Seit 37 Tagen lebt Hassan al-Kontar am malaysischen Flughafen Kuala Lumpur, nachdem er von Fluggesellschaften und Einwanderungsbehörden hängen gelassen wurde. Gestrandet und fast mittellos schläft er unter Treppen und auf Bänken. Er wäscht sich in der Toilette und isst fast jeden Tag das von Airlines angebotene Paket „Reis mit Huhn“.

Der 36-jährige Syrer ist mit den Nerven am Ende. „Ich kann nicht länger in diesem Flughafen leben. Die Unsicherheit macht mich verrückt. Es fühlt sich an, als ob mein Leben einen neuen Tiefpunkt erreicht hätte“, sagt Hassan al-Kontar, der gerade in echt durchmacht, was Tom Hanks im Film „Terminal“ erlebt hat. Auf seinem Twitter-Kanal erzählt er der Öffentlichkeit täglich von seinem Leben als Gestrandeter.

Al-Kontars Leben zwischen den Ländern

Al-Kontars Albtraum begann im Februar: Er wollte mit Turkish Airlines von Kuala Lumpur in Malaysia nach Ecuador reisen, wo er hoffte, ohne Visum einreisen zu können. Doch im letzten Moment sei er vom Flug ausgeschlossen worden. 

In Malaysia lebte al-Kontar seit gut einem Jahr. Zuvor hatte der 36-Jährige im Marketing und in der Energiewirtschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gearbeitet. „Ich bin in die VAE geflogen, um Arbeit zu finden, aber wegen des Syrien-Konfliktes habe ich beides verloren, meine Arbeitserlaubnis und meinen Job, seitdem bin ich auf der Flucht.“ Im Januar 2017 wurde er dann aus den VAE nach Malaysia abgeschoben, weil es „eines der wenigen Länder der Welt ist, das Syrern wie mir Visa bei der Ankunft anbietet“. 

Doch nach dem Dilemma mit dem Turkish-Airlines-Flug war offenbar sein Touristenvisum für Malaysia ausgelaufen, er musste nach eigenen Angaben eine Geldstrafe zahlen und sei auf „die schwarze Liste“ gesetzt worden. Damit sei es ihm verboten gewesen, den Flughafen zu verlassen. 

„Ich wurde in Malaysia als illegal betrachtet, also entschied ich mich, nach Kambodscha zu fliegen“, so al-Kontar. Von dort aus wollte er nach ein paar Tagen Aufenthalt weiter nach Ecuador. „Aber sie beschlagnahmten meinen Reisepass bei der Ankunft.“ 

Warum dieser weitere Rückschlag? Syrer können bei der Ankunft in Kambodscha ein Visum bekommen, aber sie werden zurückgewiesen, wenn sie die „Anforderungen“ der Regierung nicht erfüllen, sagte Sok Veasna, Direktor des kambodschanischen Ministeriums für Immigration, der „Phnom Penh Post“.

Al-Kontar wurde zurück nach Kuala Lumpur geschickt. Und dort hängt er seit dem 7. März in der Transitzone fest.

Die Angst vor der Abschiebung nach Syrien

„Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich habe niemanden, der mir sagt, wohin ich gehen kann. Ich brauche wirklich Hilfe, weil ich glaube, dass das Schlimmste noch kommen wird“, sagte al-Kontar der „BBC“. Seine größte Angst ist eine Abschiebung nach Syrien.

Der 36-Jährige sagt, er habe das Land ursprünglich im Jahr 2006 verlassen, um dem Militärdienst zu entgehen. Nur einmal kehrte er nach Syrien zurück, 2008, um seine Familie zu besuchen. Er sagt, dass er dort immer noch per Haftbefehl gesucht werde. „Ich bin ein menschliches Wesen, und ich halte es nicht für richtig, am Krieg teilzunehmen. Es war nicht meine Entscheidung“, sagte er.

Er habe mehrere Behörden kontaktiert, um Hilfe für eine dauerhafte Lösung zu bekommen, so al-Kontar. Eine UNHCR-Sprecherin bestätigte dem „Guardian“, dass sie sich an al-Kontar und die malaysischen Behörden gewandt hatte, konnte sich jedoch nicht zu dem Einzelfall äußern.