineportale wie Opodo oder Expedia nun Reisebüros gleichgestellt würden. „Bislang waren sie nur Vermittler, man hatte keinen richtigen Ansprechpartner. In der neuen Struktur ändert sich das.“ Der Vermittler muss für alle eingenommenen Kundengelder eine eigene Insolvenzabsicherung vorlegen.

Zudem muss ein Portal aktiv informieren, zum Beispiel über ein Infoblatt, welche Art Leistung – Pauschalreise oder verbundene Reiseleistung – der Kunde gerade kauft. Tut es das nicht, haftet es automatisch wie ein Veranstalter. Dem Urlauber stehen dann die Ansprüche des Pauschalreiserechts zu: Insolvenzschutz, Rückholgarantie im Krisenfall und nachträgliche Preisminderung bei Reisemängeln.

2. Wenn die Reise teuer wird

Stand heute: Der Preis einer Reise, egal ob Pauschalreise oder verbundene Reiseleistung, darf ab vier Monate vor Reiseantritt nicht mehr erhöht werden. Davor kann der Urlauber kostenlos den Reisevertrag kündigen, wenn der Preis um mehr als fünf Prozent angehoben wird.

Das ändert sich ab dem 1. Juli: Veranstalter können den Reisepreis noch bis 20 Tage vor Reiseantritt erhöhen. Und erst wenn eine Erhöhung mehr als acht Prozent ausmacht, darf der Urlauber kostenlos zurücktreten.

Ein Nachteil für den Urlauber. Aber: „Ein zumindest theoretischer Vorteil ist, dass Veranstalter auch Preissenkungen an den Kunden weitergeben müssen, etwa wenn das Kerosin billiger wird. Allerdings muss der Urlauber hier aktiv nachfragen“, so Degott.

3. Mehr Zeit für eine Mängelanzeige

Stand heute: Urlauber können maximal bis einen Monat nach der Reise Mängel anzeigen, um Geld vom Veranstalter zurückzubekommen.

Das ändert sich zum 1. Juli: Diese Ein-Monats-Frist fällt weg, künftig ist das Anzeigen von Mängeln bis zu zwei Jahre nach der Reise möglich.

Das sei augenscheinlich positiv, weil sich der Urlauber nicht so beeilen müsse, so Degott. Aber: „Auf der anderen Seite müssen Urlauber, wenn ein Fall vor Gericht landet, die Mängel im Detail erklären. Ein ‚Es war schmutzig‘ reicht nicht aus. Und wer weiß nach zwei Jahren noch, in welcher Fuge wie viel Schimmel war?“ Noch wichtiger als bisher ist also: Mängel direkt detailliert vor Ort dokumentieren.

4. Ferienhäuser und Tagesreisen nicht mehr abgesichert

Stand heute: Das Pauschalreiserecht gilt auch für Tagesreisen bis 500 Euro und Ferienwohnungen und Ferienhäuser aus dem Angebot von Reiseveranstaltern. Eine Besonderheit des deutschen Reiserechts. Stellt ein Urlauber zum Beispiel fest, dass das Ferienhaus in Griechenland total verdreckt ist, dann kann er vom Veranstalter einen Teil des Geldes zurückfordern, bei Weigerung per Gericht am Stammsitz des Veranstalters.

Das ändert sich zum 1. Juli: Diese Besonderheit entfällt im Zuge der europaweiten Angleichung. Ferienhausurlauber verlieren so einen Schutz, den sie mehr als 30 Jahre hatten.

Für das konkrete Beispiel des verdreckten Ferienhauses in Griechenland bedeutet das: Der Veranstalter könnte in den AGB vereinbaren, dass bei griechischen Ferienhäusern griechisches Recht gilt. Damit wird es deutlich schwieriger, Geld zurückzubekommen. Ein klarer Nachteil für Urlauber.

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