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Florida: Viel mehr als nur der Sunshine State

Mit Seekühen schnorcheln, Delfine beobachten, Meerjungfrauen bewundern, auf Pferden surfen: Florida ist nicht nur der Sunshine, sondern auch der Water State. 11 Tipps im, am, auf und unter dem Wasser.

Stefan Wagner
Discover Crystal River Florida
Die Manatees sind überhaupt nicht scheu und kommen gern zu den Tauchern.

Foto: Discover Crystal River Florida

Die Leute in Florida sind verrückt nach Wasser. An jedem Tümpel, jedem Fluss, jedem Strand stehen Angler, viele Häuser haben eigene Landungsstege, und für viele ist es Lebensinhalt, spätestens am Wochenende zu tauchen, zu schwimmen, zu surfen oder mit dem Kanu, Jetski, Kajak, Segelboot oder SUP die nächste Wasserfläche aufzusuchen.

Am Abend im Restaurant steht dann Fisch auf der Karte – klar. Oder Meeresfrüchte. All das ist auch kein Wunder. Von drei Seiten ist der Sunshine State vom Meer umgeben, fast 2.200 Kilometer ist die Küste lang, dazu gibt es über 4.500 Inseln, 30.000 Seen und mehr als 17.000 Flusskilometer. Sich vom Wasserwahnsinn der Locals anstecken zu lassen ist nicht schwer.

Hier kommen elf außergewöhnliche Tipps:

1. In Florida kannst du auf Pferden surfen

Es ist ein einzigartiges Gefühl, auf einem Pferd zu sitzen, das im Wasser schwimmt. Noch besser ist es, auf einem Pferd zu stehen, das im Wasser schwimmt. Und richtig cool ist es, vom Pferderücken aus einen Kopfsprung ins warme Wasser der Palma Sola Bay zu machen.

An der Bucht der Anna Maria Island kannst du genau dies tun: Zunächst reitest du am Strand entlang, dann geht’s  hinein ins Wasser – bis die Pferde nicht mehr stehen können und zu schwimmen beginnen.

Beim Horse-Surfing reitet man erst ins Wasser und versucht dann, auf dem Rücken der Pferde aufzustehen.
Beim Horse-Surfing reitet man erst ins Wasser und versucht dann, auf dem Rücken der Pferde aufzustehen. Foto: Visit Florida

Und schließlich kommt das, was die Locals als „Pferdesurfen“ bezeichnen: Vorsichtig versuchst du, dich auf den Pferderücken zu stellen. Und, ja, es ist eine Frage des Geschicks, manche schaffen es erst nach dem fünften Versuch – sind dann aber umso stolzer.

Tipp: Unbedingt lange im Voraus reservieren, die „Beach Horses“ sind oft ausgebucht. Eine Stunde kostet 140 Dollar. 

2. Seekühe auf Schmusekurs

Als Christoph Kolumbus 1493 in der Karibik erstmals Seekühe zu Gesicht bekam, dachte er, es handle sich um Meerjungfrauen. Das ist kaum nachvollziehbar, als wir im Wasser des Crystal River zwischen den hier Manatees genannten Rundschwanzseekühen schnorcheln.

Die bis zu vier Meter langen und bis zu 900 Kilogramm schweren Kolosse ähneln eher Unterwasserelefanten ohne Rüssel. In den letzten 30 Jahren hat sich der Bestand an Manatees hier kräftig erholt, von 1.250 Exemplaren im Jahr 1991 auf 6.600 Tiere im vergangenen Jahr.

Und nun sind die sanften Riesen zur Hauptattraktion der Gegend geworden. Es ist 8 Uhr, als Captain Ed Menster uns von seinem Boot ins Wasser des Crystal River scheucht. Keine Minute vergeht, bis die ersten Seekühe um uns herumschwimmen. Knubbelnase, winzige Augen, ledrig-glitschige Haut.

Die Manatees sind Tauchern gegenüber sehr zutraulich.
Die Manatees sind Tauchern gegenüber sehr zutraulich. Foto: imago/Alex Mustard

Eine Seekuh umarmt sogar mit ihren Brustflossen einen Mitschwimmer, eine andere rollt sich auf den Rücken, um sich den Bauch streicheln zu lassen. Die mächtigen, harmlosen Pflanzenfresser sind sehr kälteempfindlich. In den Wintermonaten ziehen sie daher aus dem Meer an die Quellen im Landesinneren, aus denen konstant warmes Wasser strömt.

Auf der Rückfahrt auf dem Boot ans Ufer serviert Captain Ed heiße Schokolade und weist auf die reiche Auswahl an Plüsch-Manatees in seinem Shop hin. „Was früher der Teddybär war“, sagt er, „das ist heute die Seekuh.“ Die Manatee-Tour kostet 65 Dollar. 

3. Diese Meerjungfrauen sind echt!

Der wirklich winzige Ort Weeki Wachee, der nur vier Einwohner hat, beherbergt eine der ältesten und originellsten Attraktionen Floridas: die Weeki-Wachee-Meerjungfrauenshow. Einige Dutzend mit Fischschwanz und Muschelbikini ausstaffierte Frauen führen in einem Unterwassertheater das Hans-Christian-Andersen-Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ auf.

Sie schwimmen dabei bis zu 15 Meter unter der Oberfläche und holen sich alle paar Minuten einen Zug Luft aus versteckten Schläuchen.

Die Schauspielerinnen des Unterwassertheaters müssen ganz schön fit sein.
Die Schauspielerinnen des Unterwassertheaters müssen ganz schön fit sein. Foto: Weeki Wachee Springs

Das Ganze gibt es schon seit 1947, Elvis Presley soll ein großer Fan gewesen sein. Es gibt zudem eine Tiershow mit Alligatoren und Schlangen, eine kleine Bootsfahrt („Wilderness Cruise“) und ein paar Wasserrutschen.

Besonders nett für Kinder: Nach der Show steht eine Meerjungfrau den Fans Rede und Antwort. Der Eintritt kostet 23 Dollar. 

4. Delfinforscher für einen Vormittag

Fotos von fast 200 Delfin-Rückenflossen hat Kent Morse in seinen dicken Ordner geklebt. Und wir versuchen, anhand der Bilder die Delfine zu identifizieren, die rund um den Katamaran „Dolphin Explorer“ im Wasser spielen oder in die Luft springen.

„Jede Schwanzflosse ist einzigartig“, sagt Kent, „sie ist wie ein Fingerabdruck, anhand dessen man einen Menschen eindeutig identifizieren kann.“ Seit zwölf Jahren untersucht ein Team von Marinebiologen die Vorkommen und das Verhalten der wilden Delfine um Marco Island. Besucher können an den Sichtungsfahrten der Biologen teilnehmen.

Während die Teilzeitforscher sich fast überschlagen, um Fotos der Tiere zu schießen (wann hat man schon mal 26 verschiedene Delfine aus unmittelbarer Nähe gesehen), erzählt Kent davon, dass Nemo das Kind von Sydney sei und dass es doch ganz einfach sei, Rangle zu erkennen, weil der doch diese charakteristische Kerbe im oberen Teil seiner Schwanzflosse habe. 

Zwischendurch sehen wir braune Pelikane, Fischadler und mehrere Reiherarten beim Nisten oder Fischefangen. Bei einem kurzen Stopp auf einer unbewohnten Insel füllen wir die Taschen mit Muscheln, dann geht es zurück, begleitet von einem guten Dutzend Delfine.

Bonus: Wird ein neugeborener Delfin gesichtet, darf der jüngste Teilnehmer ihm einen Namen geben. Die dreistündige Tour kostet 64 Dollar.

5. Muscheln wie Sand am Meer

Die gebückte Haltung vieler Strandbesucher hat einen eigenen Namen: „Sanibel Stoop“ heißt sie, der „Sanibel-Bückling“. Schließlich ist es fast unmöglich, hier einfach nur auf dem feinen weißen Sand entlangzuspazieren, ohne sich ständig nach der nächsten schönen Muschel zu bücken.

Am Strand von Sanibel liegen unzählige Muscheln.
Am Strand von Sanibel liegen unzählige Muscheln. Foto: The Beaches of Fort Myers & Sanibel

Auf Sanibel Island an der Golfküste sollte man früh aufstehen, um reiche Muschelernte einzufahren, über Nacht schwemmen die Wellen Millionen Exemplare an. Die besten findest du bei Ebbe im Frühling oder nach Stürmen im Golf von Mexiko. Wer faul ist, kann im Muschelladen „She Sells Sea Shells“ hübsche Muscheln kaufen oder sich im örtlichen Muschelmuseum an seltenen Exemplaren erfreuen.

Die wohl erfahrenste Muschelsammlerin von Sanibel, Pam Rambo, betreibt sogar einen Muschel-Blog. Ihr Hobby, so sagt die 55-Jährige, sei „Strandtherapie mit einem Schuss Sammelwut“.

Ihr Geheimtipp: An den Stränden Richtung Captiva Island sind oft die größten Muscheln zu finden.

6. „Miami Vice“-Feeling auf dem Schnellboot

Wie Sonny Crockett und Ricardo Tubbs in der Serie „Miami Vice“ auf dem Speedboat übers Wasser flitzen? No problem! Die drei Katamarane von „Thriller Miami“ nehmen Besucher mit auf 45-Minuten-Trips – vorbei an Star Island, South Beach, Fisher Island hinaus auf den Atlantik.

Ein bisschen Promi-Gucken ist inklusive: Es geht entlang der Millionärsvillen von Ricky Martin, Sylvester Stallone, Jennifer Lopez, Will Smith und David Beckham. Auch bei Tempo 80 übertönt der Motor nicht den Hip-Hop, der aus den bordeigenen Lautsprechern wummert.

Tipp: Den Gratis-Regenponcho anziehen, auch bei geringem Wellengang wirst du nass. „Miami Vice“-typische Schulterpolster sind zur Teilnahme aber nicht nötig. Eine Fahrt kostet 38 Dollar. 

Auf den Katamaranen von Thriller Speedboat Adventures kann man schon mal nass werden.
Auf den Katamaranen von Thriller Speedboat Adventures kann man schon mal nass werden. Foto: Visit Florida/Thriller Miami

7. Mit Radau durch den Sumpf

„Airboats“ sind nichts für Umweltschützer. Die donnernden, von einem riesigen Propeller angetriebenen Vehikel, die am Rand des Everglades National Park auf einem 100 Hektar großen Privatgelände herumdonnern, fahren zwar offiziell „Ökotouren“, haben aber mit Rücksicht auf die Natur nichts gemein.

Dennoch, ein paar Runden mit einem der Vehikel machen einen Heidenspaß. Die 500-PS-Monster schweben gleichsam durch seichtes Wasser, Schlammspritzer inbegriffen. Die wenigen Vögel nehmen bei dem Lärm natürlich Reißaus, aber Alligatoren scheint der Krach nichts auszumachen.

Tipp: Unbedingt Gehörschutz anlegen. Übrigens befindet sich „Wooten’s Everglades Airboat Tours“ nur ein paar Autominuten vom kleinsten Postamt der USA in Ochopee entfernt. In einer winzigen Holzbude sitzt ein vollbärtiger Postangestellter, verkauft Briefmarken und nimmt Paketsendungen entgegen. 30 Minuten Airboat kosten 32,50 Dollar. 

Die Airboats sind zwar offiziell ökologisch, machen aber einen Höllenlärm.
Die Airboats sind zwar offiziell ökologisch, machen aber einen Höllenlärm. Foto: Visit Florida

8. Schlafen unter dem Meeresspiegel

In diesem Hotel öffnest du besser nicht das Fenster, pardon, Bullauge. Im ersten Unterwasserhotel der Welt schlafen Gäste neun Meter unter der Wasseroberfläche. Bis zu sechs Gäste können sich in „Jules’ Undersea Lodge“ einmieten. Das Hotel ist am Meeresboden in einer Mangrovenlagune auf Key Largo verankert.

Es gibt zwei Schlafzimer und einen Wohnraum, dazu Warmwasserdusche, Mikrowellenherd, Kühlschrank, Wi-Fi und Fernseher. Über Leitungen an Land werden Frischluft, Wasser und Strom zugeführt. Die Lodge ist benannt nach dem Science-Fiction-Autoren Jules Verne, der den Klassiker „20.000 Meilen unter den Meer“ geschrieben hat.

Ein Hotel auf dem Meeresboden: die Jules’ Undersea Lodge.
Ein Hotel auf dem Meeresboden: die Jules’ Undersea Lodge. Foto: Jules Undersea Lodge

Die Lodge ist nur für zertifizierte Taucher zugänglich. Wem es zu langweilig ist, eine ganze Nacht unter Wasser zu bleiben, kann einen dreistündigen Aufenthalt für 150 Dollar buchen – inklusive Pizzaservice-Anlieferung durch einen Taucher. Übernachtungspreis 675 Dollar. 

9. Im Haifischbecken

Nichts für Angsthasen: Im „Florida Aquarium“ in Tampa schwimmen Besucher mit Haien in einem der größten Aquariumsbecken der USA.

Während der Eineinhalb-Stunden-Tour tauchen maximal vier Gäste mit einem Profitaucher im Becken und schwimmen mit Barrakudas, Muränen, Wasserschildkröten und etwa 1.000 anderen Fischen das Korallenriff entlang.

Höhepunkt: der drei Meter lange Tigerhai. Aquariumsmitarbeiterin Kaitlyn Fusco rät: „Haie nicht berühren und den Tieren nicht hinterherschwimmen! Ihr wollt das ja auch nicht andersherum.“ Der „Shark Swim“ kostet 110 Dollar.

Besucher können im Florida Aquarium zusammen mit Profitauchern ins Haifischbecken steigen.
Besucher können im Florida Aquarium zusammen mit Profitauchern ins Haifischbecken steigen. Foto: The Florida Aquarium Tampa

10. Paddeln zwischen Alligatoren

Erst als wir unmittelbar neben ihm sind, lässt sich der Alligator unter Wasser sinken und schwimmt davon. Ron paddelt grinsend weiter: „Der hat uns seit fünf Minuten genau beobachtet. Alligatoren machen keine Bewegung zu viel.“ Mit fünf Kanus sind wir am Rande des Everglades National Parks auf den Seen, Wasserläufen und Sümpfen unterwegs.

Drei Stunden führt Biologe Ron Wofford seine Gruppe in eine andere Welt. Fast geräuschlos gleiten wir am frühen Morgen durch die Wildnis, bahnen uns den Weg durch dicht gewachsene Mangrovenwälder und werden Teil der Natur. Orchideen, Moose, Bromelien wachsen zwischen den Mangroven.

Die Alligatoren im Everglades National Park machen keine Bewegung zu viel.
Die Alligatoren im Everglades National Park machen keine Bewegung zu viel. Foto: Visit Florida

Durch überwucherte „Tunnel“ geht es zu einsamen Brackwasserseen, die Stille ist betörend. Waldstörche, Reiherarten, Fischadler, ein Otter. Hier vermischt sich das Meerwasser mit dem Süßwasser aus den Sümpfen der Everglades. Ron berichtet, wie er vor fünf Jahren einen der sehr seltenen Floridapanther im Unterholz gesehen hat.

Extratipp: Bei Vollmond bietet „Everglades Area Tours“ Nachttouren an. Drei Stunden Kanutour kosten 100 Dollar.

11. Der stilvollste Pool der Welt

Das 92 Jahre alte Biltmore Hotel in Coral Gables (nahe Miami) gilt als eines der besten Grandhotels der Welt – und sein gigantischer Pool ist sicher der hübscheste des Planeten. Hier gab Schwimm-Olympiasieger und Tarzandarsteller Johnny Weissmueller Schwimmunterricht. Zu Turmspringwettbewerben, Tauchvorführungen und Wasserballett-Shows kamen Tausende Zuschauer.

In den Pool des Biltmore Hotels passen 2,5 Millionen Liter Wasser.
In den Pool des Biltmore Hotels passen 2,5 Millionen Liter Wasser. Foto: The Biltmore Hotel

Heute kannst du im auf exakt 27 Grad Temperatur gehaltenen ungechlorten Wasser schwimmen, dich unter den künstlichen Wasserfall stellen und auf dem Rücken treibend Wölkchen zählen. Oder dich auf einen Drink im Liegestuhl am Beckenrand freuen. Neun kleine Strandhütten zwischen Hibiskus, Bougainvilleen und Palmen bieten Rückzugsorte, kosten allerdings 219 Dollar extra pro Tag.

Das 2.000 Quadratmeter große Schwimmbecken ist durchgängig geöffnet, zehn Angestellte sorgen für Sauberkeit und sichern die hohe Wasserqualität. Am Morgen um 4 Uhr steigt ein Taucher ins Wasser und reinigt den Beckenboden.

Achtung: Sollten Bodyguards und Sicherheitsleute betont unauffällig herumstehen, kannst du sicher sein, dass Berühmtheiten eingecheckt haben. So zählen Bill und Hillary Clinton zu den Stammgästen des Hotels. Zimmerpreise ab etwa 250 Dollar.

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