Tagebuch der mallorcareporter: Reif für die Insel! | reisereporter.de

mallorcareporter-Tagebuch: Reif für die Insel!

Der reisereporter ist echt reif für die Insel… Daher macht er für drei Wochen ein Büro auf Mallorca auf! Im Reisetagebuch lassen dich Maike und Christoph am Alltag als mallorcareporter teilhaben.

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Die mallorcareporter Maike und Christoph haben die Insel erkundet.

Foto: privat

Mallorca ist die absolute Lieblingsinsel der Deutschen. Rund 4,5 Millionen sind im Jahr 2017 hierher gereist. Damit stellten deutsche Touristen fast die Hälfte aller Mallorcaurlauber (10,3 Millionen). Viele der Küstenorte sind überfüllt, oftmals auch von Partytouristen. Der reisereporter hat sich gefragt: Gibt es das noch, das echte und ursprüngliche Mallorca?

Als mallorcareporter begeben wir, das sind Maike (29) und Christoph (32), uns auf die Suche danach. Wir wollen in den kommenden knapp drei Wochen mallorquinische Spezialitäten probieren, mit echten Mallorquinern quatschen, die Hotspots für euch testen und nach den letzten Geheimtipps auf Mallorca suchen. 

Tag 1: Klatschnass und trotzdem glücklich (Christoph)

Mallorca im Frühling. 25 Grad. Und Sonne. Und schwimmen im Meer. So hatte ich mir das vorgestellt. Die Realität: 17 Grad. Und Regen. Sintflutartiger Regen.

Ich habe immer noch Maikes Stimme im Ohr, die quietscht, während sie in eine Pfütze hüpft: „Spanish rain, yeaaah!“ Dann flüchtete sie zu mir in einen Hauseingang neben einer Bäckerei. In der hatten wir uns eben noch Ensaimadas gekauft, eine mallorquinische Spezialität. Die versöhnten ein wenig mit dem wenig frühlingshaften Wetter. Doch der Regen hörte gar nicht mehr auf! Die zuvor von der Sonne aufgewärmten Altstadtgassen von Palma de Mallorca verwandelten sich in regelrechte Sturzbäche.

Die vorläufige Rettung kam in Gestalt der Bäckerin, die abseits der grandiosen Ensaimadas auch Plastiktüten vorrätig hatte – und sämtliche Kunden mit improvisierten Kopfbedeckungen ausstattete. So blieb zumindest die Kopfhaut trocken, während wir an Cafés, Tapas-Bars und Ateliers vorbei zurück zu unserem Mietauto hasteten.

Zum Glück hatte die Bäckerin nicht nur Ensaimadas, sondern auch provisorischen Regenschutz für uns.
Zum Glück hatte die Bäckerin nicht nur Ensaimadas, sondern auch provisorischen Regenschutz für uns. Foto: privat

Eigentlich hatten wir uns den Auftakt als mallorcareporter anders vorgestellt. Aber, Lektion zwei von heute: Auf Mallorca wird es auch ganz schnell wieder schön. Nach einem Wetterumschwung machten wir uns bei Sonnenschein auf die erste Erkundungstour in Richtung der Inselmitte.

Wir fanden, was wir suchten: Auf einer alten und liebevoll restaurierten Finca erklärte uns Betreiber Alex, wo sich Mallorca abseits des Ballermann lohnt: Er verriet uns mehr oder weniger abgelegene Buchten, Aussichtungspunkte und Wanderrouten. Die werden wir für euch testen, versprochen!

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Genauso neugierig hat uns das Gespräch in Sachen Zukunft des Tourismus gemacht. Denn während wir direkt am Ballermann untergebracht sind (an dem offenbar nicht einmal die Klos richtig funktionieren, wir hatten in unserer Unterkunft zumindest ein mit altem Erbrochenem verstopftes), scheint sich in Mallorcas Mitte ein Trend zum sanfterer Tourismus abzuzeichnen, der weniger auf Alkoholexzesse als auf Aufenthaltsqualität setzt. 

Wie herrlich diese Insel sein kann, hat sich jedenfalls am Abend gezeigt: Da war auch am Ballermann der Sonnenuntergang schlichtweg malerisch – vor allem, nachdem sich auch die letzten Wolken des Tages irgendwann verzogen.

Sundowner nahe dem Ballermann: Mallorca kann schon ziemlich schön sein.
Sundowner nahe dem Ballermann: Mallorca kann schon ziemlich schön sein. Foto: Privat

Tag 2: So viele Wow-Momente! (Christoph)

Wow, einfach nur wow: Wie viele schöne Momente diese Insel bieten kann, hat sie heute eindrucksvoll gezeigt: Am Morgen durch einen Bauernmarkt im Inneren Mallorcas gefuttert, am Mittag eine wunderschöne Bucht entdeckt und am Abend den Sonnenuntergang bei einer Ballonfahrt genossen.

Nach Tag zwei gilt: Mallorca kann es.

Maike wollte am Morgen unbedingt den Bauernmarkt in Sineu erkunden. Im Herzen der Insel ist das einer der ältesten Märkte Malloras, der allein durch die Kulisse beeindruckt: Sineu wird überragt von einer alten, typisch mallorquinischen Kirche. Helle Steine, ein niedriger Turm, dafür ein imposantes Kirchenschiff. Zusammen mit der historischen Altstadt eine herrliche Kulisse, um sich auf dem Markt durch die regionalen Produkte zu futtern.

Der Bauernmarkt in Sineu – leckere Produkte aus der Region.
Der Bauernmarkt in Sineu – leckere Produkte aus der Region. Foto: privat

Bocadillos mit mallorquinischem Schinken, Bunyols, das sind süße, frittierte Kartoffelteigbällchen, und Empanadas haben es uns jedenfalls angetan. Die Mallorquiner begeisterten sich eher für frisches Obst und Gemüse sowie allerlei Tiere, die dort in alter Tradition lebendig gehandelt werden.

Am Nachmittag schimmert das türkisfarbene Meer vor uns, wie es sich für ein Postkartenmotiv gehört: Umgeben von pflanzenüberwucherten Felsen liegt vor uns Caló des Moro, ein kleines Refugium am Rande eines Naturschutzgebietes. In der Sonne glänzt der Lehm einiger Fischerhütten, rundum stehen Blumen, Kakteen und Bäume in voller Blüte. Die Stimmen der wenigen Besucher verschluckt das zarte Rauschen der Wellen. Wir haben die erste richtig schöne Bucht abseits der Massentourismuspfade gefunden!

Einziger Wermutstropfen: Die starke Strömung hatte zahlreiche Quallen in die Bucht von Caló des Moro getrieben. Sicherheitshalber galt deshalb für das Meer: Gucken, aber nicht anfassen. Über mögliche Gefahren, die von den Quallen ausgehen, werden wir uns jetzt mal schlaumachen.

Entschädigt wurden wir dafür am Abend, mit Champagner. 500 Meter über dem Boden. Während des Sonnenuntergangs. Bei perfektem Wetter war das der Hammer, besonders, als das Licht endgültig hinter den Bergen der Serra de Tramuntana verschwand und Wälder, Städte und Fincas unter uns in rotes Licht tauchte.

Die Landung war allerdings ein kleines Spektakel, bei dem wir um ein Haar in einem Zaun gelandet wären.

Ja, wir hatten eine Genießerin an Bord. Sie heißt Maike.
Ja, wir hatten eine Genießerin an Bord. Sie heißt Maike. Foto: privat

Tag 3: Ganz hoch im Norden (Maike)

Einmal durchgepustet! Wir waren heute ganz weit oben im Norden von Mallorca. Um genau zu sein: Noch nördlicher geht’s nicht mehr, wir sind zum Cap de Formentor gefahren, zwei Stunden lang, die Hälfte davon über enge Serpentinenstraßen. Wer spannende Momente – Bergziegen, sich abkämpfende Fahrradfahrer und entgegenkommende Autos mitten auf der Straße – mit seinem Mietwagen nicht scheut, der sollte die abenteuerliche Strecke auf sich nehmen.

Ein toller Anblick von hier, ein toller Ausblick von dort: Cap de Formentor auf Mallorca.
Ein toller Anblick von hier, ein toller Ausblick von dort: Cap de Formentor. Foto: Höland

Der Angstschweiß in den Händen verfliegt nämlich allerspätestens nach der letzten Kurve, dann liegt ein weißer Leuchtturm auf einer kleinen vorgelagerten Halbinsel vor einem. Beim Aussteigen aus dem Auto flog uns allerdings fast die Tür aus der Hand – es ist unglaublich windig dort oben! Dass die Mallorquiner den Punkt auch „Treffpunkt der Winde“ nennen, passt. 

Mit wehenden Haaren genossen wir den spektakulären Ausblick: Steilküste, grüne Landschaften, Meer und in der Ferne die Silhouette der Nachbarinsel Menorca. Unser Fazit: Unbedingt, unbedingt hinfahren! Auch, wenn das Durchkämmen der Haare wohl ziemlich schmerzhaft wird.

Kurzer Zwischenstopp am Aussichtspunkt in Richtung Cap de Formentor.
Kurzer Zwischenstopp am Aussichtspunkt in Richtung Cap de Formentor. Foto: Höland

PS: Den Vormittag haben wir heute zum Arbeiten in der mallorquinischen Sonne genutzt. Wir haben für dich unsere Erlebnisse der Ballonfahrt über Mallorca und Tipps für den Besuch des Bauernmarktes in Sineu aufgeschrieben. Unser Kollege vom Sportbuzzer, Robert, der mit uns zusammen im Mallorcabüro wohnt, musste auch was tun.

Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Die mallorcareporter und der mallebuzzer.
Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Die mallorcareporter und der mallebuzzer. Foto: privat

Tag 4: Tristesse und Lichtblicke (Christoph)

Angefangen hat der vierte Tag auf der „schönsten Insel der Welt“ (wie das Inselradio Mallorca im Halbstundentakt nennt) ziemlich mau. Das Warmwasser war defekt. Der einzige Lichtblick zu dem Zeitpunkt: Das Gequieke des Sportbuzzer-Kollegen beim Duschen.

Dass es noch schlimmer weiterging, konnte dessen Gejaule allerdings auch nicht mehr wettmachen. Denn über Nacht hatte jemand den Außenspiegel unseres Mietwagens zertrümmert. Dementsprechend begann der Arbeitstag mit einer Fahrt zum Flughafen, wo wir ein neues Fahrzeug bekamen. Währenddessen regnete es permanent, Maikes und meine Laune war am Tiefpunkt.

Das änderte sich erst, als wir Fornalutx erreichten. Zwar regnete es immer noch in Strömen, aber das Bergdorf verzauberte uns trotzdem: Rundum wolkenverhangene Berge, an den Hängen ein Orangenhain neben dem anderen. Und dazwischen ein Örtchen mit liebenswerten kleinen Gassen. Für Fornalutx wurde vermutlich der Begriff pPittoresk erfunden. Traumhaft.

Diese Gassen! Fornalutx ist selbst bei Regen einen Besuch wert.
Diese Gassen! Fornalutx ist selbst bei Regen einen Besuch wert. Foto: Geißler

Weil es immer noch regnete, fiel allerdings der Rest der Tagesplanung wortwörtlich ins Wasser. Mehr oder weniger gefrustet kehrten wir in ein Autobahnrestaurant bei Manacor ein.

Das Es Cruze vermittelte dank riesiger Hallen und wahnsinnig vieler Plätze zwar etwas Kantinenfeeling. Aber ein Local hatte uns verraten, dass genau solche Restaurants von den Mallorquinern bevorzugt werden. Und, nun ja, wir sind für 12 Euro pappsatt geworden und haben endlich mal mallorquinisch-pragmatisch gegessen.

Hauptsächlich Mallorquiner besuchen Restaurants wie das „Es Cruze“ bei Manacor. Es schmeckt und es ist günstig, da rückt das Kantinenfeeling in den Hintergrund.
Hauptsächlich Mallorquiner besuchen Restaurants wie das „Es Cruze“ bei Manacor. Es schmeckt und es ist günstig, da rückt das Kantinenfeeling in den Hintergrund. Foto: Geißler

Tag 5: Frühlingswetter auf Malle (Christoph)

Auch am fünften Tag wurden wir beim Aufwachen vom Plätschern des Regens begrüßt. So hatten wir uns Frühling auf Mallorca wirklich nicht vorgestellt. Aber: Bei etwa 60 Regentagen im Jahr auf der Insel mus es doch auch Sehenswürdigkeiten geben, die wetterunabhängig genossen werden können?

Kurzerhand bin ich deshalb am Nachmittag nach Palma de Mallorca gefahren. Die meisten Attraktionen haben samstagnachmittags geschlossen, trotzdem wollte ich die Altstadt erkunden. Doch nach einer halben Stunde war klar, dass es dort samstags zwar trubelig ist – die wunderschönen Gassen außer teuren Boutiquen und Tapas-Bars aber für mich wenig zu bieten haben. Mag sein, dass dieser Eindruck durch den Dauerregen befeuert wurde.

Die Alstadt von Palma de Mallorca wurde zu einem Meer aus Regenschirmen.
Die Alstadt von Palma de Mallorca wurde zu einem Meer aus Regenschirmen. Foto: Höland

Umso mehr freute ich mich, als ich abseits der touristischen Hotspots eine Galerie nach der anderen fand. Von poppiger Inneneinrichtung bis zu futuristisch anmutenden Kunstdrucken verkauften diese fast alles, was eine Wohnung aufwerten kann – zu schade, dass ich mit dem Flugzeug und nicht mit dem Möbeltransporter auf die Insel gereist bin. Und, dass mein Geldbeutel für die Kunstwerke zu klein ist.

Abhilfe bot das mallorquinische Museum für zeitgenössische Kunst, Es Baluard. Kaum ein Tourist hatte sich dorthin verirrt, und das, obwohl die Ausstellungen überraschend vielfältig waren. Von Werken Joan Miros, einem Zeitgenossen Picassos, der auf Mallorca lebte, bis zu Kunstfilmen von Bernardi Roig reichte das Spektrum. Und vor allem Letztere waren derart morbide, dass sie eine willkommene Abwechslung boten. Prädikat: sehenswert.

Tag 6: Der Abschied kommt zu schnell (Maike)

Es scheint, als wolle Mallorca mir den Abschied so richtig schwer machen! Während es die vergangenen zwei Tage geregnet hat wie verrückt, schien die Sonne heute so doll, als wollte sie sagen: Ätsch, das hast du nun davon, dass du schon fährst! Während Christoph noch zwei Wochen bleibt, ist meine Zeit als mallorcareporterin tatsächlich schon vorbei. Ich war viel zu kurz hier, um diese Insel in ihrer Schönheit und Gesamtheit zu erfassen.

Wie gern hätte ich noch eine Wanderung durch die Serra de Tramuntana gemacht und im Himmel nach den Mönchsgeiern gesucht, die fast überall auf der Welt ausgestorben sind, aber in Mallorcas Bergen noch leben. Wie gern hätte ich noch mehr der wunderschönen versteckten Buchten entdeckt, in denen das Wasser so viel blauer zu schimmern scheint als am Strand in der Nähe unseres Hauses in El Arenal.

Maikes Mallorca-Highlights 

Sechs Tage Mallorca waren genug, um mich in diese Insel zu verlieben. Zum Abschied verrate ich euch meine drei Highlights.

Erstens: Die Bucht Cala s’Almunia im Südosten der Insel. Nach etlichen Treppen und gewundenen Wegen durch ein für die Öffentlichkeit geöffnetes Privatgrundstück lag sie plötzlich vor uns: eine Handvoll Häuser, ein Felsentor, blaues Wasser, Bäume. Das war einfach Idylle pur!

Zweitens: Das Cap de Formentor, der nördlichste Punkt Mallorcas. Hier war eigentlich schon die Anfahrt mein persönliches Highlight. Zwei Stunden lang fuhren wir, die Hälfte davon über enge Serpentinenstraßen, nach deren Kurven sich immer wieder spektakuläre Blicke auf die Küstenlandschaft boten. Am Cap selbst wurden wir ordentlich durchgepustet. Die Halbinsel mit dem Leuchtturm wird wohl nicht ohne Grund auch Treffpunkt der Winde genannt.

Drittens: Fornalutx. Das Dorf spiegelt den traditionellen, rustikalen und auch ein wenig romantischen Charme des ursprünglichen Mallorcas wieder: die idyllische Lage im Tal von Sóller mit seinen Oliven- und Orangenhainen, kleine Gässchen und Steingebäude mit rot gedeckten Dächer. Und alles war so sauber, als wären die Steine mit Zahnbürsten poliert worden. Verrückt.

Tagebuch, Tag 6: Die Suche nach der Kreuzfahrer-Invasion

Der sechste Tag auf Mallorca begann trüb: Dichter Nebel lag über Palma und hüllte die ganze Küstenstadt in Grautöne. Ich war trotzdem früh auf den Beinen, denn ich wollte mir die Ankunft des weltgrößen Kreuzfahrtschiffes anschauen. Die „Symphony of the Seas“ sollte für sieben Stunden im Hafen von Palma festmachen – Zeit genug, um etwa 6.000 Touristen auszuspucken. Das Ritual geht einigen Mallorquinern so sehr auf die Nerven, dass zuletzt Aktivisten gegen die Ankunft des Dampfers demonstriert hatten.

Ein Riesenpott: Bis zu 6000 Touristen reisen mit der „Symphony of the Seas“.
Ein Riesenpott: Bis zu 6000 Touristen reisen mit der „Symphony of the Seas“. Foto: Höland

All das blieb (möglicherweise) wegen des Wetters dieses Mal aus. Stattdessen rollten im Zweiminutentakt halb volle Shuttlebusse durch den Nebel, die Kreuzfahrttouristen verteilten sich und gingen im Gedränge von Palmas Altstadt auf. Beruhigend, dass die Stadt derartige Besucherströme verkraften kann. Wie es im Sommer ist, wenn bis zu 20.000 Kreuzfahrer täglich kommen, möchte ich mir allerdings nicht ausmalen.

So viel Auswahl: Mediterrane Spezialitäten im Mercato de l’Olivar.
So viel Auswahl: Mediterrane Spezialitäten im Mercato de l’Olivar. Foto: Höland

Das Schöne: Mir blieb Zeit für einen Spaziergang in Palma. Mein Highlight dieses Mal: Der „Mercato de l’Olivar“, eine kleine Markthalle mit allerlei mallorquinischen Spezialitäten. Mit Sobrasada-Brötchen und Feigenbrot ausgestattet ging es am Nachmittag an den Schreibtisch – trotz der mittlerweile scheinenden Sonne. Ich bin schließlich nicht zum Spaß hier. ;-)

Tag 7: Hit the Road and Eat

Vogelgezwitscher und ein paar Sonnenstrahlen, die sich den Weg durch meine Fensterläden bahnen, haben mich geweckt. Doch auch, wenn sich auf Mallorca endlich ein Übergang vom Frühling zum Frühsommer abzeichnet, einen Strandtag wollte ich heute nicht einlegen. Stattdessen habe ich ein paar mallorquinische Spezialitäten probiert.

Auf der Suche nach dem besten Mandelkuchen der Insel bin ich nach Sóller gefahren. Die Kleinstadt schmiegt sich an die Serra de Tramuntana und besticht mit schmalen Gassen, einer süßen, alten Straßenbahn sowie zahlreichen Cafés.

Im Vordergrund die Tram, im Hintergrund die Serra de Tramuntana – Soller ist einen Ausflug wert.
Im Vordergrund die Tram, im Hintergrund die Serra de Tramuntana – Sollér ist einen Ausflug wert. Foto: Christoph Höland

„Gató de Almendre“, wie die Mallorquiner ihren Mandelkuchen nennen, habe ich dort ebenfalls gefunden. Der süße Marzipangeschmack mit einem Hauch Zitrone hat es mir total angetan. Einen ziemlich leckeren habe ich im Garten des Feinkostgeschäfts Fet a Sóller gegessen. 

Viel Mandelgeschmack und etwas Zitrone: Gato de Almendre ist eine mallorquinische Spezialität.
Viel Mandelgeschmack und etwas Zitrone: Gato de Almendre ist eine mallorquinische Spezialität. Foto: Christoph Höland

Nach einer längeren Autofahrt nach Montuiri hatte ich wieder Hunger bekommen. Zum Glück, denn in einer kleinen Bar probierte ich die nächste Spezialität: zwei „Pa amb Oli“ – Bauernbrote mit Tomatenaufstrich und Schinken oder Sobrasada. Ziemlich lecker!

Pa amb Oli: Riesenportionen und sehr deftig. Pa amb Oli war einst eine Arme-Leute-Essen.
Pa amb Oli: Riesenportionen und sehr deftig. Pa amb Oli war einst eine Arme-Leute-Essen. Foto: Christoph Höland

Tag 9: Ein banges Erwachen und viel Likör

Tag 9 hat mit Bangen begonnen. Denn gestern bin ich fies umgeknickt und deshalb für den Rest des Tages ausgefallen, deswegen hast du auch nichts von mir gelesen. Heute war das Aufstehen dementsprechend eine Nervenprobe. Doch dank einer Schiene stehe ich wieder fest auf zwei Beinen – auch wenn es die nächsten Tage für mich wohl kein Sportprogramm gibt.

Heute hatte ich aber ohnehin andere Pläne: Ich war zu einer Besichtung der Destillerie verabredet, in der Túnel gebrannt wird. Den mallorquinischen Likör führt hier jeder Kiosk, längst ist er auch in Deutschland verbreitet. Und so stand ich frühmorgens in einem Industriegebiet und ließ mir erklären, wie der süße Kräuterlikör entsteht.

Fabrikdirektor Biel Àngel Morey Garau vor der Túnel-Destille.
Fabrikdirektor Biel Àngel Morey Garau vor der Túnel-Destille. Foto: Höland

Schnapsbrennerromantik gab es dort aber nicht, denn das Unternehmen agiert längst international und betreibt auf Mallorca eine ziemlich große Fabrik. Einen Probierraum mit den etwa 200 verschiedenen Schnäpsen und Likören gibt es dort auch – zu schade, dass ich mit dem Auto unterwegs war.

Abgerundet habe ich den Tag mit einem Besuch bei „Super-Pollo“. Das klingt beeindruckender, als es ist, handelt es sich doch nur um die Hähnchenbraterei in der Nähe unserer Unterkunft in El Arenal. Aber: Das Essen dort ist lecker und günstig, neben Grillhähnchen gibt es auch eine Reihe weiterer spanischer Speisen – weshalb auch fast ausschließlich Einheimische dort einkaufen.

Tag 11: Bundesliga-Finaaaaale im Bierkönig

Aufgewacht und immer noch ein wohliges Gefühl im Bauch – das muss an der Paella vom Vorabend liegen. Für die sind wir extra nach Can Pastilla gefahren, einen vorwiegend von Spaniern bewohnten Teil der Playa de Palma beim Flughafen von Palma. Die Paella war die Tour mehr als wert!

Paella in Can Pastilla, wo vorwiegend Spanier unterwegs sind.
Paella in Can Pastilla, wo vorwiegend Spanier unterwegs sind. Foto: Höland

Umso trister war der heutige Morgen: Der Sommer auf Mallorca will einfach nicht so richtig beginnen. Ausgerechnet dieses Jahr erlebt die Insel einen der wolkigsten Frühlinge seit Langem. Das beklagt jedenfalls das Inselradio seit Tagen. Ausnahmsweise war mir das aber egal.

Denn mein Plan für den Tag war es, das Bundesliga-Finale im Bierkönig anzuschauen. Das Wetter spielte dabei keine Rolle. Sorgen machte mir schon eher wegen des Publikums dort, da Eimersaufen, Ballermann-Mucke und Vollrausch eigentlich nicht mein Ding sind.

Doch die Stimmung überraschte mich: Zwar flossen Sangria, Longdrinks und Bier wie erwartet in Strömen. Vom Eldorado der Ballermann-Besucher hatte ich aber deutlich mehr Eskalation erwartet. Vielleicht lag das am spannenden Kampf des HSV gegen den Abstieg, den die etwa 3.000 Bierkönig-Besucher gebannt verfolgten.

Public-Viewing statt Schlagerparty. Alkohol floss trotzdem in Strömen.
Public-Viewing statt Schlagerparty. Alkohol floss trotzdem in Strömen. Foto: Höland

Tag 12: Eine Erkundungstour ohne Navi

„Aua!“ – Kopfschmerzen: Tag 12 hat so begonnen, wie es nach Tag 11 am Ballermann absehbar war. Weil ausnahmsweise aber endlich mal wieder die Sonne schien, fiel das Aufstehen trotzdem leicht. Und der strahlende Sonnenschein passte prima zu meinem Vorhaben für den Tag.

Denn mein Plan war es, am Sonntag ohne Plan loszuziehen: Auf Navi, Internet und Reiseführer wollte ich bei meinem Ausflug in den Südosten Mallorcas verzichten. Stattdessen hatte ich eine Straßenkarte im Gepäck und das Ziel, einen schönen Aussichtspunkt, eine nette Bucht und ein gutes Restaurant zu finden, das vor allem von Einheimischen besucht wird.

Unterwegs am Cap de ses Salines: Zwischen Steilküste und Naturschutzgebiet gibt es einen kleinen Weg zum wandern.
Unterwegs am Cap de ses Salines: Zwischen Steilküste und Naturschutzgebiet gibt es einen kleinen Weg zum wandern. Foto: Höland

Und tatsächlich – ich habe alles gefunden: Zuerst war ich am Strand von Es Trenc, der noch fast naturbelassen ist. Anschließend bin ich zum Cap de ses Salines gewandert, dem südlichsten Punkt von Mallorca. Mein Abendbrot habe ich dann in einer Bar unter lauter Spaniern gegessen.

Der perfekte Abschluss für einen meiner bisher schönsten Tage auf Mallorca. Ohne Navi, Internet und Reiseführer reist es sich echt entspannt. Und vor allem hatte ich ständig das Gefühl, etwas entdeckt zu haben – auch wenn ich hinterher herausfand, dass sämtliche Etappen meiner Erkundungstour im Internet zu finden sind.

Ausklang des Tages in der Abendsonne: Die Cala Mondragó ist eine traumhafte Bucht in einem Naturschutzgebiet.
Ausklang des Tages in der Abendsonne: Die Cala Mondragó ist eine traumhafte Bucht in einem Naturschutzgebiet. Foto: Höland

Tag 13: Auf in die Schlacht

An Tag 13 musste ich mich von unserem Mietwagen verabschieden. Die nächsten Tage werde ich deshalb überwiegend in Palma und Umgebung unterwegs sein. Es gibt auf Mallorca aber auch Bahnen und Busse – Letztere sind zuverlässig, schnell und dazu noch supergünstig. 2,35 Euro kostet eine 40 Kilometer lange Busfahrt. Davon können die Menschen in meinem Heimatort nur träumen.

Wie zuverlässig die Busse sind, habe ich heute getestet. Denn in Sóller fand das alljährliche Spektakel „Christianos y Moros“ statt – ein Fest, mit dem die Mallorquiner der Befreiung von der islamischen Herrschaft vor etwa 800 Jahren gedenken. Arglos, wie ich bin, erwartete ich ein kleines inszeniertes Gefecht am Hafen und die Möglichkeit, gute Fotos zu machen.

Schießpulver, Fahnen und Kostüme: Das Heer der Mallorquiner kurz vorm Sieg.
Schießpulver, Fahnen und Kostüme: Das Heer der Mallorquiner kurz vorm Sieg. Foto: Höland

Stattdessen spielte die halbe Stadt verrückt: Die eine Hälfte der Bevölkerung hatte sich als Bauern verkleidet, die andere trug Gewänder, die denen der Mauren aus Nordafrika ähnelten. Dazu hatten sie sich mit reichlich Holzschwertern, Plastiksäbeln und Gewehren mit Platzpatronen ausgerüstet. Von den Schüssen klingeln mir immer noch die Ohren.

Das Spektakel wurde noch durch die ganzen Touristen an der Hafenpromenade ergänzt. Weil es an echten Mauren fehlt, sind die Mallorquiner übrigens dazu übergegangen, sich die Gesichter mit Kohle schwarz anzumalen. Und weil das so viel Spaß macht, wurden sämtliche Besucher, die nicht bei drei auf den Bäumen waren, ebenfalls angemalt.

Tagebuch, Tag 16: Ein (fast) trüber Abschied

Und ich dachte, Malle macht mir den Abschied leicht: Den ganzen Nachmittag über trübes Wetter, da kam schon Vorfreude auf den Heimflug auf. Und dann das: Am Abend riss der Himmel wieder auf und förderte einen traumhaften Sonnenuntergang über der Bucht von Palma zutage. Na toll! Abschiedsschmerz.

Das letzte Selfie am Wasser. Ganz einfach ist der Abschied von „Malle“ nicht.
Das letzte Selfie am Wasser. Ganz einfach ist der Abschied von „Malle“ nicht. Foto: Höland

Ein wenig wehmütig werde ich gerade schon, immerhin kommen viele Erlebnisse der vergangenen Wochen wieder hoch: Ausflüge nach Fornalutx – das von Orangenplantagen umgebene Bergdorf. Die Fahrt mit dem Ballon über das von der Abendsonne errötete Mallorca. Oder der Ausflug in die Cueavas del Drach, die Tropfsteinhöhle mit den mystischen unterirdischen Seen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist allerdings der Ausflug ohne Navigationsgerät und Internet. Ich Narr hatte vor der Arbeit als mallorcareporter befürchtet, die Insel könnte mich als eher abenteuerlustigen Urlauber langweilen – doch weit gefehlt. Während des Trips fühlte ich mich wie ein Entdecker, und an den Anblick der Cala Mondrago werde ich mich noch lange erinnern.

Das war’s von uns mallorcareportern, adios!

Die Zeit der mallorcareporter Christoph und Maike ist nach fast drei Wochen vorbei.
Die Zeit der mallorcareporter Christoph und Maike ist nach fast drei Wochen vorbei. Foto: privat

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