Der White Beach auf der philippinischen Insel Boracay zählt weltweit zu den schönsten Stränden. Eigentlich. Aktuelle Internetbewertung rücken das Schmuckstück in ein extrem schlechtes Licht. Überlaufen, dreckig und extrem nervige Strandverkäufer – so beschreiben viele Urlauber ihre Erlebnisse. Ab dem 26. April soll die Insel für Touristen gesperrt werden. Sechs Monate lang. Vier Wochen vorher habe ich das beliebte Urlaubsdomizil besucht.

„Das Meer riecht nach Scheiße“ – diesen Kommentar von Präsident Rodrigo Duterte kann ich überhaupt nicht teilen. Er hatte Boracay als „Kloake“ bezeichnet. Mich überwältigen türkisblaues Wasser, feine weiße Sandstrände und eine beeindruckende Felslandschaft gleich in den ersten Momenten nach der Ankunft.

Dass die Insel für sechs Monate geschlossen werden soll, kann ich bei einem genaueren Hinschauen aber verstehen.

Illegale Bauten und Müll zerstören das Paradies

Bei einer Fahrt mit einem motorisierten Dreirad sehe ich im Inselinneren, dass illegale Bauten, vermüllte Küstenabschnitte und Abwasser, das direkt ins Meer geleitet wird, dieses tropische Paradies zerstören.

Dass im vergangenen Jahr fast zwei Millionen Urlauber noch Boracay gekommen sind, sorgt ganz sicher nicht für bessere Zeiten. Doch mit dem Wildwuchs der Urlaubsindustrie ist jetzt Schluss.

So sieht es im Inselinneren aus: Die Stromkabel hängen kaum gesichert entlang der Straße, und die Dreiräder warten vor den Häusern auf Touristen.
So sieht es im Inselinneren aus: Die Stromkabel hängen kaum gesichert entlang der Straße, und die Dreiräder warten vor den Häusern auf Touristen. Foto: Rene Wenzel

Und es gibt Verständnis von Einheimischen. „Wir fühlen uns hier nicht mehr wohl. Es ist total verdreckt und überfüllt mit Touristen“, sagt mir eine Anwohnerin, die seit 24 Jahren auf Boracay lebt. Der große Touristenansturm sei mittlerweile eine Last für die Filipinos. Sie müssen damit leben, dass das Abwasser quer über die Straßen fließt, direkt vor ihren Hütten entlang. Nicht so am Anziehungspunkt White Beach.

Urlauber am White Beach bekommen nicht viel vom Müllproblem mit

Wer am Strand liegt, bekommt davon eher wenig mit. Er ist an der westlichen Küste in drei „Stationen“ aufgeteilt. Besonders Station 1 sieht aus wie ein Postkartenmotiv. Hier reihen sich ein paar Luxusresorts aneinander. Wer clever ist, kann sich an den vielen freien Stellen auch einen Platz im bezaubernden Sand sichern.

In Richtung Süden wird es hingegen immer voller. Station 2 ist überlaufen von Touristen, Station 3 ist ein Anlaufpunkt für die Einheimischen.

Wer es etwas ruhiger mag, erreicht nach einem kurzen Spaziergang in Richtung Norden den Diniwid Beach. Unser Hotel Sulu Sea Boutique liegt direkt an diesem Strandabschnitt und bietet die besten Möglichkeiten – kurze Wege zu Station 1 und überhaupt kein Massentourismus. Wer Lust auf Party und Trubel hat, kann die günstigen Bars an Station 2 und 3 schnell erreichen.

Der Willy’s Rock an der Station 1 des White Beach im Sonnenuntergang.
Der Willy’s Rock an der Station 1 des White Beach im Sonnenuntergang. Foto: Rene Wenzel

Bei den Unternehmern kommt die geplante Schließung natürlich nicht durchweg positiv an. Kein Wunder: Rund 814 Millionen Euro bringen die Gäste pro Jahr der philippinischen Wirtschaft ein.

Die sechsmonatige Touristenpause will die populärste Ferieninsel der Philippinen nutzen, um ein Abwasser- und Entwässerungssysten zu erschaffen. Zudem sollen die in Feuchtgebieten errichteten Gebäude abgerissen und Umweltvergehen geahndet werden. Alles für ein sauberes und besseres Boracay. Ein tolles und korrektes Vorhaben – finde ich.