Sri Lanka: Curry aus der Baggerschaufel | reisereporter.de

Sri Lanka: Curry aus der Baggerschaufel

Eine Träne? Ein Diamant im Süden Indiens? Sri Lanka hat verschiedenste Kosenamen – und in allen scheint ein Fünkchen Wahrheit zu stecken. Unsere „reisereporter 2018“, Carina Doliwa und Eduardo Lima, sind aufgebrochen, um das ehemalige Ceylon zu erkunden.

Edu & Carina
Am Bahnhof von Hikkaduwa warten unsere „reisereporter 2018“ Carina Doliwa und Eduardo Lima auf den Zug nach Galle.
Am Bahnhof von Hikkaduwa warten unsere „reisereporter 2018“ Carina Doliwa und Eduardo Lima auf den Zug nach Galle.

Foto: Menzel

Wir hatten Sri Lanka schon eine ganze Weile auf dem Plan. Eine Freundin, eine Tamilin, hatte uns viel über ihre Heimat erzählt, die sie selbst kaum kannte, weil sie in Deutschland geboren und aufgewachsen ist.

Wir wussten also irgendwie, dass es mit seinen 21 Millionen Einwohnern ein bezauberndes Fleckchen Erde sein musste – mit Palmen und weißen Sandstränden, wo man am Kiosk Kokosnüsse statt Brause kauft, mit Fingern statt Messer und Gabel isst und sich mit Tuk-Tuks, bunten motorisierten Dreirädern, fortbewegt.

Wir wussten: Sri Lanka hat schöne und schwierige Seiten

Wir wussten auch, dass ein Tsunami das Inselparadies im Süden Indiens 2004 schwer verwüstet, ein Bürgerkrieg das Land fast 30 Jahre lang noch bis 2009 erschüttert hatte und dass es bis heute Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen der Singhalesen und Tamilen gibt. Wir hatten von den schönen und den schwierigen Seiten gehört. Dort gewesen waren wir noch nie, neugierig allemal.

Anfang März erfuhren wir, dass wir es in der großen „reisereporter 2018“-Aktion nicht nur unter die Top 10 geschafft, sondern das Rennen nach einer letzten, wirklich anstrengenden Voting-Etappe auch gewonnen hatten.

Wir sind die „reisereporter 2018“.
Foto: TUI; reisereporter; freepik.com

Für uns war klar, dass wir von den beiden Reisepaketen, zwischen denen wir uns als Erstplatzierte entscheiden durften, das erste nehmen würden: die Reise zum Eurovision Song Contest nach Lissabon, eine Kreuzfahrt von Malta über das Mittelmeer, ein Trip auf die griechische Insel Paros sowie in Eduardos Heimat, nach Brasilien. Und, gleich als Erstes: eine Woche in Sri Lanka.

Visum beantragen, Reise planen, Impfungen auffrischen, Koffer packen: Nur zehn Tage blieben uns bis zum Abflug. Eduardo hatte schon einmal zwei Monate in Südkorea gelebt. Für mich, Carina, sollte es die erste Asienreise meines Lebens werden.

Die Sri-Lanka-Rundreise im Video:

Sri Lanka, das sollte man wissen, ist nichts für schwache Nerven. Die erste Mutprobe erwartet uns gleich mit der Fahrt zum Hotel, die uns das Blut in den Adern gefrieren lässt – nicht der arktischen Klimaanlagen-Temperaturen im Kleinbus, sondern des Verkehrs wegen.

Rote Ampeln, Zebrastreifen? In Sri Lanka lediglich Straßendekoration!

Rote Ampeln, Zebrastreifen? In Sri Lanka sind das lediglich Straßendekorationen. Vorfahrt hat, wer sie sich nimmt. Trotz Gegenverkehr zu überholen scheint zum guten Ton zu gehören. Ein Tetris aus Auto- und Fahrradfahrern, Fußgängern und der ein oder anderen Kuh, in dem wir als Selbstfahrer wohl schnell „game over“ gewesen wären.

Auf gewissermaßen wundersame Weise erreichen wir, unserem Fahrer sei Dank, nach zwei Stunden unfallfrei das von TUI gebuchte und bereits bezahlte RIU Plaza Sri Lanka in Ahungalla – fünf Sterne, all inclusive, Infinity-Pool mit Palmenpanorama, Suite mit Blick aufs Meer und den weißen Strand, an dem postkartentauglich ein Oruwa liegt.

Wie für eine Postkarte gemacht: ein Oruwa am Strand.
Wie für eine Postkarte gemacht: ein Oruwa am Strand. Foto: Menzel

Oruwa sind Einbaumboote, die in Sri Lanka als Segel- oder Ruderboote zum Fischen genutzt werden – neben dem Tourismus sowie dem Anbau und Export von Tee und Zimt noch immer die wichtigste Einnahmequelle hierzulande. 

Weiter im Süden, in Koggala, fischen die Singhalesen auch im flachen Wasser – aber nicht etwa vom Land aus. Stundenlang sitzen sie auf tief in den Boden geschlagenen Stelzen mit kleinen Querbalken – was nicht nur faszinierend, sondern auch ziemlich unbequem aussieht. Eine Technik, die Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden sein soll. Wie, das weiß selbst hier niemand mehr so genau.

Das Postkartenmotiv Sri Lankas: Ein Fischer, der in Kogala auf seinem Holzstamm sitzt und auf den nächsten Fang wartet.
Das Postkartenmotiv Sri Lankas: Ein Fischer, der in Kogala auf seinem Holzstamm sitzt und auf den nächsten Fang wartet. Foto: Menzel

Wer es zum Sonnenaufgang aus dem Bett schafft, kann zusehen, wie die Fischer ihren Fang an den Mann bringen wollen – zum Beispiel im Hafen von Dodanduwa. Zugegeben: Sehr appetitlich ist das nicht. Kühlung? Markttische? Fehlanzeige.

Schwertfische, Rochen, große Haufen kleinerer und größerer Fische und Riesengarnelen liegen in der Morgenhitze auf dem blanken Betonboden, werden mit großen Messern an Ort und Stelle zerteilt. Dazwischen Mit Flipflops laufen die Käufer zwischen der Ware hin und her, manche barfuß, inspizieren, verhandeln. Zwei Stunden, dann ist alles verkauft. Frischer, sagt Nilantha, geht es trotz fehlender Kühlung nicht.

Unser Experte vor Ort: Nilantha aus Hikkaduwa im Süden Sri Lankas

Nilantha ist Singhalese. Zwei Tage sind wir zu Gast in seiner Pension direkt am Strand von Hikkaduwa im Süden der Insel, seiner Heimat. Er weiß so einiges aus den 70er- und 80er-Jahren zu berichten, als der Ort ein gigantisches Hippie-Mekka war. Nilantha spricht Deutsch – wie viele seiner Landsleute, was uns überrascht, aber kaum mehr wundert ob der vielen deutschen Touristen, die wir hier treffen.

Immer mit dabei: Der Local Guide Nilantha (M.), den die beiden kontaktiert hatten – und der schnell ein Freund wurde.
Immer mit dabei: Der Local Guide Nilantha (M.), den die beiden kontaktiert hatten – und der schnell ein Freund wurde. Foto: Menzel

Er hat sich Zeit genommen, um uns ein bisschen von seiner Heimat zu zeigen – traditionelles Frühstück inklusive. Es gibt Curry. Eigentlich gibt es in Sri Lanka immer Curry. Fischcurry, Kartoffelcurry, Linsencurry, Gemüsecurry. Morgens, mittags, abends: Curry. Heute werden Linsencurry und Fischcurry zum Frühstück serviert, dazu Weißbrot, gekochte Eier und String-Hopper, dünne Nudeln aus dunklem Reismehl.

Nilantha macht es vor: Erst die Nudeln, das Curry darüber verteilen, mischen, Bällchen formen und dann wie aus einer Vier-Finger-Baggerschaufel mit dem Daumen in den Mund schieben. 

Auf Sri Lanka wird mit den Händen gegessen.
Auf Sri Lanka wird mit den Händen gegessen. Foto: Menzel

Wer mutig ist, streut Kokossambol über das für europäische Gaumen bereits reichlich scharfe Essen – eine Mischung aus Kokosraspeln, Chili und Limettensaft. Eduardo beißt die Zähne zusammen und lächelt, ich huste, Nilantha lacht.

Nilantha lacht oft. Eigentlich immer – so wie fast alle Menschen, denen wir hier begegnen. Fischer oder Hotelier, arm oder reich, Männer, Frauen, Kinder: Alle lachen – in den allermeisten Fällen bedingungslos. Ein ansteckendes Lachen.

70 Prozent der Bevölkerung auf Sri Lanka sind Buddhisten

Ein buddhistisches vielleicht? Immerhin 70 Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Buddhisten, 13 Prozent Hindus, zehn Prozent Muslime, sieben Prozent Christen. Selbst der Mann, der uns im Jeep durch den Yala-Nationalpark im Südosten des Landes fährt, freut sich mindestens so sehr wie wir, als wir mit etwas Geduld und Glück nicht nur zwei ausgewachsene Elefanten aus der Ferne sehen, sondern auch ein Muttertier mit ihren zwei Jungen, die unmittelbar vor uns einen Weg überqueren. Wir lachen, er lacht – und das, obwohl er auf seinen zweimal täglich stattfindenden Touren schon den ein oder anderen Elefanten, Affen, Waran und Pfau gesehen haben dürfte.

Im Yala-Nationalpark kreuzte auch ein Elefantenbaby den Weg von Eduardo und Carina.
Im Yala-Nationalpark kreuzte auch ein Elefantenbaby den Weg von Eduardo und Carina. Foto: Menzel

Apropos sehen: Gesehen haben muss man auch Galle. Denn die Altstadt der 100.000 Einwohner zählenden Stadt im Südwesten des Landes gehört zum Unesco-Weltkulturerbe: eine gigantische und die größte von mehreren Festungen auf der ganzen Insel, die die niederländischen Kolonialisten Mitte des 16. Jahrhunderts errichten ließen.

Mehrere Meter dicke Mauern, Wälle, Wachtürme, die ein Areal aus engen Gassen und kleinen, gepflegten Häusern säumen. Am südlichsten Zipfel der Festungshalbinsel, die wie ein Tropfen ins Meer hängt, steht der berühmte Leuchtturm der Stadt, den die Briten im 19. Jahrhundert bauen ließen.

Galle: Eduardo und Carina spazieren auf der historischen Stadtmauer.
Galle: Eduardo und Carina spazieren auf der historischen Stadtmauer. Foto: Menzel

Portugiesen, Niederländer, Briten: Unabhängig ist Sri Lanka wie Indien erst seit 1948. Trotz historischer Fragwürdigkeiten ist Galle eine Augenweide – wenngleich so ganz anders als der Rest Sri Lankas.

Ein Ausflug, der sich im Übrigen mit einem anderen, ganz besonderen Erlebnis verbinden lässt: einer Zugfahrt – die nicht viel zu tun hat mit dem, was wir in Deutschland darunter verstehen. Da gibt es noch das Rattern der Räder und das Schnaufen des Schornsteins, da drehen sich noch Ventilatoren an der Decke und vor allem: Fenster und Türen stehen offen – während der Fahrt. Und wir zittern und bangen, als sich Nilantha aus der offenen Tür hinaushängt. Macht man hier so. Nicht ganz ungefährlich, aufregend allemal.

Das war mein erstes Mal, letztes Mal und nie mehr Mal.

Eduardo nach einer Ganzkörpermassage

Gewissermaßen aufregend ist auch die Massage, die wir uns am Tag vor der Abreise noch gönnen. Mit dem Tuk-Tuk fahren wir zu einem kleinen Haus in Ahungalla: Ganzkörpermassage mit Öl, zweimal bitte! Wir werden in einen kleinen Raum mit zwei Plastikstühlen und zwei Holzliegen geführt. Bläuliches Licht, grüne, verwaschene Handtücher, Öl in Kanistern – Thriller-Stimmung.

Dass die Masseure das Wort „Ganzkörper“ überraschend bis schockierend ernst nehmen, macht die ganze Angelegenheit nicht unbedingt entspannter. Oder wie Eduardo sagt: „Das war mein erstes Mal, letztes Mal und nie mehr Mal.“

Unser Ziel: In jedem Land etwas Gutes tun

Und bevor fünf Tage dann wirklich schon wieder vergangen sind, wollen wir noch ein Versprechen einlösen, das wir euch gegeben haben: das Versprechen, in jedem Land etwas Gutes zu tun, eine Kleinigkeit zurückzugeben.

Und weil wir an unserem Bilderbuchstrand, der auf den ersten Blick sehr sauber aussieht, dann doch bei genauerem Hinsehen die ein oder andere weniger schöne Ecke entdeckt haben, schnappen wir uns zwei große schwarze Müllsäcke vom Putztrolley im Hotel und ziehen los.

Eduardo und Carina wollen in jedem Land etwas Gutes tun. In Sri Lanka sammelten beide deshalb Müll am Strand.
Eduardo und Carina wollen in jedem Land etwas Gutes tun. In Sri Lanka sammelten beide deshalb Müll am Strand. Foto: Menzel

Flaschen, Papier, Zigarettenstummel – viel Kleinzeug zunächst. Und dann stoßen wir, etwas versteckt im Gebüsch, auf eine schöne Sauerei aus Styropor und Glas und sehr unschönen Dingen. Augen auf, Nase zu und durch! Nach nur einer halben Stunde sind die Müllsäcke fast voll und wir bringen das Zeug zurück zum Hotel, wo uns der Schwimmmeister mit einer Mischung aus Be- und Verwunderung sagt, wo wir die Säcke entsorgen können. Auch wenn wir weit davon entfernt sind, die Welt gerettet zu haben: Vielleicht ist es ja ein klitzekleiner Anfang.

Und dann ist es wirklich Zeit, „Ayubowan!“ zu sagen, womit sich die Menschen nicht nur zum Abschied, sondern auch zur Begrüßung ein langes und gutes Leben wünschen. Wir hatten nicht erwartet, in dieser kurzen Zeit so viel erleben, so sehr eintauchen zu dürfen – Nilantha sei Dank.

Die „reisereporter 2018“ in Sri Lanka

Da waren der Besuch in der Mondsteinmine und in der Brutstation für Schildkröten, in der die Eier der als potenzsteigernd geltenden Tiere vor Räubern geschützt werden sollen. Da war auch die Bootsfahrt über den Balapitiya Maduganga, der Besuch im buddhistischen Weherahena-Tempel in Matara, die Teefelder bei Elpetya, die unzähligen saftigen Bananen und frischen Kokosnüsse und vor allem die vielen kleinen Begegnungen, die wir erleben durften. Davon habt ihr ja bereits in unserem Sri-Lanka-Tagebuch gelesen.

Und doch gibt es allen Grund wiederzukommen, für zwei oder auch drei Wochen. Etwa um die Adamsbrücke anzusehen und den Löwenfelsen, den Sigiriya, die Teeplantagen von Nuwara Eliya und den Zahntempel in Kandy und, und, und.

Dennoch verlassen wir das Land nicht mit dem Gefühl, etwas verpasst zu haben – sondern mit einem Lächeln, das hier, in Sri Lanka, einfach wirklich ansteckend zu sein scheint.

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