Wenn sich dein Flug mehr als drei Stunden verspätet oder gar annulliert wird, kannst du eine Entschädigung zwischen 250 und 600 Euro bei der Fluggesellschaft anfordern. Das gilt aber nur, wenn keine „außergewöhnlichen Umstände“ zu den Problemen geführt haben – dazu zählen zum Beispiel schlechtes Wetter und Streiks.

Die Fluggesellschaft Tuifly war der Meinung, dass auch wilde Streiks, also kollektive Arbeitsniederlegungen einer Belegschaft, dazugehören. Im Oktober 2016 hatten sich fast 90 Prozent des Cockpitpersonals und über 60 Prozent des Kabinenpersonals krankgemeldet, nachdem die Airline überraschend Umstrukturierungen angekündigt hatte. Doch das Unternehmen lag falsch. 

Wilder Streik ist kein außergewöhnlicher Umstand

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat nun entschieden, dass ein solcher wilder Streik keinen außergewöhnlichen Umstand darstellt. Die Richter urteilten: Wenn es wegen tarifrechtlich unerlaubter Arbeitsniederlegungen zu Flugausfällen oder Verspätungen komme, sind Airlines nicht automatisch von ihrer Entschädigungspflicht befreit. Es müsse von Fall zu Fall entschieden werden.

Die EuGH-Richter urteilten, dass Airlines unter zwei Bedingungen von der Erstattungspflicht befreit werden könnten: wenn das Ereignis, das zu Einschränkungen führt, nicht Teil der normalen Betriebstätigkeit ist und wenn es von der Airline nicht beherrschbar ist.

EuGH: Tuifly muss zahlen

Im konkreten Fall muss Tuifly zahlen. Das Unternehmen hatte vor den wilden Streiks überraschend Umstrukturierungsmaßnahmen angekündigt. Konflikte und Meinungsverschiedenheiten seien in einem solchen Fall nicht ungewöhnlich, so die Richter. Unbeherrschbar sei dieser Streik zudem nicht gewesen, denn nach einer Woche einigten sich Betriebsrat und Konzern.

In besagter erster Oktoberwoche wurden infolge des wilden Streiks mehr als 100 Flüge gestrichen. Den betroffenen Fluggästen stehen jetzt Ausgleichszahlungen zu, wenn ihr Flug gestrichen wurde oder mehr als drei Stunden Verspätung hatte. Für die Einforderung der Entschädigung hat der Passagier ab dem betroffenen Flug drei Jahre Zeit.