3 Ereignisse, die Mallorca geprägt haben | reisereporter.de

Römer, Muslime, Schlager: Was Mallorca geprägt hat

Wieso ist Mallorca, wie es ist? Die Insel im Mittelmeer blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück, in der fremde Einflüsse tiefe Spuren hinterlassen haben. Die drei wichtigsten Ereignisse im Überblick:

 

Höland
Bis heute erinnern die Mallorquiner mit dem Volksfest „Christianos y Mauros“ an die Befreiung von der islamischen Herrschaft – eine einschneidende Epoche.

Foto: Höland

Fortschritt statt Piraterie: Die Römer auf Mallorca

Weder die Strände noch die Berge lockten 123 vor Christus den römischen Feldherren Cecilius Metellus nach Mallorca. Denn auf der Insel hatten sich Piraten festgesetzt, die die Handelswege der aufstrebenden Großmacht im Mittelmeerraum bedrohten. Und so rückte Metellus samt seiner Truppen an, um dem ein Ende zu machen.

Ganz in römischer Tradition blieben die Besetzer und erklärten die Insel, die sie „Majorica“ nannten, zum Teil des Reichs. Es folgte der Bau von Straßen, Theatern, und Farmen – Wein und Oliven kamen erst durch die Eroberer auf die Insel.

Vor allem gründeten die Römer aber Städte: Palma, das spätere Alcúdia und Llucmajor entstanden in den fast 500 Jahren römischer Herrschaft. Mit dem Auseinanderbrechen des Römischen Reichs endete diese Phase der Stabilität, in den Folgejahren besetzten verschiedene Regionalmächte die Insel.

Vom römischen Pollentia, an dessen Stelle die Mauren später Alcúdia errichteten, stehen heute nur noch Ruinen.
Vom römischen Pollentia, an dessen Stelle die Mauren später Alcúdia errichteten, stehen heute nur noch Ruinen. Foto: imago/imagebroker

Besetzt und bereichert: Die Herrschaft der Kalifen

Fast 1.000 Jahre später waren es erneut Eroberer, die der Insel zu einem Aufschwung verhalfen: 902 eroberten die muslimischen Herrscher des Emirats von Córdoba die Insel und besetzten sie dauerhaft.

Sie waren unter anderem für den Wiederaufbau des zwischenzeitlich zerstörten Alcúdias verantwortlich – der Ort hieß unter den Römern noch Pollentia, erst die Araber führten nach der Wiedererrichtung der Stadtmauer den heutigen Namen ein, der nichts anderes als „der Hügel“ bedeutet.

Zugleich prägten die muslimischen Herrscher auch das Erscheinungsbild der Insel: Die von großzügigen Innenhöfen geprägte Architektur großer Häuser in den Städten erinnert an die Bauweise im arabischen Raum. Und vor allem kamen mit den Besetzern die Terassenfarmen und Bewässerungsanlagen nach Mallorca, die heute die ganze Insel durchziehen.

Importiert: Die Terrassenfarmen auf Mallorca.
Importiert: Die Terrassenfarmen auf Mallorca. Foto: Höland
Mit dem Eroberungsfeldzug von Jaume I. von Aragón endete die Herrschaft der Emire. Er gründete das Königreich von Mallorca und errichtete unter anderem die Kathedrale von Palma.

Platz an der Sonne: Deutsche Urlauber und Auswanderer

Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts erlebte die Insel im Mittelmeer ein bis dahin weitgehend unbekanntes Phänomen: Ermöglicht durch die moderne Luftfahrt setzte der Massentourismus ein. Besonders deutsche Reiseveranstalter wie Neckermann oder Dr. Tigges boten kurzweilige Reisen auf die Balearen, die sich auch Durchschnittsverdiener leisten konnten.

Auswärtige Besucher kannten die Insulaner zwar schon lange, auch, weil vorherige Herrscher oft Künstler eingeladen hatten. Doch erst in den 50er-Jahren setzte sich bei den Nordeuropäern die Erkenntnis durch, dass das Sonnenbaden Körper und Geist beleben könnte – wenig später entstanden die ersten Hotels, damals noch ohne Pool und Bar, stattdessen schlicht und günstig in der Nähe der Strände.

Noch keine Bettenburg: Eines der frühen Hotels auf Mallorca.
Noch keine Bettenburg: Eines der frühen Hotels auf Mallorca. Foto: imago/Cola Images

In den 60er-Jahren folgte ein Bauboom, der die Insel nachhaltig prägte: Landwirtschaftliche Betriebe wichen Hotels, Schuhe, Schmuck und Lederindustrie verloren an Bedeutung. Der Ballermann in El-Arenal entstand erst in den 80ern, als findige Gastronomen begannen, in Deutschland angesichts der „Neuen Deutschen Welle“ darbende Schlagerstars einzuladen.

Heute ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle auf Mallorca, über die Ausgestaltung streiten die Inselbewohner allerdings bisweilen heftig.

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