Studienreise durch Peru: Flapakas im Höhenrausch

Studienreise durch Peru: Flapakas im Höhenrausch

Wüste statt Berghänge, Vögel statt Alpakas: Als Julia und Jane, unsere „reisereporter 2018“, in Peru landen, ist erstmal nichts wie erwartet – und ihr aufblasbarer Begleiter, Flamingo Heinz, in Gefahr...

Julia & Jane
Mit Flamingo Heinz ging es für unsere zweitplatzierten „reisereporter 2018“ als erstes nach Peru.
Mit Flamingo Heinz ging es für unsere zweitplatzierten „reisereporter 2018“ als erstes nach Peru.

Foto: Maria Menzel

Wenn jemand glaubt, der Nabel der Welt zu sein, steht das sprichwörtlich für ein überdimensionales Selbstbewusstsein. Sie dürften also ein selbstbewusstes Volk gewesen sein, diese Inka. Schließlich nannten sie ihre eigene Hauptstadt in der Quechua-Sprache „Qusqu“ oder „Cusco“, wie es heute heißt – „Nabel der Welt“.

Das erste Ziel der zweitplatzierten „reisereporter 2018“: Peru

Zugegeben: Gründe für ein gesundes Selbstbewusstsein hatten die Inka allerhand – hatten sie doch innerhalb von weniger als 300 Jahren nicht nur den Machu Picchu und ein ausgeklügeltes staatliches Organisationssystem geschaffen, sondern auch das fortschrittlichste und größte Transportsystem des präkolumbianischen Südamerikas.

Ihr Einflussgebiet reichte zur Blütezeit vom heutigen Ecuador bis nach Chile und Argentinien. Im Zentrum: das heutige Peru. Als wir Anfang März erfuhren, dass wir im großen „reisereporter 2018“-Contest den zweiten Platz gemacht hatten, konnten wir unser Glück kaum fassen. 

Dass die Erstplatzierten sich für Reisepaket Nummer 1 entschieden hatten, war uns mehr als recht. Wir durften uns mit Paket Nummer 2 auf eine Camping-Tour durch Neuseeland freuen, auf die Kreuzfahrt nach Sankt Petersburg, auf Rumänien, ein Wochenende im Oberallgäu und – gleich zu Beginn – eine Gebeco-Traumrundreise durch Peru.

Immer mit dabei: Gummi-Flamingo Heinz

Sie sollte uns von der Hauptstadt Lima aus auf der Panamericana gen Süden und über Paracas, Nasca und Arequipa bis in die Inka-Stadt Cusco und zum Machu Picchu führen. Immer im Gepäck: Heinz – unser rosafarbener, auf Überlebensgröße aufblasbarer Gummi-Flamingo.

Flamingo Heinz versuchte Freundschaft mit einem Alpaka zu schließen.
Flamingo Heinz versuchte Freundschaft mit einem Alpaka zu schließen. Foto: Maria Menzel

Wir hatten schon ein bisschen etwas gesehen von der großen weiten Welt, waren durch Kanada und Dubai, durch Tansania und den Oman gereist und auch zusammen schon in allerlei europäischen Städten, den USA, Sri Lanka, auf den Bahamas und den Malediven gewesen. Südamerika aber war Neuland für uns.

In unserer Vorstellung bestand Peru aus genau Dreierlei: dem Erbe der Inka – dem Machu Picchu –, gigantischen Alpaka-Herden und den Peruanern selbst in ihren farbenfrohen Trachten. Tatsächlich ist von alledem zunächst einmal weit und breit nichts zu sehen.

Statt Andenstaat-Idylle entdecken wir erst einmal eine peruanische Eigenheit

Statt in Grün und Bunt finden wir uns, nachdem wir Lima verlassen haben, in einer Wüste wieder, die sich entlang der 2.600 Kilometer langen Pazifikküste Perus, der costa, erstreckt – durchbrochen nur von einigen fruchtbaren Flussoasen, die wie dilettantisch zugeschnittene Rollrasenstücke in der Landschaft liegen.

Perus Aquädukt wurde vor mehreren hundert Jahren erschaffen. Es sorgte mit mehr als 30 Kanälen für Leben und Landwirtschaft in der Trockenheit.
Perus Aquädukt etwa wurde vor mehreren hundert Jahren erschaffen. Es sorgte mit mehr als 30 Kanälen für Leben und Landwirtschaft in der Trockenheit. Foto: Menzel

Immerhin zeichnet sich das von Nord nach Süd verlaufende Bergland, die sierra, mit seinen bis zu 6.500 Meter hohen Gipfeln bereits am östlichen Horizont ab. Irgendwo dahinter muss es liegen, das saftige Grün des Amazonastieflands, die selva, die knapp zwei Drittel der Landesfläche ausmacht.

Statt Andenstaat-Idylle erwartet uns zunächst eine andere peruanische Eigenheit: Guano. Hobbygärtnern dürfte das ein Begriff sein, denn der nährstoffreiche Vogelkot ist ein peruanischer Exportschlager und wird der Blumenerde beigemischt, die wir daheim im Baumarkt kaufen können.

10.000 Striche auf 350 Quadratkilometern: die Nasca-Linien

Abgebaut wird Guano auf den Islas Ballestas, einer malerischen Inselgruppe, die eine halbe Stunde Bootsfahrt vor der Küstenstadt Paracas liegt, ein El Dorado für Seelöwen – und allerlei Seevögel. Je näher wir den Felsen kommen, desto weiter ziehen wir uns unsere Regenjacken über die Köpfe.

Denn über uns kreisen Scharen von Guanotölpeln, die schon den ein oder anderen Touristen-Treffer gelandet haben sollen. Die Felsen sind überzogen vom Weiß des Guanos. Ein beißender Ammoniak-Geruch liegt in der Luft. Kaum vorstellbar, dass ein Pulk von Männern hier ein Vierteljahr lang mit Spitzhacke, Schabern und Besen aushält, um mehrere tausend Tonnen des „weißen Goldes“ abzubauen.

Aus der Vogelperspektive erkennt man, dass die Nasca-Linien Figuren ergeben.
Aus der Vogelperspektive erkennt man, dass die Nasca-Linien Figuren ergeben. Foto: Maria Menzel

Eine Arbeit, die zum Glück nur alle sieben Jahre ansteht – und die den Arbeitern mit 5.000 US-Dollar in nur drei Monaten ein durchschnittliches peruanisches Jahreseinkommen beschert. Apropos Vogel: Südlich der Islas Ballestas liegen die Nasca-Linien – mehr als 10.000 Striche, die auf einer Fläche von 350 Quadratkilometern in den Sand gezeichnet sind und den Forschern bis heute Rätsel aufgeben.

Die „reisereporter 2018“ Jane und Julia in Peru

Höhenkrankheit: Perus weiße Stadt Arequipa liegt 2.300 Meter über dem Meer

Erst aus der Vogelperspektive – bei einem Rundflug oder von einem Aussichtsturm aus – erkennt man die Figuren, die sie ergeben: eine Hand, einen Baum, eine Spinne um nur drei der 85 entdeckten Figuren zu nennen. Eine deutsche Mathematikerin, Maria Reiche, hatte die Nasca-Linien in jahrelanger Arbeit vermessen und dokumentiert – zu Fuß, ohne Sonnenschutz.

Das klingt in unseren Ohren ebenso bewundernswert wie wahnsinnig, denn die Ebene, auf der die Nasca-Linien liegen, ist flach und kahl. Kein Baum weit und breit, keine Wasserquelle, kein Regen. Selbst im Schatten ist die Hitze kaum zu ertragen, die Klimaanlage unseres Busses eine Erlösung.

Nur Heinz blieb lieber im Bus sitzen.
Nur Heinz blieb lieber im Bus sitzen. Foto: Menzel

600 Kilometer weiter südöstlich liegt die „weiße Stadt“, die mit dem „weißen Gold“ der Islas Balletts glücklicherweise nichts gemein. Die Luft im 2.300 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Arequipa ist rein und klar. Weiße Kathedrale, weiße Fassaden, weiße Gehsteige: Auf den ersten Blick scheint sonnenklar, woher der Spitzname der Bilderbuchstadt, die heute zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, rührt.

Die Peruaner trinken Coca-Schnaps gegen die Höhenkrankheit

Dieser geht jedoch vermutlich nicht auf das weiße Gestein, sondern auf die Kolonialzeit zurück. Denn nachdem die Spanier Peru Anfang des 16. Jahrhunderts eingenommen und das Christentum ins heute hochkatholische Peru gebracht hatten, verdrängten sie die indigene Bevölkerung aus den Städten. Dort wohnen fortan nur noch „die Weißen“.

Ein grüner Fleck in der weißen Stadt: der Plaza de Armas in Arequipa.
Ein grüner Fleck in der weißen Stadt: der Plaza de Armas in Arequipa. Foto: Maria Menzel

Heute ist Arequipa ein Multikulti-Mekka und mit 800.000 Einwohnern nach Lima die zweitgrößte Stadt des nur 30 Millionen Menschen zählenden Landes. Bei strahlend blauem Himmel sind von Arequipa aus auch die ersten weißen Andengipfel zu sehen – darunter der schneebedeckte Chachani, ein erloschener Vulkan.

Langsam wird die Luft dünner, im Kopf setzt ein leichtes Drücken, ein Schwindelgefühl ein. Es fließt der erste Kokaschnaps, mit dem die Peruaner hier – ebenso wie mit Kokatee und Kokabonbons – der Höhenkrankheit vorbeugen. Auch wir nehmen dankend an, denn unser nächstes Ziel führt uns noch weiter in die Anden bis auf 3.800 Meter über den Meeresspiegel hinauf: zum Titicacasee, dem höchstgelegenen mit Schiffen befahrbaren Gewässer der Welt und größten Süßwassersee Südamerikas – drei mal so groß wie das Saarland.

Auf ihrer Reise auf dem Titicaca-See entdeckten Jane und Julia auch die schwimmenden Inseln.
Noch mehr einheimische Kultur erlebten sie am Titicaca-See. Dort besuchten Jane und Julia die schwimmenden Inseln. Foto: privat

Und da sind sie schließlich: die berühmten farbenfrohen Trachten. Denn auf dem See leben die Uro-Indianer – auf selbstgebauten Insel aus Wurzeln und Schilf, die sie mit Seilen und Steinen am Ufer verankern.

Meerschweinchen stehen in Peru auf der Speisekarte

Soweit, so beeindruckend und malerisch. Wäre da nicht die beiläufige Bemerkung unseres Bootsführers, die uns inklusive Heinz etwas aus der Fassung bringt. Es fällt mir, Julia – einer in Deutschland aufgewachsenen Vegetarierin –, zugegebenermaßen nicht leicht, die vielen Meerschweinchen, die in Peru als Delikatesse gelten, nicht aus ihren Käfigen zu befreien.

Die Einheimischen gaben ihnen einen Einblick in ihren Alltag – ihre gesamte Umgebung formen sie zum Beispiel aus Schilf.
Die Einheimischen gaben ihnen einen Einblick in ihren Alltag – ihre gesamte Umgebung formen sie zum Beispiel aus Schilf. Foto: privat

Dass die Uros aber auch Flamingos essen, schockiert natürlich nicht nur Heinz selbst, sondern auch uns Flamingofans. Die gute Nachricht ist: Unsere Geschichte hat ein Happy End – und noch einen Höhepunkt. Nicht nur, dass wir Heinz wohlbehalten wieder vom Titicacasee mit zurückbringen.

Nein, wir schaffen es sogar noch zusammen auf den Machu Picchu – nicht wie es der Stätte eigentlich gebührt per viertägigem Fußmarsch auf dem Inka Trail, sondern mit Bahn und Bus. Aber auch die wenigen verbleibenden Schritte, die wir hier auf 2.400 Metern laufen müssen, bringen uns aus der Puste – und werden belohnt.

Der Höhepunkt unserer Peru-Rundreise: Machu Picchu

Da liegt sie vor uns: Machu Picchu, die malerische geheime Inka-Stadt. Mit ihrem Tempel, ihren Brunnen, dem Friedhof, dahinter der Gipfel des Huayna Picchu. Ob die Inka hier tatsächlich lebten oder die Stätte nur als heiliger Ort diente, ist noch nicht geklärt. Schließlich wurde Machu Picchu erst vor einhundert Jahren überhaupt entdeckt.

Fasziniert waren Jane und Julia auch von den Lamas an der alten Inka-Stadt.
Fasziniert waren Jane und Julia auch von den Lamas in der alten Inka-Stadt. Foto: Maschmeyer

Apropos entdecken: Unsere Herzen machen Freudensprünge, als wir hier in den Anden endlich auch die ersehnten Alpaka-Herden finden. Und auch wenn wir selbst nicht genau wissen, ob es etwas mit der dünnen Höhenluft zu tun hat, kommt uns in diesem Moment die fabelhafte Idee, Heinz mit einem dieser zuckersüßen wolligen Kamel-Ableger zu verkuppeln. Ein Flapaka, das wäre doch was, oder?

Diese Reise wurde finanziert von Gebeco.
Diese Reise wurde finanziert von Gebeco. Foto: Gebeco
 
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