Null Sterne: Bett auf der Schweizer Alm | reisereporter.de

Ausgebucht bis 2067: Ein Bett auf der Schweizer Alm

Schlafen unter freiem Himmel in einem bequemen Bett — ziemlich coole Vorstellung, oder? Die Künstler Frank und Patrik Riklin haben das erste Hotelzimmer ohne Dach und Wände gebaut.

Für Outdoorfans, die es besonders bequem mögen, haben die Künstlerbrüder Riklin ein Hotelzimmer ohne Dach und Wände entwickelt.
Für Outdoorfans, die es besonders bequem mögen, haben die Künstlerbrüder Riklin ein Hotelzimmer ohne Dach und Wände entwickelt.

Foto: Null Stern 2017

Ein Bett im Kornfeld ist es nicht, aber ein Bett vor malerischer Kulisse. Und um diese zu genießen, musst du nicht aus dem Fenster schauen. Du bist mittendrin. Im „Null Stern“-Hotel bilden die Berge der Schweiz die Wände und der Himmel das Dach. Romantisch, oder?

Die Künstlerbrüder Frank und Patrik Riklin nennen es auch das „immobilienbefreite Hotelzimmer ohne Wände und ohne Dach“. Was als Kunstprojekt begann, schoss nach kurzer Zeit durch die Decke.

Bis 2067 ausgebucht — trotz ungewisser Zukunft

„Aktuell stehen rund 4.500 Personen auf der Null-Stern-Warteliste für eine Übernachtung in diesem Jahr. 90 Tage geht die Saison, und es gibt aktuell nur ein Bett. Wir sind also rein rechnerisch bis 2067 ausgebucht“, so die Riklin-Brüder.

Doch es gibt einen Haken. Trotz des Erfolgs ist noch völlig unklar, ob und wo das Bett in der kommenden Sommersaison stehen wird. Im Jahr 2016 wurde es im Safiental und 2017 im Appenzellerland aufgestellt. Frank und Patrik Riklin haben damit eine temporäre Kunstinstallation erschaffen, die „kommt und geht“, wie sie sagen. Ob das Projekt eine Zukunft hat, hänge von der Kooperation zwischen Kunst und Wirtschaft ab.

Die Nachfragen erreichten die Riklin-Brüder aus aller Welt: „Wir haben im letzten Jahr Gäste aus über 29 Ländern empfangen, unter anderem aus den USA, aus dem Irak und aus China.“ Insgesamt verbrachten 162 Gäste eine Nacht unter freiem Schweizer Himmel – für 295 Schweizer Franken pro Aufenthalt.

Vom Landwirt zum Butler

Aber wieso wollen so viele Menschen umgerechnet rund 250 Euro für eine Übernachtung unter freiem Himmel zahlen? Vielleicht ist es der Reiz des Abenteuers, verpackt in einer kuscheligen Bettdecke.

Vielleicht auch der Butler-Service, der rund um die Uhr zur Verfügung steht. Und das ist nicht nur irgendein James, sondern der Landwirt der nächstgelegenen Hütte, Köbi Dietrich. Er tauscht zur Dienstzeit Latzhose und Mistgabel gegen weißes Hemd, schwarze Fliege und weiße Handschuhe. Tablett tragen am Steilhang oder mit vollen Kaffeetassen über Zäune klettern, sein Job hat es in sich.

Du solltest den Butler auch schnell anrufen, wenn du es dir mit oder ohne Begleitung im Bett gemütlich gemacht hast und dir plötzlich ein Regentropfen nach dem anderen aufs Gesicht fällt.

Nicht, damit er dir den Rest der Nacht eine Plane übers Bett hält, sondern damit er dich in die Alphütte geleitet. Die ist etwa 100 Meter vom Bett entfernt und verfügt über die einzige Toilette vor Ort – ein Plumpsklo. „Im vergangenen Jahr konnten 70 Prozent unserer Gäste draußen übernachten, 30 Prozent mussten in die Hütte umziehen“, berichten Frank und Patrik Riklin.

Übernachten im Bunker

Das Hotelzimmer, das kein Zimmer ist, ist nicht der erste Streich der Riklin-Brüder. Bereits 2008 sorgten sie mit dem ersten „Null Stern“-Hotel überhaupt – in einem Atombunker – für Schlagzeilen.

Damals kostete eine Übernachtung maximal 25 Euro und ein Los entschied darüber, wer am nächsten Morgen warm duschen durfte. Mit der gleichen Taktik wurde entschieden, wer im gemütlichen Doppelbett schlafen durfte und wer sich mit einem Doppelstockbett aus Metall begnügen musste. Diese Kunstperformance war nach einem Jahr wieder vorbei.

Dennoch wollen die Riklin-Brüder gemeinsam mit dem Co-Founder der Marke „Null Stern – the only star is you“, Daniel Charbonnier, die Geschichte ihrer „Null Stern“-Hotels fest in der Schweiz verankern. Ziel ist es, in jeder Touristenregion ein Bett zu installieren, mitten in der Natur. Immerhin haben sie noch 14 Betten aus dem Bunker übrig.

Köbi kann das Butlern nicht mehr lassen

Butler Dietrich hat durch den dreimonatigen Einsatz im „Null Stern“-Hotel Gefallen an der Bewirtung gefunden. Inzwischen bietet er auf seinem Bauernhof ein eigenes Projekt an.

Wenn du also nicht warten möchtest, bis das Bett unter dem Sternenhimmel wieder aufgestellt wird, kannst du auch in Köbi Dietrichs Almhütte übernachten. Der fehlt immerhin eine Wand mit Tür.

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