Eine entspannende Ruhe, ja fast Langsamkeit überfällt dich, wenn du die höllisch hektische Oxford Street verlässt und nach Norden Richtung Marylebone gehst. Der Stadtteil im Zentrum Londons ist eine Art idyllische Insel der Glückseligen. Der Verkehr wird weniger, ebenso die Horden dauergestresster High-Street-Shopper.

Würde ich mein eigenes Monopoly basteln, sie wäre mit drauf!

Endlich kannst du Menschen wieder einzeln wahrnehmen und deinen eigenen Gedanken lauschen. Der Weg führt geradewegs in die Chiltern Street. Würde ich mein eigenes Monopoly basteln, sie wäre mit drauf! Die Chiltern Street ist der Inbegriff einer richtig schönen Straße: charmant, cool, classy.

Traditioneller Stil mit neuem Wind. Weltoffen, doch dörflich. In den vergangenen Jahren wurde einmal durchgelüftet und durchgefegt, kamen auch neue Geschäfte und neue Mieter. Die Immobilienpreise schossen wie überall in der Nachbarschaft ins Unbezahlbare.

Doch die typisch tiefroten historischen Backsteinfassaden der Chiltern Street behielten über die Jahrhunderte ihren ganz eigenen Charakter. Das Schicksal der Abrissbirne und „Überrenovierung“ blieb ihnen erspart.

Die Chiltern Street erkennst du an ihren tiefroten Fassaden.
Die Chiltern Street erkennst du an ihren tiefroten Fassaden. Foto: Christina Mänz

Früher hatte auch der Deutsche Karl-Ludwig Rehse, Couturier der Queen, Laden und Atelier in der Chiltern Street, bis er sich verkleinerte und den Standort Marylebone aufgab. Vor wenigen Jahren war auch das Chiltern Firehouse noch eine echte Feuerwache; übrigens eine der ersten in ganz London.

Bis Hotelmogul André Balazs das unter Denkmalschutz stehende viktorianische Gebäude (Hausnummer 1) aufkaufte und in das derzeit meistgehypte Etablissement Londons umwandelte. Restaurant (Chef ist Nuno Mendes), Boutiquehotel (26 Zimmer) und Bar vom Chiltern Firehouse haben eine Promi-Dichte wie kaum ein anderer Ort der Metropole.

Hotspot auch für internationale Stars: Das Chiltern Firehouse.
Hotspot auch für internationale Stars: Das Chiltern Firehouse. Foto: Christina Mänz

Das Geheimnis dieser kleinen Seitenstraße ist seine Vielfalt: 40 zum Teil hochspezialisierte und hochwertige Cafés, Bars und Läden haben sich hier angesiedelt; darunter solche für Whisky (Cadenhead’s), Musikinstrumente (Jas Musicals), elegante Hochzeitskleider und Schuhe in Übergrößen. 

Einen schrammeligen Zeitungsladen gibt es hier in Sichtweite von exklusiven Herrenausstattern (wie Trunk und Sunspel) und Independent Designern (Mouki Mou).

Beim Eisenwarenhändler kann man noch Schrauben einzeln kaufen und im eleganten Spa schräg gegenüber seine Nägel feilen lassen. Für Billigketten und Handyläden ist in der Chiltern Street kein Platz.

Auf der Liste der „most instagrammable places“: Das Monocle-Café in der Chiltern Street.
Auf der Liste der „most instagrammable places“: Das Monocle-Café in der Chiltern Street. Foto: Christina Mänz

Dieser charmante Mix ist so modern und attraktiv, dass das Monocle-Café (Nummer 18 – hier gibt’s neben Kaffee und Kuchen auch schöne Menschen und intelligente Gespräche) auf der Liste der „most instagrammable coffee shops“ landete. Irgendwie klingt das schon fast wieder langweilig.