Typisch Namibia

Schwarzwälder Kirsch mit Amarula-Likör und Springbocksteak mit Kartoffelsalat: Namibia bietet eine einzigartige Mischung aus afrikanischen und europäischen Einflüssen. Und das Deutsche in der Wüste wirkt oft wie eine Karikatur. Fünf Dinge, die typisch sind für Namibia.

Nashörner sind friedfertige Tiere, solange sie sich nicht provoziert fühlen. Auf Safari gilt deshalb: Abstand halten!
Nicht selten kommt es vor, dass eine Safari wegen wilden Tieren ihre Fahrt unterbricht. Einem Breitmaul-Nashorn mit Jungtier solltest du dich am besten gar nicht nähern.

Foto: imago/blickwinkel

1. Wellblech nach Nirgendwo

Auf Pad, das heißt in Namibia auf dem Weg. Pad ist eine Straße. Oder eine Schotterpiste. Manchmal nur eine Spur im Geröll, auf denen du ins Schlittern gerätst, wenn du zu schnell fährst. Hinter dir bildet sich eine kilometerlange Staubfahne, vor dir spiegelt sich die flimmernde Hitze auf dem holprigen Fahrweg, der sich selbst bei bester Sitzpolsterung anfühlt, als würdest du mit dem Gesäß über Wellblech rutschen.
 
Manchmal begegnet dir stundenlang kein anderes Auto. Wenn doch, winkst und blinkst du in spontaner Freude über ein Stück wahrhaftige Zivilisation. Wer selbst fährt, sollte (neben genug Trinkwasser) mehr als ein Reserverad dabei haben – und wissen, wie die montiert werden. Und dann: Gute Pad! 

2. Koloniale Karikaturen

Auch 100 Jahre später sind die Spuren der Kolonie Deutsch-Südwestafrika deutlich – und oft eigentümlich ausgeprägt. Du kannst architektonische Kolonialrelikte besichtigen, in der staubtrockenen Wüste Namib im Rostock Ritz übernachten, die deutschsprachige Allgemeine Zeitung lesen. Dich in der Luisen-Apotheke in deiner Heimatsprache nach Fußpilzsalbe und Anti-Schlangengift-Serum erkundigen.
 
Dir nachmittags im Café Anton des Hotels Schweizer Hof eine Schwarzwälder-Kirsch-Torte schmecken lassen und abends in Erich’s Restaurant eine Forelle „Müllerin Art“. Ach ja: Auch der Karnevalsverein Frohsinn und Humor in Otjiwarongo und dem Männergesangsverein von 1902 freuen sich über Gäste. Du kannst das aber auch sein lassen – und ein Stück Afrika gucken. 

Man muss weit reisen für eine gute Schwarzwälder #kolonialstyle

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3. Konserviertes Küchendeutsch

Himba, Herero, Ovambo, San: Namibia ist ein Vielvölkerstaat mit mehr als zehn unterschiedlichen Ethnien, etlichen Sprachen und Trachten. Vor allem in den Fußgängerzonen bekennt die Hauptstadt Windhoek Farbe. Vergleichsweise blass erscheinen da die Nachfahren der einstigen Kolonisten, die noch etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.
 
Sie nennen sich „Südwester“, Deutschland nennen sie „drüben“. Dennoch pflegen sie ihr konserviertes Küchendeutsch, eine Mischung aus Deutsch, Afrikaans und Englisch. Wenn sich Farmer über den letzten Regenfall unterhalten, klingt das etwa so: „Mein Rivier ist lekker abgekommen, hat mir stief Sand über die Pad gebracht und den Jungs ein paar Bokkies geholt. Na ja, de Beester haben jedenfalls ’nen vollen Damm“.
 
Drei Worte reichen aber, um als Tourist durchzukommen: Braai (Grillen), Lekker (gut, nicht nur Essen, es geht auch lekker Landrover), Rivier (Trockenfluss, wichtig bei Wegbeschreibungen).

4. In der mobilen Disko

Selbst wenn du eine echt scharfe Braut bist, solltest du Dir nichts einbilden, wenn neben dir ein Auto hupt. In Namibias Hauptstadt Windhoek gibt es nahezu keinen öffentlichen Nahverkehr, alles läuft über Sammeltaxis, die nonstop hupend durch die Straßen cruisen und alles aufsammeln, was nicht bei Drei auf dem Baum ist. Und wenn du denkst, da geht nichts mehr, drängen die nächsten Drei in den Blechhaufen, den nie ein TÜV gesehen hat.
 
Der Fahrer drückt aufs Gaspedal, als gelte es, ein giftiges Tier zu zertreten. Alles quasselt und gackert, aus scheppernden Boxen dröhnt Gangsta-Rap aus Nigeria oder so, und mit den Beats trommelt der Kopf gegen das Fenster. Nach viel Stop-and-GoGo eine Vollbremsung vor der Einfahrt. Aber: Billig isses! 

5. Savanna in der Savanne

Es sind die Sonnenuntergänge, die dich in Namibia immer wieder sprachlos machen. Kaum verschwindet die Sonne am Horizont, beginnen die Menschen mit ihrer allabendlichen Beschäftigung: dem Sundowning. Egal ob auf der Terrasse, auf einer Wüstendüne, bei der Tierbeobachtung (Sundowner-Gamedrive) oder irgendwo mitten in der Savanne – in Windeseile hat der Fahrer das obligatorische Sundowner-Set hervorgeholt: Gin Tonic (klar, gegen die Malaria-Mücken), der fruchtige Cider Savanna, Fingerfood und das Dörrfleisch Biltong.
 
Du schnabulierst, während du in die Weite schaust – und wenn du Glück hast, wartet in der Gästelodge schon ein lekker Braai (siehe 3.). 
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Die Autorin
Sonja Fröhlich, RND-Redakteurin, Afrika-Fan und abenteuer-affin, ist seit zehn Jahren regelmäßig für das Reiseressort der Madsack-Medien in aller Welt unterwegs. Hat Zeitungsarbeit ... mehr
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