„reisereporter 2018“ in Lissabon: Suche nach den Schätzen der Stadt

Lissabon: Auf der Suche nach den Schätzen der Stadt

Ob mit oder ohne Eurovision Song Contest: Lissabon ist ein echter „Top Place“ unter Europas Städten. Unsere „reisereporter 2018“ Carina und Edu haben dort nach Orten ohne Touristenmassen gesucht...

Edu & Carina
Menzel
Auf der Südseite der Stadt fanden Edu und Carina etwas Abstand vom Trubel des Stadtzentrums.

Foto: Menzel

Es gibt 1.001 Gründe nach Lissabon zu reisen. Die bezaubernden Gassen mit ihren blau-weiß und grün und gelb gefliesten Fassaden. Die frische Brise, die am Abend unserer Ankunft tatsächlich so frisch über den Tejo in die Stadt hineinweht, dass wir kurzzeitig glauben, aus Versehen gen Norden statt Süden geflogen zu sein.

Die Cristo-Rei-Statue, die so majestätisch auf der anderen Seite des Flusses thront. Den Portwein natürlich und – last but not least – die kleinen Puddingtörtchen, die „Pastéis de Nata“, die so unverschämt lecker und reich an Kalorien sind, dass man froh sein kann, sich selbige in der Stadt der sieben Hügel beim Sightseeing gleich wieder abtrainieren zu dürfen.

Lissabon: Fünf-Sterne-Spa-Aufenthalt für Herz und Seele

Unsere Vorfreude auf die Reise nach Lissabon, die nach Sri Lanka unsere zweite als „reisereporter 2018“ sein sollte, war also nicht im geringsten dadurch gemindert, dass wir beide schon einmal dort gewesen waren. Im Gegenteil: Wir konnten es kaum erwarten – Edu, weil er seiner Lieblingsbeschäftigung, wildfremde Menschen anzusprechen, diesmal wieder in seiner Muttersprache Portugiesisch nachgehen konnte; ich, weil Lissabon für mich schlichtweg eine der schönsten Städte der Welt ist – ein Fünf-Sterne-Spa-Aufenthalt für Herz und Seele.

Und als wäre das nicht schon Grund genug, in die portugiesische Hauptstadt zu reisen, wartete diesmal noch ein ganz besonderes Highlight auf uns: Das Finale des Eurovision Song Contest (ESC) – und wir hatten Tickets.

Bevor wir uns in den vorprogrammierten Trubel stürzten, wollten wir aber vor allem eines: ihm entgehen. Denn neben den Besuchern des Finales und den rund 150 Millionen, die das Spektakel vor dem heimischen Fernseher verfolgen würden, waren noch einmal etwa 60.000 weitere aus Europa, der ganzen Welt nach Lissabon gereist – ohne Ticket. Einfach so, der Stimmung wegen – ESC, Party, Lissabon.

Weil wir aber die wichtigsten Sehenswürdigkeiten bereits gesehen hatten, waren wir guter Dinge, außerhalb unseres  Hotels „Portugal Boutique Hotel“ und abseits der Menschenmassen jede Menge ruhiger Fleckchen zu finden. Wir sollten eines Besseren belehrt werden.

Vom Trubel im Zentrum, einem Hipster-Refugium und leckeren Törtchen

Es ist 9 Uhr morgens, als wir uns auf den Weg nach Alfama machen – natürlich mit dem Carro eléctrico, einer alten Straßenbahn. Das ist zwar der Inbegriff einer Touristenattraktion, ob der steilen Anstiege, die man bewältigen muss, um in die Altstadt zu kommen, aber selbst für uns Jungspunde zu verlockend.

Als erstes ging es mit einer der kleinen Bahnen steil bergauf ins Alfama-Viertel.
Als erstes ging es mit einer der kleinen Bahnen steil bergauf ins Alfama-Viertel. Foto: Menzel
Ein schnelles Foto von einer der gut bevölkerten Aussichtsplattformen, den Miradouros, von denen aus wir die gigantischen Kreuzfahrtschiffe vor der Stadt liegen sehen – zwei an der Zahl, ein drittes fährt gerade durch die Ponte 25 de Abril. Erst in den Winkeln der schmalen kopfsteingepflasterten Altstadtgassen verliert sich das Rauschen der Besuchermassen.

So richtig still will es aber nicht werden: Neben dem Quietschen der alten Straßenbahnen, für die kaum eine Gasse zu klein, kaum ein Anstieg zu steil scheint, dröhnt das Tackern von Presslufthammern durch die Sträßchenidylle, das Schippen und Schuften. Frühjahrsputz – Mai in Lissabon.

Man könnte meinen, dass die LX Factory ein Protest gegen, mindestens aber ein ausdrücklicher Gegenentwurf zu Alfama ist – ein altes Fabrikgelände, das jemand mit Holzpaletten, Lichterketten und einem halben Dutzend Künstlern zu einem Ort verwandelt hat, an dem es sich stundenlang sitzen und schwofen lässt, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben – weil das hier eben alle tun.

Carina und Edu auf dem Gelände der LX Factory.
Nächstes Highlight: die LX Factory. Ein altes Fabrikgelände, das mit hippen Geschäften zu neuem Leben erweckt wurde. Foto: Menzel
Hier ein Bio-Café, dort eine kleine Boutique und ein Buchladen, der einer der schönsten der Welt sein soll. Ein Ort, so nett und so gemütlich – und so voll von Menschen, die es hier ebenso nett und gemütlich finden wie wir. Ruhe? Fehlanzeige!

„Time Out“-Market: Das Warten aufs Essen lohnt sich!

Auch der „Time Out“-Market, der uns als Geheimtipp angepriesen wurde, ist auf seine Art und Weise eine wahre Augenweide. Eine alte-neue, 2014 renovierte Markthalle, in der es ein bisschen frischen Frisch und frisches Gemüse und eine gigantische Auswahl an Speisen aus aller Welt gibt.

Weiße Menüs auf schwarzen Tafeln, Fisch- und Fleisch-Sandwiches auf immer ein bisschen zu großen Tellern und auf die Ohren die Hits unter den aktuellen Charts. Eine Party der Sinne, ein Ort um dem Genuss zu frönen – egal ob am Abend oder um 12 Uhr mittags.

Ein Geheimtipp ist auch er aber längst nicht mehr. Und so stehen wir in einer der Schlangen, die sich hartnäckig vor jedem der drei Dutzend Stände gebildet hat und warten auf unsere portugiesischen Spezialitäten – auf die es sich zu warten lohnt.

Ein paar Törtchen zwischendurch gehören zu einem Tag in Lissabon natürlich immer dazu.
Ein paar Törtchen zwischendurch gehören zu einem Tag in Lissabon natürlich immer dazu. Foto: Menzel
Zu warten lohnt es sich auch auf die Pastéis de Nata, die berühmten mit Puddingcreme gefüllten Blätterteigtörtchen, von denen im Café Pastéis de Belém im gleichnamigen Stadtteil täglich 20.000 über den Tresen gehen. Und es scheint mittlerweile, als sei die ganze Welt nur des Essens wegen nach Lissabon gekommen – uns inklusive.

Die „reisereporter 2018“ in Lissabon

Dem Trubel des Zentrums entkommen: Auf zum Südufer

Genug gegessen, genug gewartet, Zeit für eine ganze andere Seiten der Seefahrer-Stadt - die andere Seite des Flusses zum Beispiel. Schon der Preis von 1,25 Euro für die Überfahrt mit der Fähre nach Cacilhas und Almada klingt wie Musik in unserem Reiserporter-Ohren – nicht nur, weil er überaus reisereporter-taschengeldfreundlich ist, sondern auch, weil eine Fährfahrt in einer Stadt wie Lissabon zu diesem Preis zu keiner Touristenattraktion führen kann. Und tatsächlich: Wandeln statt Warten, Ruhe statt Rauschen und an den Wänden der noch in Ruinen liegenden Fabrikgebäude Graffiti statt Fliesen.

Wir schlendern durch Almada wo die Wäsche so tief auf den Leinen vor den Fenstern hängt, dass wir Lust hätten, ein oder zwei Teilchen zu stibitzen – Souvenirs der Realität, die es in keinem Laden der Stadt für kein Geld der Welt zu kaufen gibt.

Wir haben ihn gefunden, unseren kleinen Frieden – hier, vor allem aber auf dem Weg hierher, ein bisschen auch in uns.

Wir verirren uns im Mangel an Wegweisern und lassen uns vor einem Kebab-Laden von einem lustigen Trupp von Locals den Weg zur Cristo-Rei-Statue erklären, die hier – 27 Meter hoch und auf einem 75 Meter hohen Sockel thronend – ihre Arme über den Plattenbauten, in deren Mitte sie steht, über dem Tejo und der Ponte de 25 Abril ausbreitet.

Besuch der Statue „Cristo Rei“.
Ein Besuch der Jesus-Statue „Cristo Rei“ durfte natürlich auch nicht fehlen. Foto: Menzel

Zu unserer Überraschung haben sich tatsächlich nur einige wenige Reisebusse und Taxis hierher verirrt. Dass das daran liegen mag, dass es schon später Nachmittag ist und die Tore zur Aussichtsplattform bereits verschlossen sind, ist uns egal. Wir haben ihn gefunden, unseren kleinen Frieden – hier, vor allem aber auf dem Weg hierher, ein bisschen auch in uns. Die Ruhe vor dem Sturm. Nun sind wir bereit für den Trubel, den richtigen, der uns am Abend erwarten soll.

„Ganzkörperstimmung“ beim Eurovision Song Contest

Schon zwei Stunden vor dem Start der ESC-Liveshow bebt die Meute vor der Altice Arena auf dem EXPO-Gelände. Menschen mit Michael-Schulte-Banner, Fanblock-Formationen in Ganzkörperstimmung und ein Pulk von Israelis, die schon ihrer Kostüme wegen den Award verdient hätten. Die Party startet lange vor der eigentlichen Party.

Der große Tag des Eurovision Song Contests.
Tag 4: Der große Tag des Eurovision Song Contests. Edu und Carina waren richtig aufgeregt... Foto: privat

Um ehrlich zu sein hatten wir mit dem ESC bisher nicht viel am Hut - und vielleicht sind wir gerade deswegen so völlig von den Socken: von der Tatsache, live dabei sein zu dürfen, von der unglaublichen Stimmung, von der wir uns in unserem Fanblock in Sekundenschnelle mitreissen und zum Tanzen und Mitsingen verführen lassen, und von den wirklich vielen tollen Beiträgen.

Der deutsche Kandidat Michael Schulte hat uns besonders beeindruckt – ein berührendes Lied, ein grandioser Sänger und am Ende ein vierter Platz, der uns alle nach einer achtjährigen Durststrecke mit letzten und vorletzten Plätzen vor Freude von den Sitzen haut.

Glitzer, Konfetti, violettes und blaues und rotes Licht – die Halle bebt. Und auch wenn die israelische Kandidatin Netta mit ihrem Song „Toy“ nicht unbedingt unseren musikalischen Geschmack trifft, zappeln wir doch vor Mitfreude mit, als sie ihren Song zum Schluss der Show ein zweites Mal performed – als verdiente Gewinnerin. Ein ESC voller Höhepunkte – in lauten und in leisen Tönen.

Edu und Carina waren total geflasht von der Stimmung in der riesigen Halle.
...und dann völlig geflasht von der Stimmung in der riesigen Halle. Foto: privat

Ein Live-Erlebnis, das eine ESC-Begeisterung in uns, den „reisereportern 2018“, geweckt hat. Und auch wenn der nächste Eurovision Song Contest leider nicht in Lissabon stattfinden wird: Vielleicht könnten die „reisereporter 2018“ für das kommende Jahr ja eine Fortbildung zu „ESC-reportern“ machen?

Wir sind die „reisereporter 2018“.
Diese Reise wurde finanziert von TUI. Foto: TUI; reisereporter; freepik.com

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