Urteil: Verspätung wegen Vogelspinne – Airline muss zahlen

Verspätung wegen Vogelspinne – Airline muss zahlen

Wegen einer Vogelspinne landeten Reisende aus Kuba fünf Stunden zu spät in Hannover. Das Amtsgericht hat ihnen nun 600 Euro Entschädigung zugesprochen. Doch war die Spinne überhaupt an Board?

Der Alptraum vieler Reisender: Eine riesige Spinne verirrt sich im Handgepäck und findet im Flugzeug den Weg nach draußen.
Der Alptraum vieler Reisender: Eine riesige Spinne verirrt sich im Handgepäck und findet im Flugzeug den Weg nach draußen. (Symbolfoto)

Foto: imago/blickwinkel

Das möchte niemand erleben: An Bord seines Flugzeugs krabbelt eine große Spinne über Sitz oder Boden, im schlimmsten Fall gar eine pelzige Vogelspinne. Um solch einen Vorfall drehte sich ein Zivilprozess, der am Freitag vom Amtsgericht Hannover entschieden wurde.

Urteil: Airline muss wegen angeblicher Spinne an Bord zahlen

Nun dürfen sich sechs Teilnehmer einer Reisegruppe aus der Region, großteils Rentner, freuen: Die Fluggesellschaft Air France muss ihnen auf Basis der Europäischen Fluggastrechteverordnung jeweils 600 Euro Entschädigung zahlen.

Sie waren am 23. Februar 2017 auf ihrem Heimweg von Kuba über Paris mit knapp fünf Stunden Verspätung in Hannover gelandet und hatten die Airline verklagt. Doch ob es wirklich eine Vogelspinne war, die Schuld war an der erheblichen Verzögerung, blieb letztendlich offen.

Desinfektion mit Zyankali im Flugzeug

Es war gar nicht unmittelbar die Air-France-Maschine der hannoverschen Reisegruppe, in der ein Business-Class-Passagier die Spinne gesehen haben soll, hinter der Sonnenblende seines Fensters. Betroffen war ein früheres Flugzeug auf der Strecke Havanna-Paris. Dieses Flugzeug, so sagt Air France, habe aufgrund des Spinnentier-Verdachts aus dem Verkehr gezogen werden müssen; der Innenraum sei  – aufgrund gesetzlicher Bestimmungen – mit Zyankali ausgesprüht und desinfiziert worden.

Weil es eine Weile dauerte, bis die Ersatzmaschine startklar war, verzögerten sich alle Folgeflüge um mehrere Stunden – was schließlich auch die Rentner traf. Doch die Fluggesellschaft weigerte sich, ihnen eine Entschädigung zu zahlen. Ihr Argument: Eine Vogelspinne an Bord sei ein außergewöhnlicher Umstand, und in solchen Ausnahmefällen sei man nicht schadensersatzpflichtig.

Doch die Anwälte der sechs Kläger bestritten, dass es die Spinne überhaupt gab. Laut einem per Protokoll notierten Code habe die frühere Maschine aufgrund eines technischen Schadens am Triebwerk ausgewechselt werden müssen, sagte Anwalt Paul Degott.

Erst später sei in den Unterlagen eine angeblich zehn Zentimeter große Spinne aufgetaucht, aber keineswegs eine Vogelspinne. „Sie tun so“, warf der Reiserechtler Air-France-Anwältin Nadeschda Jung vor, „als habe es sich hier um ein Tier von der Größe eines kleinen Huhns gehandelt.“ Und einen Zeugen für den ominösen Vorfall am Fenster könne die Airline auch nicht benennen, so Degott: „Vielleicht handelt es sich hier ja um eine Phantomspinne.“

Schauergeschichte: Passagier nach Spinnenbiss mehrmals operiert

Anwältin Jung erläuterte, dass es keinen speziellen Code für Spinnenfunde in Flugzeugen gebe, deshalb habe der damalige Air-France-Mitarbeiter den Code für technische Defekte benutzt. Doch konnte sie weder den Spinnenbeobachter noch einen Zeugen für das Desinfizieren der Maschine benennen. Stattdessen versuchte die Juristin, die generelle Gefährlichkeit von Spinnen an Bord zu belegen.

2015 war ein Mann auf dem Flug von Katar nach Südafrika von einem Achtbeiner gebissen worden, musste später drei Mal operiert und Haut transplantiert bekommen, um sein infiziertes Bein zu retten. Doch handelte es sich hier um das Werk einer Braunen Einsiedlerspinne, und mit einer Vogelspinne – von der es zudem Hunderte harmloser Arten gibt – in einem Air-France-Flieger hatte diese Schauergeschichte auch nichts zu tun.

„Die beklagte Fluggesellschaft konnte nicht beweisen“, begründete Zivilrichterin Catharina Erps ihr Urteil zugunsten der Kuba-Reisenden, „dass es tatsächlich eine Vogelspinne in einem Flugzeug gab.“ Für einen technischen Defekt aber müsse die Airline Vorsorge treffen und zeitnah Abhilfe schaffen; ein solches Ereignis sei – im Sinne der Fluggastrechteverordung – kein außergewöhnlicher Umstand. Und somit sei klar, so Erps, dass Air France die verlangte Entschädigung zahlen muss.

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