Flixbus hat vor fünf Jahren den ersten grünen Bus auf die Straße geschickt, inzwischen kontrolliert das Unternehmen praktisch den gesamten Fernbusmarkt in Deutschland. Jetzt will es Flixbus auch auf der Schiene wissen und schickt nach einer mehrmonatigen Testphase einen grünen Zug auf die Strecke, den Flixtrain.

Muss die Deutsche Bahn jetzt nicht mehr nur gegen Verspätungen und Zugausfälle kämpfen, sondern auch gegen einen ersten ernst zu nehmenden Konkurrenten im Fernverkehr? reisereporterin Andrea hat den Flixtrain auf der Jungfernfahrt getestet und Service, Ausstattung sowie Preise gecheckt.

Flixtrain: So war die Jungfernfahrt des Bahn-Konkurrenten

Pünktlich fährt der Flixtrain von Hamburg-Altona zu seiner Jungfernfahrt nach Köln ab. Daran darf sich die Bahn ruhig ein Beispiel nehmen. Nebenan hupt ein ICE. Ach ja, den gibt es ja auch noch. Das sollen die mehr als 400 Passagiere im schon rollenden Flixtrain nicht vergessen.

Die Ticketpreise für den grünen Zug sind schon mal eine Kampfansage von Flixbus an die Bahn: 9,90 Euro hat die Fahrt von Hamburg nach Köln gekostet. 5 Euro, wenn man nur einen Teil der Strecke mitfährt.

„Das ist ziemlich cool. Und für den Preis dauert die Fahrt nicht länger als mit dem IC“, sagt Nele. Die 20-jährige Studentin fährt mit einer Freundin nach Osnabrück. Für die Strecke haben sie aktiv nach Bahnalternativen gesucht. Der Flixtrain ist mit gut vier Stunden auf der Strecke Hamburg–Köln doppelt so schnell wie der Flixbus (Staus ausgenommen), auch ein ICE ist nicht nennenswert schneller.

Von außen frisch in Grün gestrichen, hat der Zug innen Retro-Look: Ein wenig ausgesessene blaue Sesselsitze, Sechser-Waggons (keine Spur von Großraum), alte Schiebetüren, Holzoptik an den Wänden, nicht überall gibt’s Steckdosen. Wir sitzen in einem alten Zug, so viel ist klar.

Betrieben wird der Flixtrain nicht von dem Fernbusanbieter, sondern auf der Strecke Hamburg–Köln vom BTE (Bahn Touristik Express) aus Nürnberg, der auch die Züge bereitstellt. Ehemalige DB-Fernzüge. Der Fernbusriese kümmert sich um Ticketverkauf und die Organisation des Streckennetzes.

Flixtrain: Der Retro-Look findet Fans

Nele hat ihre Schuhe ausgezogen und es sich auf den etwas ausgesessenen blauen Sitzen im Sechser-Abteil gemütlich gemacht. Eines stört sie aber: „Ich mag es nicht, dass es keine Sitzreihen gibt. Im Abteil kann man nicht so für sich sein“, sagt sie. Der Flixtrain hat nämlich nur Abteilwaggons. Fazit insgesamt: „Für den Preis ist das okay.“ 

Auch Studentin Jennifer findet: „Es ist alles ein wenig alt, aber das macht eine gemütliche Atmosphäre.“ Die 27-jährige Studentin besucht eine Freundin in Köln. Ihr Eindruck: „Es war angenehm. Ich hatte WLAN, die Sitze sind bequem und ich habe wenig bezahlt. Ich würde wieder mitfahren.“

Und wie sieht’s mit dem Bordservice aus? Das Bordbistro ist nur ein kleines Räumchen. Von dort aus läuft eine Verkäuferin mit einem Servicewagen durch den Zug. Es gibt kalte Getränke, Kaffee und Snacks.

Flixbus hat nach eigenen Angaben eine einstellige Millionensumme in den Aufbau seines Schienenangebots investiert. „Das ist ein erfolgreiches Konzept, das wir weiter ausbauen wollen“, sagt Flixbus-Mitgründer André Schwämmlein.

Konkret kommt bereits ab April die frühere Locomore-Strecke von Berlin nach Stuttgart hinzu. Den insolventen Hipster-Zug hatte Flixbus schon im August 2017 übernommen. Zumindest den Ticketverkauf, den Betrieb übernahm das tschechische Unternehmen Leo Express.

Flixbus-Chef: „Wir wollen das Angebot etablieren“

Doch im Gegensatz zu Locomore sei Flixbus gekommen, um zu bleiben. „Wir wollen eine Alternative im Schienenverkehr anbieten, die günstig und attraktiv ist, und dieses Angebot etablieren“, sagt Schwämmlein. Dafür fahren die Züge fünf- bis sechsmal die Woche. Ab Sommer soll die Taktung erhöht werden. 28 neue Ziele werden, so der Plan, bis zum Sommer in Deutschland angesteuert.

Mit der ersten Fahrt war der Chef zufrieden. „Das ist echt super gelaufen. Ich hatte sogar Zeit, durch die Abteile zu gehen und mit einigen Fahrgästen zu sprechen“, so Schwämmlein. Mit so viel Rummel haben diese aber nicht gerechnet.

Eine Jungfernfahrt mit kleinen Schwierigkeiten

Mit kleinen Schwierigkeiten hatte das Flixbus-Team aber doch zu kämpfen. Einige Steckdosen funktionierten nicht so, wie sie sollten, die Gäste beschwerten sich. Die pragmatische Antwort des Unternehmens: Die Mitarbeiter teilten kurzerhand Powerbanks aus.

Mit einer Verspätung von vier Minuten erreichte der Flixtrain seinen letzten Halt. „Hoffentlich werden sie nicht wie die Bahn“, scherzt ein Fahrgast beim Aussteigen. Eine zweite Deutsche Bahn wolle man nicht werden, so Schwämmlein. Aber: Das Unternehmen hofft auf 500.000 Fahrgäste pro Jahr auf seinen Strecken.