Grün macht Rot Konkurrenz. Dabei geht es nicht um Politik, sondern um den Bahnverkehr. Das Busunternehmen Flixbus wagt den großen Schritt: Mit dem Flixtrain könnte die Bahn einen echten Rivalen bekommen. Zunächst fährt er auf zwei Strecken: Hamburg–Köln und Stuttgart–Berlin.

reisereporterin Andrea ist auf der Jungfernfahrt heute dabei und berichtet hier live aus dem Zug.  

13.04 Uhr: Angekommen! Und das mit nur vier Minuten Verspätung. Eigentlich sollten wir um 13 Uhr in Köln sein, jetzt sind wir da. Zurück geht's später mit der Deutschen Bahn. Bis nach Hannover zahlen wir 73 Euro... Ganz schön happig im Vergleich.

12.59 Uhr: Ich habe mit Flixbus-Mitbegründer André Schwämmlein gesprochen. Er ist bisher zufrieden mit der Jungernfahrt. „Ich hatte sogar Zeit mit einigen Reisenden zu sprechen und vorne in der Lok mitzufahren.“ Es soll nicht bei zwei Flixtrain-Strecken bleiben, sagt er. „Wir wollen die Bereiche Bus und Bahn weiter ausbauen.“

12.25 Uhr: Lauter grüne Züge hier...

12.02 Uhr: Eigentlich soll’s kostenloses WLAN geben. Bei mir funktioniert es leider nicht, und ich bin aufs mobile Internet angewiesen. Das läuft im Zug aber auch nicht immer so, wie man es gern hätte… Von anderen Passagieren habe ich aber auch gehört, dass das WLAN bei ihnen läuft. 

11.55 Uhr: Die Tickets starten bei 9,99 Euro. Studentin Nele Eichten aus Hamburg findet Zug und Service für den Preis „voll okay“.

Flixbus: Das Bordbistro ist ein kleiner Verkaufswagen

11.50 Uhr: Das Bordbistro, der „Snack Point“, ist ein kleines Räumchen. Eine Verkäuferin kommt mit einem Servicewagen durch den Zug. Es gibt kalte Getränke, Kaffee und Snacks. Find ich eigentlich ganz nett.

11.17 Uhr: Ich habe mit ein paar Passagieren gesprochen. Einige finden den Retro-Look gemütlich. Andere bemängeln, dass sie nicht für sich sitzen können und dass noch keine Platzreservierung möglich ist. 

10.50 Uhr: Nicht in allen Abteilen gibt es Steckdosen, dafür werden Powerbanks ausgegeben.

10.30 Uhr: Für die Strecke Hamburg–Köln kooperiert Flixbus mit dem Unternehmen Bahn Touristik Express, das auch die Züge bereitstellt. Und das sind nicht gerade die neuesten. Es gibt keine offenen Sitzreihen wie beim IC oder ICE, sondern nur Abteile mit sechs Sitzplätzen.

9 Uhr: Der Flixtrain hat Hamburg-Altona pünktlich verlassen. 600 Sitzplätze hätte der Zug, 400 Passagiere fahren mit, darunter auch Politiker wie Ex-Bürgermeister Ole von Beust. 

Was Zugfahrer vom Flixtrain erwarten können:

Fast so schnell wie der ICE: Zwischen Hamburg und Köln braucht der Flixtrain etwa viereinhalb Stunden. Der ICE schafft die Strecke in etwa vier Stunden. 

Günstige Preise: Die Flixtrain-Preise bewegen sich zwischen 9,99 Euro und 29 Euro auf der Strecke Hamburg–Köln. Das Auto- und Verkehrsportal „Stau.info“ hat 16 Hin- und Rückfahrten auf den bereits von Flixtrain bedienten Strecken ausgewertet und festgestellt, dass die Tickets im Schnitt 75 Prozent günstiger waren als bei der Deutschen Bahn. Mit den Spartickets für 19,90 Euro kämpft die Bahn schon seit einigen Jahren gegen die Konkurrenz auf der Autobahn und nun auch auf der Schiene.

Vergleichsweise kleines Streckennetz: Vorerst sollen nur zwei Strecken, zwischen Hamburg und Köln und zwischen Berlin und Stuttgart, befahren werden. Das allerdings fünf- bis sechsmal die Woche, erklärt Flixbus. Ab Sommer soll die Taktung erhöht werden. 

WLAN: Internet soll in den Flixtrains „je nach Netzabdeckung verfügbar sein“, so das Unternehmen. 

Das Projekt steht noch am Anfang, das Potenzial zeige sich aber jetzt schon, sagt Bettina Engert von Flixbus dem reisereporter: „Wir freuen uns schon seit dem Buchungsstart am 6. März über eine enorm große Nachfrage. Innerhalb der ersten 24 Stunden haben wir schon Tausende Tickets verkauft.“ Zunächst will das Unternehmen die Strecken von zwei verschwundenen Gesellschaften weiterführen: Die des Hamburg-Köln-Expresses (HKX) und ab April auch die von Locomore zwischen Stuttgart, Kassel und Berlin.

Der Flixtrain wird analog zum Flixbus-Geschäftsmodell betrieben. Das heißt, das Unternehmen kümmert sich um Ticketverkauf und organisiert das Streckennetz. Betrieben wird der Flixtrain aber nicht von dem Fernbusanbieter, sondern auf der Strecke Hamburg–Köln vom BTE (Bahn Touristik Express) aus Nürnberg. Zwischen Berlin und Stuttgart ist der Betreiber Locomore. Mit dem Hipster-Zug hatte Flixbus bereits kooperiert, nachdem das Bahnunternehmen im August 2017 Insolvenz angemeldet hatte.

Flixbus plant Start in den USA

Go big or go home – das scheint das Motto von Flixbus zu sein, das Unternehmen plant für diesen Sommer den Start in den USA. Dann sollen auch in Kalifornien grüne Busse rollen.