Typisch New York

New York, die Stadt, die niemals schläft. Sind die New Yorker vielleicht so mürrisch, weil sie einfach unausgeschlafen sind? Nein, sind sie gar nicht. Das ist nur ihre Form der Herzlichkeit. Und ein Beispiel für das, was typisch New York ist.

Taxen, die über die Straßen von New York düsen: Ein gewohnter Anblick
Taxen, die über die Straßen von New York düsen: Ein gewohnter Anblick

Foto: unsplash.com/Frank Köhntopp

1. New Yorker sind unhöflich

Sie starren durch dich durch, wenn du sie hilfesuchend anschaust. Sie flitzen im Stechschritt an dir vorbei, wenn du eine Frage hast. Und sie scheinen keinerlei Wert darauf zu legen, mit dir ins Gespräch zu kommen. Sind New Yorker wirklich unhöflich? Nein. Sie sind die Herzlichkeit in Person, bloß zeigen sie das nicht jedem – ähnlich wie in Hamburg legen sie am Hudson viel Wert auf gesunde Distanz zu seinem Nächsten. Aber stehst du mal für einen Moment zögernd an einer Ampel, schießen plötzlich aus diversen Richtungen Menschen auf dich zu, die dich fragen, ob du etwas suchst und sie dabei helfen können. Das ist die New Yorker Freundlichkeit.

2. New Yorker meiden Manhattan

Echte New Yorker sitzen nicht am Times Square herum, gehen nicht zum Memorial an Ground Zero und meiden Little Italy in Manhattan – das wahre Little Italy liegt eh in der Bronx. Doch dafür sind echte New Yorker dort in Manhattan anzutreffen, wohin sich wiederum die wenigsten Zugezogenen oder Touristen verirren: in Uptown. Und sei es nur, weil’s dort den besten Gefilte Fish gibt.

3. Die können ja gar kein richtiges Englisch

Der naseweise Tourist, der im Deli mal so typisch New Yorkisch essen gehen will, bestellt schwungvoll ein „nisch“ – und meint damit die New Yorker Teigwaren-Spezialität „Knish“. Klar, ein „K“ vor „n“ wird ja nicht ausgesprochen im Englischen … Im Englischen vielleicht nicht. Aber auf gut New Yorkisch heißt es nun mal K-nish, so wie du „Knisch“ auf Deutsch aussprechen würde.

 Wenn wir schon dabei sind: Staten Island wird nicht amerikanisch mit Kaugummi-ej ausgesprochen, sondern mit kurzem „ä“.

 

 

Und die Houston Street in Downtown Manhattan wird Hausten ausgesprochen, statt Hjusten wie die texanische Metropole. Denn Namensgeber der New Yorker Magistrale war der Anwalt und Politiker William Houston (1755–1813).

 

4. New Yorker laufen einfach los

Sage mir, wie du die Straße überquerst, und ich sage dir, woher du kommst. Es gibt zwar eine kleine Grauzone, aber grundsätzlich gilt: Ein Fußgänger, der sich an Ampelsignale oder Zebrastreifen hält, ist maximal ein Zugezogener, ein Grünschnabel, der verzweifelt versucht zu überleben. Menschen hingegen, die noch nicht mal am Straßenrand haltmachen, sondern die Autos zum Anhalten zwingen, wenn sie einfach so über die Straße laufen, die kommen auf sicher aus New York!

5. Warum der Taxifahrer angeschrien wird

Wer in New York ein Taxi haben will, kann lange warten. Du musst die Fahrer zu ihrem Glück zwingen, einen mitzunehmen. Typische Vorgehensweise: Auf die Straße stellen, laut rufen und gleichzeitig mit der Hand lässig winken, Fahrer zum anhalten zwingen und zügig einsteigen. Dann lautstark sagen, wo du hinmöchtest. Nur Nicht-New Yorker nennen die exakte Adresse. Einheimische wissen um die Inkompetenz der Taxler und sagen immer nur grob, wo’s hingehen soll. Etwa: Broadway zwischen 37. und 38. Straße, niemals 1372 Broadway! Und wenn die Fahrt mit dem meist nur bruchstückhaft Englisch sprechenden Cabbie dann üblicherweise im Stau endet, zetert der New Yorker, zahlt synchron, springt dabei fast gleichzeitig aus dem Cab – Richtung U-Bahn. Und schwört sich, das nächste Mal gleich die Subway oder den Train zu nehmen. Aber niemals die Metro. Das sagen nur Leute von außerhalb.
Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Der Autor
Daniel Killy, Journalist und Autor, Deutsch-Amerikaner und schon aus biographischen Gründen USA-Liebhaber und -Experte. Schreibt über US-Themen fürs Handelsblatt, die Jüdische Allg ... mehr
#Trending
Zur
Startseite