Wie Ferienlager, nur besser und teurer: Summer-Camps für Erwachsene

Wie im Ferienlager: Summer-Camps für Erwachsene

Weg sein, bei sich sein. Rausschauen, in sich gehen: reisereporterin Christina hat Sehnsucht nach den großen Sommerferien, den Geruch von Sonnencreme und Waldmeister-Softeis. Warum, erklärt sie hier.

Wie im Zeltlager in den großen Ferien – übernachten im Zelt weckt Kindheitsträume wieder auf. (Symbolbild)
Wie im Zeltlager in den großen Ferien – übernachten im Zelt weckt Kindheitsträume wieder auf. (Symbolbild)

Foto: unsplash.com/Wei Pan

Es sind die Erinnerungen an schier endlose Sommertage am Meer, die mich derzeit bei der Suche nach dem nächsten Reiseziel umtreiben. Der Geruch von Sonnencreme und Seetang, von Waldmeister-Softeis und frisch geräuchertem Aal, von muffig-nassem Ölzeug und dem alten, knarzenden Paddelboot.

Urlaub wie in den großen Ferien im Zeltlager

Bilder von Marienkäfern und Kaulquappen, von Lagerfeuer und Kornfeldern. Und das Gefühl von Splittern im Fuß und aufgeschlagenen Knien, von Kaugummi im Haar und dem untröstlichen Heimweh, das mich unter der kratzigen Decke im DLRG-Zeltlager am Lensterstrand überfiel, obwohl ich nur 16 Kilometer von meinem geliebten Elternhaus und doch eine halbe Ewigkeit vom Vertrauten entfernt war.

Klingt nach Nostalgie? Richtig. Müsste man deshalb noch mal jung sein? Nein. Und war früher alles besser? Keineswegs. Aber einfacher – im Sinne von schlicht! Was fehlt, sind jugendliche Unbekümmertheit und die dazu passende Definition von Freiheit der klassischen großen Ferien in den 1970er-Jahren.

Wo sind die Reiseziele, an denen Kindheitsträume wach werden?

Fragen also: Wo sind sie, die Reiseziele, für die man 40 Jahre später noch immer am liebsten Taschenlampe, Schnitzmesser, Kescher und die „Mundorgel“ (Achtung: Liederbuch!) einpacken möchte? Wohin soll’s gehen, ohne mit Zigtausenden Reisemobilfanatikern auf der A7 im Stau zu stehen?

Was macht man, ohne sich lächerlich zu machen und sich diesem „Glamping“-Trend auf Festivals zu unterwerfen? Wo sind die Orte, in denen wir Erwachsenen heute wieder mehr zur Natur und zu uns selbst finden, ohne dass wir uns Schürfwunden holen? Wo Kindheitsträume wach und neue Erinnerungen kreiert werden?

Zeltlager mit einem Mindeststandard an Komfort

Bei meiner Recherche bin ich auf Urlaubsziele gestoßen, die genau diesen Kriterien entsprechen und die gleichzeitig den Anspruch an einen Mindeststandard (also über Zeltlagerpritsche) erfüllen. Holzhäuser, Lodges, Baumhäuser, Tipis oder auch: Summer-Camps für Erwachsene.

Zum Teil auch luxuriös und aufgepimpt. Leider auch beim Budget. Der Wunsch nach Authentizität und Abgeschiedenheit, der Wert des Einfachen hat seinen Preis!

Hier meine Top 5:

Camp Wandawega in Wisconsin, USA

Es ist eben dieser leichte Touch von Nostalgie, der glücklich macht: Rund zwei Stunden nördlich der Millionenmetropole Chicago wurde dieses typische Summercamp aus den 20er-Jahren von einem umtriebigen Ehepaar stilsicher mit neuem Leben erfüllt.

Treffer, versenkt. Das rustikale Anwesen mit Baumhaus (Kindheitstraum!), Tipis, Hütten und ungeheurem Charme erinnert an einen Filmset und wurde in der Tat schon für diverse Film- und Fotoproduktionen gebucht. Was man da so macht?

Fischen, reiten, radeln, rudern, grillen, wandern, spielen (Tennis zum Beispiel oder Shuffleboard). Die schlichten, aber herrlich unkomplizierten Unterkünfte können über Airbnb angemietet werden. Man sollte sich unbedingt vorher die Spielregeln fürs Campleben durchlesen und weit im Voraus planen und buchen.

The Suttle Lodge in Oregon, USA

Die schicke Version eines Summer-Camps: Hier gibt’s dann doch auch eine Cocktail-Lounge und leckeres Essen im Boathouse. Das Anwesen aus den 1930er-Jahren liegt im Deschutes National Forest, also mitten in der Wildnis, und ist ideal für die üblichen Aktivitäten wie Boot fahren, fischen, wandern. Hochsaison herrscht von Mai bis September. Die Deluxe Cabins bieten bis zu acht Schlafplätze. Preis: Ab 280 Euro.
 

Manshausen Island in Steigen, Norwegen

Hütten kann man die architektonisch wunderbaren Minibungalows im Schärengarten im Norden Norwegens nicht nennen. Spektakulär ist hier vor allem die fantastische Lage am und überm Wasser und der uneingeschränkte Blick in die Ferne. Natur pur. Für Outdoor-Freaks und Fans von nordischer Klarheit. Jedes der Häuschen hat zwei Schlafzimmer. Ab 370 Euro für zwei Personen pro Nacht.

The Fish, Cotswolds, England

Zwar handelt es sich hier um ein „normales“ Hotel – doch die Besitzer haben erweitert und bieten statt der üblichen Zimmer auch kleine Hütten in der traumhaften Landschaft an, die entfernt an alte Zirkuswagen erinnern.

Mit Hot Tub, Ofen, Kaffeeautomat. Ab 290 Euro. Highlight ist die Treehouse Suite, ein luxuriöses Baumhaus in das man sich garantiert nicht mit einer Strickleiter hochhangeln muss. Ab 460 Euro pro Nacht.
 

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Cabn life in den Bergen von Adelaide, Australien

Modern, klar, reduziert und vor allem umweltfreundlich. Diese XXS-Häuser haben einen großen Nutzwert: Wer sich derzeit mit dem viel gedachten Gedanken beschäftigt, sich räumlich zu verkleinern, kann hier mal probewohnen. Außerdem soll es in den Bergen von Adelaide schlechten bis gar keinen Empfang geben: Digital Detox mit Stil. Für bis zu vier Personen ab 120 Euro pro Nacht.

Und noch ein Tipp zur Einstimmung aufs Summer-Camp: Wes Andersons Streifen „Moonrise Kingdom“ schauen!

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