Frische Meerluft, die unendliche Weite und Ruhe des Ozeans, ein bisschen Luxus – klingt nach einer klassischen Kreuzfahrt, oder? Mehr als 2.000 Passagiere haben jetzt das absolute Gegenteil erlebt: Chemikalien und Staub in der Luft, gesperrte Decks und unerträglicher Baulärm an Bord.

Mit den Worten „16 Tage Hölle“ beschreibt Passagierin Mae-Claire Locke ihre Kreuzfahrt gegenüber der Seite „news.com.au“. „Das war kein Urlaub. Das war eine einzige Baustelle.“

Das Horrorszenario eines jeden Erholungssuchenden fand Mitte März auf der „Norwegian Sun“ statt, die von Miami durch den Panamakanal nach Los Angeles fuhr. Die Empörung der Passagiere ist grenzenlos, in der Facebook-Gruppe „Panama Canal Sun“ posten sie Erlebnisberichte, dramatische Bilder und Videos.

Kreuzfahrtschiff wird Großbaustelle: Was ist passiert?

Ohne die Urlauber vorab zu informieren, nutzte die Reederei Norwegian Cruise Line die gut 16 Tage lange Kreuzfahrt, um das Schiff zu sanieren.

Ein Schild an der Absperrung informiert die Gäste über stattfindende Verschönerungen des Kreuzfahrtschiffes.
Ein Schild an der Absperrung informiert die Gäste über stattfindende Verschönerungen des Kreuzfahrtschiffes. Foto: Facebook.com/Jerry Polasek (Screenshot)

Die Passagiere berichten: Mehrere Decks seien gesperrt gewesen, weil Bodenbeläge großflächig abgeschliffen und erneuert wurden, Arbeiten mit Presslufthammern hätten unter großem Lärm auf einem der Decks stattgefunden, sogar während der Nacht, und Gase der an Deck gelagerten Chemikalien hätten sich an Bord verbreitet.

Charles P. O’Dale, nach eigenen Angaben ein ehemaliger Soldat der US-Marine, schreibt in seinem Post, dass die leicht entzündlichen Chemikalien an Deck ein hohes Sicherheitsrisiko darstellten und falsch gelagert worden seien.

Ganze Paletten entflammbarer Chemikalien wurden in der Sonne gelagert.
Ganze Paletten entflammbarer Chemikalien wurden in der Sonne gelagert. Foto: Facebook.com/Lisa Harmon (Screenshot)

Ein mögliches Gesundheitsrisiko stellte zudem der Schleifstaub dar, der angeblich über das ganze Boot wehte. Der feine, blaue Staub entstand beim Abschleifen der blauen Bodenbeläge und fand sich auf mehreren Decks und sogar an einer geöffneten Bar wieder. Ein Video von Bord zeigt, wie der gesamte Tresen von einer Staubschicht bedeckt ist. 

Eine Band habe nicht auf einer Open-Air-Bühne spielen können, weil es „blauen Staub schneite“, wie Debra Negus in der Facebook-Gruppe kommentierte.

Zudem seien Dämmmaterialien in einem Essensbereich in die Gerichte der Passagiere gerieselt, heißt es in einem weiteren Post. Mehrere Gäste hätten über Atembeschwerden und Hautreizungen geklagt.

Das sagt die Reederei zu dem Kreuzfahrt-Desaster

Die Passagiere fordern eine Entschädigung für die unerholsame Kreuzfahrt. Das offizielle Statement von Norwegian Cruise Line stellte allerdings die wenigsten Passagiere zufrieden.

In der Mitteilung, die dem reisereporter vorliegt, heißt es: „Wir geben unser Bestes, um die Auswirkungen solcher Arbeiten auf unsere Gäste zu minimieren, aber wir erkennen, dass wir die Erwartungen unserer Gäste nicht erfüllt haben und unsere eigenen Standards nicht eingehalten haben, wofür wir uns ehrlich entschuldigen.“

Als Entschädigung sollen die Passagiere einen Gutschein in Höhe des jeweils bezahlten Preises erhalten. Dieser kann für eine frei wählbare Norwegian-Kreuzfahrt eingesetzt werden und ist bis März 2023 gültig. Viele Passagiere wollen aber nie wieder ein Boot der Reederei betreten und äußerten sich empört über das Angebot.