Letzte Schauerwolken des abziehenden Gewitters kämpfen an den Berghängen mit der Abendsonne. Schwüle Hitze macht die wenigen Serpentinen den Felsen hinauf zur schweißtreibenden Herausforderung. Oben angekommen flankieren die wilden Blicke zweier bronzener Tempellöwen das mächtige Burgtor, hinter dem sich ein Reich der Mythen und Mystik öffnet. Der Burgherr selbst ist für viele längst selbst ein Mythos: Reinhold Messner. Er hat als erster Mensch alle 14 Achttausender-Gipfel bestiegen. Seinen „15. Achttausender“ nennt er sein Mountain Museum, ein ebenso innovatives wie waghalsiges Projekt des wohl berühmtesten Bergsteigers der Welt.
 

Bizarre Götter im Messner Museum

 

Der besondere Anspruch des Museums zeigt sich beim Rundgang durch die Burg. Es gilt, die Türme und Zinnen zu erklimmen, nach dem rechten Weg in der verschachtelten Anlage zu suchen, hinter jeder Biegung auf eine Überraschung gefasst zu sein. Ganz unerwartet gibt eine gemauerte Öffnung im Burgwall den Blick auf die Dolomiten frei. Die Punta Santner – ein Stück imposante Natur, eingefasst zu einem natürlichen Meisterwerk. Aus Nischen in den Mauern schauen bizarre Götter und Götzen – der Weg entlang der Burgzinnen ist eine Gratwanderung zwischen Himmel und Erde, Mystik und Aufklärung. In den Türmen lösen sich antike Andachtsbilder aus dem Himalaja mit zeitgenössischer Malerei ab, Religion trifft Alpinismus. Plötzlich führt der Weg wieder auf die Burgmauer hinaus, und ein atemberaubender Regenbogen über den Gipfeln hemmt den Schritt für Minuten des stillen Staunens, macht die Natur einmal mehr zum Hauptakteur.

 
Die einbrechende Dämmerung lockt hinunter in das kleine Amphitheater am Ende des Burghofs. In einer Ecke lodert ein Holzfeuer, Fledermäuse kreisen über den Köpfen der Gäste. Hier erzählt Messner die Geschichte seines „15. Achttausenders“, von seinen Erlebnissen am Berg und von den Problemen des Abenteuertourismus am Mount Everest.

Zoff ums Museum

1995 hatte Messner damit begonnen, sein Museum zu schaffen. Aber der Weg hinauf zu seinem „15. Achttausender“ stand an Schwierigkeit dem seiner Himalaja-Gipfelstürme in nichts nach. Nicht überall war seine Idee willkommen, um die Burgruine wurde erbittert gekämpft. Aber Messner gab nicht auf und war schließlich erfolgreich. So eröffnete er nach und nach weitere Standorte des Museums über Südtirol und die Dolomiten verteilt, die an exponierten Orten mit ganz eigenen Konzepten überraschen, alle sind jeweils einem Teilthema gewidmet. „Die Summe all meiner Erfahrungen“ nennt Messner dieses ambitionierte Projekt, das er ganz aus eigener Kraft realisiert hat. „Wir sind das einzige Museum zwischen München und Verona, das ohne Zuschüsse auskommt“, betont er nicht ohne Stolz. Einen erheblichen Anteil seines Privatvermögens und seiner Kunstsammlung hat er für diese Freiheit geopfert.

Mit einem sechsten Standort bei Bruneck auf dem Gipfel des Kronplatzes in über 2000 Metern Höhe hat das Projekt  seinen Abschluss gefunden. Aber Messner hat schon wieder neue Pläne.